REVIEW: TBA – Love Vs. Hate, die Rache der greisen Biertrinkerallianz

tba

Wer kennt sie nicht?? Die Band, die es seit Jahrzehnten auf fast jeden Konzert- und Festivalflyer dieser Welt geschafft hat…
Wahnsinn!!! Und die älteren Junggebliebenen haben das Konzept auf die Spitze getrieben: Haben Bands wie SISTERS OF MERCY zumindest in ihrer Frühzeit mal Medien released, blieben TBA wie ein YETI – tauchten überall auf und waren doch nie zu fassen. Traurigerweise waren sie auch nie wirklich irgendwo zu sehen, denn entweder haben Promoter einfach den Bandnamen missbraucht, um Ticketverkäufe zu erhöhen, die Band kam wegen eines Staus vorm Fenster des örtlichen Kiez-Kioskes zu spät, alle haben getankt – nur das Auto nicht, Omas vielleicht letzter Geburtstag fiel urplötzlich und kurzfristig auf das Datum des Events… Doch kurz vor der Rocker(r)ente ändert sich das jetzt und sie haben es tatsächlich geschafft, einige ihrer ganz großen Hits endlich auf digitale Medien zu pressen. Noch nie hatten Streams und MP3s so formschöne Rillen. Hach, ich schwärme schon vorab.
Diese absolut ernst zu nehmende Combo begründet ihren riesigen Erfolg auf wohl durchdachte Arrangements, Texte, Choreografien. Niemand sonst trifft beim Anstoßen mit Bier die Flaschen in diesem mathematisch perfekten Winkel, wie unsere drei Heroen.
Nun könnte man natürlich schon vorm Zug das Projekt dafür abstrafen und sagen, dass nach den letzten zwei mageren Live-Jahren einfach die Kohle versoffen ist (irgend jemand musste ja wenigstens die Brauereien retten) und Hagis abgelatschte iconic red shoes dringend ersetzt werden müssten, daher jetzt diese zusätzliche Einnahmequelle. Aber nein, so ist das nicht. Wie immer bei den dreien steckt da ein ganz großer Plan dahinter, größer noch als der mit der Weltherrschaft (die haben sie ja quasi schon inne).
Nein, TBA verfolgen konsequent das Ziel des grenzenlosen Spaßes.
Und damit kommen wir hier jetzt ebenso (in)konsequent zum Willfried äh Ernst der Geschichte.

tba
(c) Ronald Koetz

Genau betrachtet, sind TBA ein missglücktes Experiment. Quasi ein entglittenes SOLITARY EXPERIMENT… Auf dem Jubiläumsevent der Letztgenannten im Jahre 2019 gab es Bier, reichlich Bier, also schon sehr viel Bier…
…und eine Castingshow namens “Fotokabine”.
Und wie es der Hopfengott so wollte, fanden sich unsere drei Protagonisten dort eher zufällig und spontan zu einem Shooting ein. Heraus kam ein fragwürdiges Bildnis, welches irgendwie an eine Band erinnerte. Und da war sie geboren, die wohl bescheuertste Idee, die man in überbordender Bierlaune so haben kann. Und sie ist tatsächlich nicht den plötzlichen Kindstod aka Filmriss gestorben, sondern überlebte echt auch die ersten Strahlen der aufgehenden Mördersonne nebst vier Tagen Kopfschmerz (letzteres ist eine Vermutung des Redakteurs, der das altersbedingt durchaus nachvollziehen kann).
Also was nun tun? Logisch, Musik machen natürlich. Wenn aber nur einer (ganz doll) entfernt Ahnung von Musikproduktion hat und dann auch wirklich keiner der Mittrinkenden singen kann, klingt das irgendwie nach einem aussichtslosen Unterfangen. Also erst einmal dem Kind einen Namen geben. Wenn das vermutlich erste jemals gesprochene Wort der Chaoten “Bier” war, liegt eine Verewigung eben jenes Zaubertrankes (dessen Wirkung aber nur begrenzt ist. Ich hab es versucht, aber selbst kurz vor dem Leberversagen wurden die drei nicht schöner; Anmerkung der Redaktion) im Bandnamen einfach nahe. Es steht zu vermuten, dass TBA ursprünglich eine Art Selbstbeschreibung war: wir Trinken Bier…Alle. Spätestens nach den ersten Versuchen, das Ganze technisch umzusetzen, wird dann wohl die Sorge um die Gesundheit der Konsumenten die Oberhand gewonnen haben und der Name wurde korrigiert in TRINKT BIER…ALLE!
Diesem Aufruf zur Ertüchtigung des eigenen Nervenkostüms empfiehlt sich generell zu folgen, wenn man Umgang mit diesen Herren der Zunft pflegen will. (an dieser Stelle sollte eigentlich ein Zwinkersmiley stehen. Tut er nicht? Merkt ihr selbst, oder…?!; Anmerkung der Redaktion, welche sich bereits jetzt an den zweiten Kasten Gerstenkaltschale wagt, muss sie doch gleich noch die Musik hören…).

So, nun wisst ihr alles, was ihr schon immer nicht über dieses graziöse Trio wissen wolltet. Und wat is nu mitter Mucke, hicks?
Ähm, ja, geht los. Musste gerade nochmal Kopfhörer wechseln: das angedachte Modell hatte ein verdammt gut arbeitendes Noise Cancelling, da kam nur noch Stille….
Spatz bei Seite, das Ergebnis ist…………..

… überraschend gut!
TBA sind genau betrachtet lupenreiner Punk: wir gründen aus Spaß ne Band, wir machen nur was uns Spaß macht, es ist zum Scheitern verurteilt, aber es ist lustig…
Wer solche Selbsteinschätzungen liest und sich ein bisschen auf dem Musikmarkt auskennt, wird fast unweigerlich an eine kleine, nur lokal “erfolgreiche” Kapelle namens DIE ÄRTZE erinnert werden. Und wohin das bei denen führte, ist ja gut dokumentiert. Sie fristen ein armseliges Dasein in Reichtum, Narrenfreiheit, auf gigantischen Bühnen…
Ja, sorry, diese Aussichten sind natürlich düster, aber echte Kerle haben ja Spaß am Brechen…
… also, dem Brechen von Konserven, äh, Konventionen.
Und somit geben DIETMAR FELS, JÖRN PLOEN und HAGI GRIMM alles (außer Bier), um die Musikwelt auf links zu drehen.
Prognose: Das wird gelingen! Die Band hat sich fachmännisch verstärkt mit Sidekick MATTHIAS LEIDECKER, dem einzigartigen Wortakrobaten KAI NIEMITZ (nee nee, nicht für die Lyrics, aber für selten gute Promo Sheets; Küsschen an dieser Stelle; Anmerkung 7598 der Redaktion) und den offenbar völlig schmerzfreien TORBEN SCHMIDT von INFACTED RECORDINGS, der diesem Trupp tatsächlich eine Heimat auf seinem eigentlich ernst zu nehmenden Label geboten hat. Respekt Torben, dich scheint wirklich nichts mehr zu erschrecken…!

Haben wir schon über die Single gesprochen?

tba
(c) Ronald Koetz

Nein??
Wirklich nicht?!
Mist, muss ich mir das ja doch noch anhören….

Vorher aber sei noch ein ganz besonderer Punkt erwähnt: Die drei größenwahnsinnigen Dilettanten sind regelrecht sozialistisch unterwegs und das ist auch gut so. In Zusammenarbeit mit NEUWERK MUSIC/ PEDDY SADIGHI werden euch beim feinen Merch Produzenten PETER WEILAND alias VARIATION IN MERCH ein paar tolle Goodies angeboten, deren Erlös zu 100% einem karitativen Zwecke zugeführt werden, nämlich der Unterstützung des Gnadenhof Sargstedt (Facebook hier). Also, Kauft Merch…Alle! Alle Infos bekommt ihr leicht verdaulich hier.

TBA – Love Vs. Hate

Ihr erinnert euch, dass keiner der drei singen kann? Was liegt da näher, als gleich alle in der ersten Veröffentlichung ans Mikro zu lassen?
Entwarnung: Keiner “singt”, es wird noch nicht einmal richtig geshoutet, das Stilmittel der Wahl sind spoken words.
Es erwartet uns treibender, leicht tranciger Midtempo-Electro mit gutem Clubpotential. Ich wiederhole hier meinen Satz von weiter oben und sage: Das klingt überraschend gut. Der Spaß des Chaotentrios überträgt sich sofort auf den Hörer. Das dürfte der Grund sein, warum sich die Produzenten von BEYOND BORDER breitschlagen ließen, dieses Kleinod zu remixen (ok, vielleicht wurde denen auch der Weltruhm versprochen, den sie aus eigener Kraft vielleicht nicht erlangen könnten; Anmerkung der – na, ihr wisst schon). Diese haben das Werk noch etwas tranciger gemacht, was zwar nicht unbedingt clubbiger ist, aber regelrecht zum Entspannen beim frischen Hopfentee animiert, also kein klassisches Machwerk der Kategorie “Namedropping”, sondern eine wirklich sehr eigene Bearbeitung des Stückes. In “Leideckers Bierlaune” zeigen uns Satans verstoßene Kinder, wo die Reise noch so hingehen wird. Mit an Board ist dann auch noch die rohe Demo-Version und ein Instrumental, damit das Release halbwegs versöhnlich enden kann.

Fazit:

Ich könnte hier jetzt schreiben, dass die Welt genau darauf gewartet hat. Und das tue ich auch genau so, natürlich mit einem Augenzwinkern, welches einer kompletten Gesichtszugentgleisung gleichkommt. Die Welt wird sich auch ohne TBA weiter drehen, es wird immer irgend einen musikalischen Output von irgendwem geben, aber TBA machen schon verdammt viel Spaß. Mir fehlt nur insgesamt ein bisschen mehr Energie, etwas mehr zwingender Drive, Tempo. Aber ich bin fest überzeugt davon, dass die Jungens noch den einen oder anderen Remix in der Rückhand haben, um die Dancefloors der Clubs zum Klimax zu treiben. Mein trainiertes Ohr (ja, nur das eine, das andere ist eh doof) ist jedenfalls geschmeichelt und angefixt, da darf gerne mehr kommen. Mit etwas mehr Mut, die Zielgruppe anzusprechen (Clubs und Bierzelte gleichermaßen) könnte diesem Trio Infernale eine rosige Zukunft “drohen”. Wichtig wird sein, dass es ein Spaßprojekt bleibt und niemand (vor allem sie selbst) sie zu ernst nimmt.
Einen ganz großen Bonuspunkt bekommt die Formation für ihren sozialen Einsatz, also der oben erwähnten Spendenaktion. Da muss man förmlich zu hohem kommerziellen Einsatz aufrufen!

Bewertung: 7/10

tba
(c) Sarah Mischke

Facts:

Tracklist

01 Love Vs. Hate
02 Love Vs. Hate (BEYOND BORDER Remix)
03 Leideckers Bierlaune
04 Love Vs. Hate (Demo)
05 Love Vs. Hate (Instrumental

Act:                 TBA – Trinkt Bier…Alle!
Release:          Love Vs. Hate (Single)
Label:             Infacted Recordings
Release Date: 06.05.2022
Medien:          digital only
Quellen:          Bandcamp und alle großen Streamingplattformen, wie beispielsweise Spotify

Kontakt Band: Facebook
Kontakt Label: Facebook

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