Review: D’ARTAGNAN – Feuer und Flamme

Stumpfe Degen – dafür trinkfreudige Musketiere

Seit 2016 ist die Folk – Rock Band der „drei Musketiere“ kaum noch aus der Szene wegzudenken. Nun laden uns die Musiker mit ihrem vierten Studio – Album „Feuer und Flamme“ erneut zum mitfeiern ein, mit 12 neuen Songs sowie 8 Cover und Kooperationsstücken mit anderen Bands auf der „Heldenedition“ der CD.

Schon mit dem ersten Lied „C’est la vie“ geben die Musketiere sich gewohnt kampfesfreudig und lebensfroh. Vielleicht ist gerade in diesen Zeiten diese simple Hommage an das Leben mit all seinen Auf und Abs, Erfolgen und Rückschlägen genau die Ermutigung, die viele von uns brauchen. Und die Hauptbotschaft des Liedes ist im Refrain verankert: „Gib niemals auf“. Das wünsche auch ich uns allen von Herzen! Musikalisch gibt es wenig neues, dafür bekanntes und für gut befundenes. Ein schöner Einstieg in die neue CD! Das zweite Stück „Feuer und Flamme“ startet etwas ruhiger, ist jedoch in seiner Botschaft genauso kraftvoll und klar. Zusammen überstehen wir alles! Spätestens an dieser Stelle stellt sich mir jedoch die Frage, was dieses „alles“ ist und wünsche mir etwas mehr Inhalt.

Im darauf folgende Lied „Farewell“ bereichert die Musikerin Patty Gurdy mit ihrer klaren Stimme die sehnsuchtsvolle Aussage. Das Duett mit Sänger Ben Metzner ist gelungen wie abwechslungsreich und eine schöne Bereicherung im musikalischen Reportoir der Band!

Mit „Feste feiern“ präsentieren uns die Musketiere erneut, wie gerne sie trinken und feiern. Inwiefern das nötig war, weiß ich nicht, war das doch eine ihrer Hauptbotschaften der letzten Jahre… Musikalisch hat mich das Stück eher gelangweilt als motiviert. 

„Scharlatan“ wiederrum überrascht positiv mit seinen kritischen Tönen und zeigt, dass die Musiker mehr können als trinken und feiern! Musikalisch ist dieses Stück sehr klar und eingängig und hat definitiv Ohrwurmcharakter!

Im Lied „Glücksritter“ beschwören die Musketiere erneut ihre wilde, glorreiche Vergangenheit, in sehr tanz – und feierbarer Weise. Gitarrist Tim Berndhard zeigt mehr von seinem Können, was dem Lied wirklich gut tut!

„Solang’ Dein Blut“ startet ruhig und bedächtig und bleibt es auch über die gesamte Länge des Songs. Inhaltlich nimmt es mit und schafft es, die Melancholie der Aussage zu transportieren. Gleichzeitig ist die Dankbarkeit spürbar, mit der diese Zeilen geschrieben wurden. Es freut mich jedes Mal sehr, wenn die Musiker zeigen, dass sie nicht nur aus Alkohol und guter Laune bestehen, macht sie das doch ehrlich und glaubhafter.

Im Lied „Ja, ich will“ wird deutlich, warum die Band beim „Fest der Deutschen Volksmusik“ sehr erfolgreich teilgenommen hat. Über Geschmack lässt sich vortrefflich streiten, meinen hat die Band in diesem Lied trotz emanzipatorischem Anstrich leider nicht getroffen. Die Musik wirkt einfallslos und der Text könnte aus den meisten erfolgreichen deutschen Schlagern stammen. Schade!

Gelungener ist die Aussage in „Auf uns’re Frauen“, auch wenn im Refrain an der Stelle „Auf Uns’re Fraun’n und unsre Geliebten, auf das ihr euch niemals begegnet“ leider genau die altbekannte Mär vom tapferen Manne mit seinen vielen Frauen beschworen wird. An dieser Stelle wirklich schade, sollte doch die Aussage des Liedes genau die entgegengesetzte sein. Vielleicht zählt der Gedanke. Falls ihr aber wirklich etwas an den Umständen ändern wollt, liebe Musketiere, lasst doch solche chauvinistischen Zeilen einfach weg, das würde euch glaubhafter machen!

Die restlichen Lieder „Drei Brüder“, „Mein Leben lang“ und „Völkerschlacht“ sind wenig innovativ, dafür aber gut hörbar. Vielleicht waren meine Erwartungen an die neue CD einfach zu hoch, hat sich doch die plakative, inhaltsferne und pathetische Seite der Band in den letzten Jahren bewährt. Doch in Zeiten, in denen immer mehr Musiker ernstgemeint Stellung beziehen, vermisse ich selbiges leider bei den Musketieren.

Bei der „Heldenedition“ der neuen CD ist immerhin für musikalische Abwechslung gesorgt, sei es durch eine Coverversion mit deutschem Text von „Heroes“ (David Bowie) oder „An der Tafelrunde“ (gemeinsam mit Schandmaul). 

Das Lied „Der Kaufmann und die Maid“, gemeinsam mit Sänger Sasha, Saltatio Mortis, Feuerschwanz, Subway to Sally, Tanzwut und Patty Gurdy ist schon seit längerem online zu genießen und offenbart eine schöne Prise Selbstironie! 

Ob es jedoch wirklich ein Cover von „Griechischer Wein“ gebraucht hat, um die Schlagernähe der Band zu unterstreichen, weiß ich allerdings nicht…

Insgesamt bietet die neue CD den Fans altbekanntes, zeigt jedoch keine Neuerungen. Wer D’ARTAGNAN schon mag, wird sie gewiss weiterhin mögen, ob mit dieser CD neue Fans gewonnen werden können, wird sich zeigen. Für mich wurde zu viel in Klischees gebadet.

Die CD bekommt von mir 6,5 von 10 möglichen Sternen.

Für alle Fans der Band sei an dieser Stelle noch auf das Online – Event am 26.3. hingewiesen, an dem zumindest virtuell mit den Musketieren gefeiert werden kann.