SPOTLIGHT: Das Dream Team Daniel Riedel und Kai Habel

Die Siebziger waren ein tolles Jahrzehnt in dem viele gewichtige Persönlichkeiten gezeugt wurden, die in der Musikwelt ihren Fußabdruck hinterlassen haben oder aber noch hinterlassen werden. Ich zum Beispiel! Dieses SPOTLIGHT behandelt ganz wichtige Redakteu…..
Ach nee, doch nicht. Jedenfalls noch nicht dieses Mal… Zwar sind Musikmagazine inklusive ihrer Mitarbeiter tatsächlich recht wichtig (manch Act, deren/dessen Album/Auftritt wir gerade derbe verrissen haben, mag das sicher anders sehen), aber nicht wichtig genug, um uns in solch einem Beitrag selbst zu beweihräuchern. Also doch noch einmal Musiker. Im Gegensatz zu unserem Protagonisten aus dem ersten SPOTLIGHT (beste Grüße an Higgy) dreht sich hier alles um Vernetzung.

Nun denn, fangen wir ganz früh an. Unsere 2 Protagonisten kamen Mitte der Seventies im Rheinland, bzw. in Thüringen zur Welt. Ich war nicht dabei, aber es lief wohl alles ganz normal ab, keine besonderen Auffälligkeiten. Auch die Jahre danach verliefen wohl nach dem üblichen Muster: Krabbeln und babbeln, den Weihnachtsmann um den Tannenbaum jagen, spielen in der Natur.
Ja liebe Kinder, in der Natur. Also diese komische Welt außerhalb der eigenen vier Wände. Aber was wollten die beiden auch sonst machen? Die hatten ja nüscht: Keine Playstation, keinen PC, kein „wasweißich“! Also Natur, ganz normal halt, zu 50 Prozent (bezogen auf die Anzahl der hier erwähnten Personen) allerdings überwiegend auf dem Skateboard.

Der Eine der beiden, KAI HABEL blieb auch später recht unauffällig, wie man heute so nebensächlich zusammenfassen würde. Er war in den Achtzigern recht früh fasziniert von den seltsamen Klängen, die da die Musiker aus den komischen elektrischen, klavierähnlichen Kisten holten. Aber das waren zu der Zeit viele. Das ging ja spätestens seit Ende der 70s rum wie heute dieses bescheidene C- Virus. Es gab auch regelrechte Superspreader in Radio und TV, zum Beispiel die nur so semi- moderne „ZDF Hitparade“ oder die ARD Sendung „Formel Eins“. Ja, und dem hatte auch KAIs Immunsystem nichts entgegenzusetzen und er infizierte sich mit dem „elektronische Musik-„ Virus. So ist es dann auch kaum mehr überraschend, dass sein erstes selbst gekauftes Vinyl (ja, damals vor dem Hype, gelten Konsumenten aus der zweiten Hälfte des 20sten Jahrhunderts heute eigentlich als Trendsetter?!) PAUL HARDCASTLEs „19“ war, ein damals wahnsinnig modernes Stück Musik. Ach, was heißt „damals“?! Der Track ist irgendwie zeitlos, ein Evergreen, ein outstanding Monument. Es folgten die üblichen Verdächtigen zu jener Zeit, darunter JAN HAMMER und SPACE ART. Allerdings war die Infektion beim KAI heftiger, als bei den meisten anderen, denn er wollte schon damals selbst solch eine Musik erschaffen. Prägend für diesen Wunsch waren dann auch die aus elektronischer Sicht „wilden Neunziger“ mit ihren Techno-, Trance- und auch Euro Dance Sounds.

Das ging auch dem Zweiten der zwei Beiden (schlagt mich, aber ich hatte gerade den unwiderstehlichen Drang, solch ein furchtbares Konstrukt zu schreiben…), DANIEL RIEDEL so, mit leicht differenten Details.
Vorweg bekommt DANIEL aber direkt ein paar Minuspunkte: Er ist nur unwesentlich jünger als ich, sieht aber viel besser aus, ist extrem viel netter und kann dann auch noch Musik machen! Ich fühle mich als „Lichtschein der Menschheit“ in meiner persönlichen Ehre gekränkt!1!11!!! Egal, bleibt ja unter uns, also pssssst 😉.
DANIEL bekam von seinem musikliebenden Vater viel mit auf den Weg des Lebens, damals noch melodische Pop-Rock Blüten wie YES oder THE ALAN PARSONS PROJECT. Doch auch bei ihm waren es bald die synthetischen Klänge von Bands wie DEPECHE MODE, den PET SHOP BOYS und ERASURE, die seinen Weg vorzeichneten. Das verband sich auch gut mit seinem früh festgestellten Gendefekt: Er hat früh einen Hang zu Poesie entwickelt und konnte gut Gedichte und andere lyrische Werke schreiben. So liegt es nahe, dass dieses Textverständnis auch Einfluss auf die Vorlieben in der Musik hatte. Nach eigener Aussage waren das dann Formationen wie SILKE BISCHOFF, WOLFSHEIM und besonders deutlich prägend auch PROJECT PITCHFORK. Aber auch DANIEL kam an elektronischer Großraumdiskothekenmusik nicht vorbei, ergänzte es „aus Gründen“ aber durch Industrial und Metal. Endgültig gefangen haben ihn dann all die wunderschönen Gewächse des dunklen SynthPops, des Future Pops und auch des Dark Electros.

Beide Herren begannen irgendwann damit, selbst zu experimentieren und zu produzieren, quasi als ganz normaler Evolutionsprozess. KAI hat da tatsächlich einen ziemlichen Hang zu klassischer Tasten-Hardware, während DANIEL es über einen Amiga 500, später ergänzt durch einen Sampler probierte. Beide verband schon da der Spaß an der Freude, ohne große Zukunftspläne und kommerzielle Hintergedanken. Musik machen war einzig und allein ein glücklich machendes Hobby. Während KAI dem Ganzen mehr oder weniger durchgehend treu blieb, schlief es beim DANIEL mit Beginn des harten Lebens als Erwachsener irgendwann ein. Das Leben fordert halt hier und dort so seinen Tribut. Ab zirka 2015 macht er wieder selbst elektronische Musik, was 2017 zu Gründung seines Projektes „DIARBLACK“ führte. Auch KAI gab etwa ab 2017 seinen Werken ein Zuhause unter dem Projektnamen „DEVICE NOT READY“.
Das Universum wollte es so, also lernten sich beide vorgenannten irgendwann kennen und machen seither alles zusammen. DANIEL ist nun also (seit etwa 2019) ein Teil von DEVICE NOT READY und KAI ist im Gegenzug Partner bei DIARBLACK.
Auch sonst können beide nicht wirklich „stillsitzen“: Während KAI sich mit zwei großen Gewichten der Szene im Projekt N/CTRL einbringt, steht DANIEL für JANREVOLUTION als Tastenartist auf den Bühnen der Clubs und nimmt aktuell auch noch Gesangsunterricht, um seinem Streben nach Perfektion gerecht zu werden.
Ihr seht, wenn nicht gerade so eine Pandemie die Welt lahmlegt, sind beide ganz schön aktiv. Wobei das ja nur so eine halbe Wahrheit ist, denn hinter den Kulissen wird ja weiterhin fleißig rotiert.

diarBlack Promo

So, bis hierhin war es nur ein Steckbrief zweier Personen, die man so vielleicht bisher kaum kannte. Denn zugegebenermaßen gelten sie trotz des nicht mehr ganz jugendlichen Alters als „Newbies“ oder „Newcomer“. Allerdings verfügen die zwei eben aufgrund des Alters und der eigenen musikalischen Sozialisation über eine gesunde Abgeklärtheit, was in diesem Business keinesfalls schaden kann. Und sie haben erste gute Ergebnisse geliefert, die ihr nachfolgend nicht nur abchecken könnt, sondern auch dringlichst solltet, vertraut mir (ich weiß, was ich tue…).
Hier also mal eine kleine Auswahl an musikalischem Output der Projekte von DANIEL und KAI:

BEYOND BORDER – What Makes The World Go Round (DEVICE NOT READY Remix)
SYNTHATTACK – Harsh Will Never Die (DEVICE NOT READY RMX) (exklusiv nur hier auf der CD zur Rettung des Clubs SUBKULTUR HANNOVER)
PROJEKT ICH feat. FALTENHALL – The Stranger (DEVICE NOT READY Remix)
MissSuicide – All Red Everything (DEVICE NOT READY Remix)
LES ANGES DE LA NUIT – The Witch (DEVICE NOT READY Remix)
FRAGILECHILD – Echolot (DEVICE NOT READY Remix) [inkl. Backing Vocals by KAI]
DIARBLACK feat. HELGA DYRFINNA – Heart (DEVICE NOT READY Remix)
BEYOND BORDER – Perfection (n/ctrl Version) [Teaser]

DIARBLACK feat. HELGA DYRFINNA – Heart (Akustik Version) [brandaktuell und mega heiß, aktueller geht es kaum! Hier bekommt ihr die komplette Single zum Download.]
DIARBLACK – But Not Tonight (DEPECHE MODE Cover, Beitrag zur Tribute CD „Music For Construction“, welche unter anderem hier erhältlich ist)
LILITH MY MOTHER – Now (DIARBLACK Remix)
OUTSIZED feat. HELGA DYRFINNA – Coming Home DIARBLACK Remix)
MTF8 – Purity (DIARBLACK Remix)
BLUE FORGE – Clouds (DIARBLACK RMX)

Ihr seid noch dabei und still interested? Fein, danke bis hierhin. Dann wollen wir die Protagonisten dieser kleinen Geschichte selbst zu Wort kommen lassen.
Während ich hier die Wählscheibe an meinem kabelgebundenen Telefon drehe, könnt ihr ja schon mal etwas Unterstützungsarbeit leisten und einen Einkaufsbummel mit den Werken der Beiden starten, most of them ist erhältlich auf Bandcamp. Ansonsten liken und folgen auf den diversen Streaming Plattformen, sowie Facebook.
Es tutet in der Leitung, also teilt schnell noch diesen Artikel (denkt dran, sharing is caring), bevor es wieder heftig spannend wird…

Dany: Guten Morgen, ihr zwei. Sanfter Einstieg ins Gespräch: Wie geht es euch momentan, was treibt ihr so (musikalisch)?
Kai: Das ist was für dich, Daniel…
Daniel: Für mich? Stimmt, Kai hat ein neues Hobby gefunden. OK, ich habe von meiner Lehrerin auf die Finger gehauen bekommen, ich soll erst ordentlich singen, bevor ich Releases veröffentliche. Ich arbeite noch an allen Songs in der Schublade. Aber da kommt noch einiges… ich konnte auch jemanden für Backing Vocals begeistern.
Kai: Neues altes Hobby. Heute kam meine neue Kamera an und ich habe mich tatsächlich festgespielt. Ich habe früher schon viel und gerne fotografiert.
Daniel: Ich bin gespannt, wenn er alles von seiner Kamera kennt, was dann erst für Videos entstehen.
Dany: Daniel, du bist also zum einen mit vollem Einsatz an deiner Gesangsausbildung und organisierst und produzierst parallel im Hintergrund weiter?
Daniel: Ja, ich halte meine Ideen fest, damit sie nicht verloren gehen. Und überlege, ob ich ein bestimmtes Konzept verfolge. Nebenbei arbeite ich mit Jan an neuen Songs für JAN REVOLUTION.
Dany: Wie, wo und wann habt ihr euch kennengelernt und was führte zum Entschluss, gemeinsam Musik zu machen?
Kai: Schöne Story. Daniel? Vorhang auf …
Daniel: Also… Kai wurde mir von FB immer wieder als Freund vorgeschlagen, so dass ich ihm irgendwann eine Freundschaftsanfrage geschickt habe. Dann bin ich auf sein Profil gegangen, ich bin ja neugierig. Und siehe da, der junge Mann spielt auch mit Musik… in FL Studio, womit ich auch mal was gemacht habe. Dann habe ich ihm geschrieben, was er so macht, seit wann und welche Art von Musik usw….
Kai: Ja, genau und ich wurde hellhörig, da ich nach Verstärkung für DEVICE NOT READY suchte.
Daniel: …Und so haben wir am Anfang einige Male am Tag bei FB geschrieben, nach einigen Wochen dann per WhatsApp. Irgendwann wussten wir ziemlich viel voneinander und haben auch beschlossen, wir könnten uns gegenseitig helfen. Weil wie so oft, haben wir verschiedene Talente für Dinge, Kai kann mir bei vielen Dingen helfen, die ich nicht so gut kann. Ich merkte, die Chemie stimmt. Verwunderlich, weil wir uns nicht persönlich kannten.
Kai: Ich glaube, dass war irgendwie in der Art: Lass mal was hören und es passte einfach richtig gut.
Dany: Das klingt furchtbar banal und doch außergewöhnlich, da ihr euch ja an und für sich gar nicht kanntet. Man muss also einfach mal den Mut zusammennehmen und andere ansprechen, beziehungsweise denen eben auch zuhören? Fast schon eine Metapher für das, was globalpolitisch gerade fehlt…
Daniel: Ja Dany, da hast du Recht, ich bin einfach auf Kai zugegangen. Ich weiß nicht warum, ich dachte einfach, es könnte gut werden. Und mein Gefühl hat mich nicht enttäuscht. Ja es ist seltsam, dass es so gut funktioniert. Natürlich wäre ein richtiges Zusammenfinden im Studio noch viel produktiver. Aber bisher ist dies leider noch nicht zu realisieren gewesen.
Kai: Und das auf die Entfernung, aber es klappt wirklich super. Da stimme ich Daniel voll zu.
Dany: Im Artikel haben wir erfahren, dass jeder von euch in der Jugend so angefixt war von der Synthesizermusik, dass ihr selbst welche machen wolltet. Auch hier einfach eine Frage des Mutes: Einfach los, irgendein günstiges Keyboard vom Taschengeld gekauft und geübt, oder wie lief das bei euch so ab?
Daniel: Ich habe mit einem Amiga500 und ProTracker 2.0 angefangen, Keyboard war eher ein Spielzeug… aber ich war fasziniert von der Möglichkeit, etwas zu samplen und dann was neues daraus zu machen… wird ja heute noch so gemacht.
Kai: Bei mir war es eher so, dass nicht viel Geld vorhanden war, weshalb ich mit den damals relativ günstigen Geräten anfing. Das war bei mir tatsächlich kein Synth, sondern ein Yamaha PSR. Also ein Keyboard und dazu entsprechend der Unterricht, der dann irgendwann zur E-Orgel wechselte – der Synth war also noch in weiter Ferne, doch der C64 war da schon vom Sound eher da, wo ich hinwollte. Ja, irgendwann hatte ich auch einen Casio SK-1. Mein erster Sampler, verrücktes Teil…
Dany: Kai hat ja schon reichlich Hardware, aber im Allgemeinen werkelt ihr beide mittlerweile eher per DAW, oder?
Kai: Beim Tracking auf jeden Fall. Die Hardware kommt dann eher gegen Ende dazu.
Daniel: Ich muss sagen, dass ich im Moment eher alles am Rechner mache, die Hardware binde ich eigentlich viel zu selten ein. Dabei sind die Möglichkeiten damit etwas zu machen, irgendwie schöner, echte Knöpfe anfassen und nicht nur mit der Maus zu hantieren… aber hey, auch da sind wir flexibel: Ich habe Kai ein Midi geschickt, er mir das WAV aus dem Synth zurück und schon hatte ich eine Bassline aus einem Synth, den ich nicht mal besitze.
Kai: Ja, stimmt. Ich glaube das war der Model-D. Die DAWs sind übrigens interessant, da arbeiten wir unterschiedlich.
Daniel: Stimmt, ich konnte Kai nicht von Logic überzeugen.
Dany: Ihr wart beide mit FL [FRUITY LOOPS, große DAW Suite (DAW = Digital Audio Workstation); Anm. der Redaktion] unterwegs, schrieb Daniel vorhin. Das ist aktuell anders? Gibt’s da dann Probleme in der Zusammenarbeit?
Kai: Ach, gar nicht. Daniel ist mit seinem Logic unterwegs und ich mit FL Studio. In der Regel läuft es eh auf Tonspuren hinaus.
Daniel: Ich habe mit FL Studio begonnen, aber dann ist mir der Laptop kaputt gegangen, so dass ich mir ein MacBook gekauft habe…. nur lief da FL zum damaligen Zeitpunkt nicht.
Kai: Ich denke, man hängt an der Software, mit der man am besten klarkommt und das ist das Wichtigste.
Daniel: Und da man mit Midi und Audio in jeder DAW arbeiten kann, ist alles gut.
Dany: Die Daten liegen dann als Spuren in Rohform vor, sogenannten Stems, die mit der anderen DAW einfach importiert werden können?
Kai: Genau, außer es muss mal was abgeändert werden, dann nehmen wir die Midis und schicken dann die fertigen Audio Spuren.
Daniel: Genau, wenn man nicht alle Plugins hat, ist das am Besten.
Dany: Kurzer Sprung zurück: Zwischen euren Anfängen und der Gründung eurer Projekte liegen ja ein paar Monde. Führten die Experimente zu Erfolgen und haben diese jemals fremde Ohren erreicht, also habt ihr euch Feedback geholt?
Kai: Klar, wobei es früher halt eher so war, dass man Kassetten weitergegeben hat, oder später dann CDs gebrannt hat, aber nie wirklich in großem Umfang. Da hat das Internet schon einiges geändert in den vergangenen Jahren seit den Anfängen.
Daniel: Da muss ich sagen, bei meinem Projekt sind einige Sachen von Kai eingeflossen. Vieles liegt aber noch in der Schublade, es hängt bei allen Songs nur noch an den Vocals. Und so habe ich, beziehungsweise haben wir uns mit Remixen und Covern versucht, davon sind auch einige bei allen digitalen Plattformen zu finden.
Dany: OK, ich habe gelernt, dass du Perfektionist bist. Hast du denn schonmal in Erwägung gezogen, andere singen zu lassen (wie PATRICK von ELEKTROSTAUB es praktiziert, wenngleich dort die Vokalisten auch die Texte schreiben)?
Daniel: Ja, deshalb habe ich die HELGA singen lassen. Aber ich möchte eigentlich meinen Songs selbst die Seele einhauchen. Denn in jedem Song steckt irgendwas drin, das ich gerne ausdrücken möchte. Deshalb die Entscheidung mit dem Gesangsunterricht. Natürlich, trägt das nicht innerhalb von 3 Monaten Früchte, aber irgendwann… Im Endeffekt, habe ich mit JAN von JANREVOLUTION einen Sänger mit Erfahrung, der mir ein paar Tipps geben kann und eine Lehrerin, die mir die Grundlagen beibringt. Ich glaube, da kann was sehr Gutes entstehen.
Dany: Wenn man euch so betrachtet, also eure ganzen Verbindungen, dann könnte man meinen, die Szene sei eine Art große Familie (sehr romantischer Gedanke…). Wie kommt so etwas im Allgemeinen zustande, also die Mitwirkung bei Jan Revolution, die Zusammenarbeit mit MICHA DEITY von BEYOND BORDER etc…?
Kai: Puh. Ja, im Endeffekt ist es auch wirklich so. Sicher versteht man sich nicht mit jedem, aber die Szene ist so groß nicht und im Endeffekt lieben wir alle Musik. Das ist es, was uns verbindet.
Daniel: Ich glaube, es ist auch ein bisschen wie Familie, eine sehr große, da gibt es in der Familie auch Menschen, die magst du sehr und welche, die magst du nicht so sehr. Aber wenn man was macht, fällt man vielleicht doch irgendwann auf. Und so wird man vielleicht mal angesprochen, wegen einem Remix, wegen dem und dem… und Jan fragte mich, ob ich Lust hätte bei JR mit einzusteigen.
Dany: Wie läuft bei euch (ungeachtet wessen Projekt) die Produktion ab? Einfach mal drauflos jammen, oder fester Plan beginnend mit Beats, ‘ner Hook, oder gar den Lyrics?
Kai: Bei mir ist es auf jeden Fall zum größten Teil das Jamming. Manchmal habe ich aber auch eine Melodie im Kopf, die ich schnell festhalten muss und das nimmt dann eine Eigendynamik ein.
Daniel: Bei mir fängt es oft mit dem Text an, ich habe wie eine Eingebung, dann schreibt sich das fast von alleine. Dann finde ich die Musik dazu. Manchmal habe ich auch nur ein paar Akkorde…
Kai: Ja, oder so Dinger wie “Daniel, ich hab da was…” und du so “Ich hab da ne Text-Idee”.
Daniel: Mir ist aufgefallen, wenn man emotional aufgewühlt ist, positiv wie negativ, kommen die meisten und auch besten Songs dabei heraus. Texte schreiben fällt mir leicht, ich fühle, was die Musik sagen muss und versuche passende Worte zu finden. Schwierig finde ich es eher, dem Text noch einmal eine richtige Dynamik zu verleihen, mit der Betonung und Aussprache. Daran arbeite ich noch mit dem Gesangsunterricht. Da habe ich echt Glück, dass diese Lehrerin mir da aufbauend zum Unterricht auch Tipps gibt, wie man das besser machen kann.
Dany: Daniel, du suchst aber weiter nach Gastvokalist*innen wie Helga? Oder ergibt sich der Wunsch durch Zufall?
Daniel: Helga habe ich per Zufall bei Facebook gefunden. Nun habe ich die Helga und noch eine andere Sängerin. Reicht mir eigentlich und Helga würde gerne wieder was machen. Dazu muss man aber auch einen passenden Song haben. Und Helga wollte sich gerne mal beim Songwriting mit einbringen.
Dany: Das heißt, da könnte bald wieder etwas kommen?
Daniel: Auf jeden Fall! Wir haben zusammen einen Song angefangen, der war englisch/ isländisch/deutsch, aber sie hat auch einiges zu tun und somit ist das irgendwann in Vergessenheit geraten. Aber jetzt, wo du mich so fragst, könnte man das mal wieder anstoßen.
Dany: Kai, wer und was steckt hinter N/CTRL und wie ergab sich das?
Kai: n/ctrl sind (DJ) Sven Enzelmann, den man von The Promise und Philtron kennt, Deity von Beyond Border und ich. Ich denke das ganze entwickelte sich, während ich an einem Remix für Beyond Border saß. Die Chemie stimmte und Deity kam mit der Idee um die Ecke, mal den Dancefloor auf links zu drehen. Von da an wuchs das Projekt immer weiter und aktuell bereiten wir die ersten Releases vor. Den Anfang macht ja die Version des Beyond Border Songs “Perfection”. Ein Projekt bei dem 15 Bands aus 9 Ländern denselben Song interpretieren und ihren eigenen Text beisteuern.
Dany: Habt ihr vor, eure Projekte vielleicht irgendwann zusammenzuführen, oder liegt der Fokus der Projekte jeweils auf anderen Punkten, sodass sie eigenständig bleiben müssen/sollten?
Kai: Die Stile sind sehr unterschiedlich, wenngleich es auch Schnittmengen gibt. Von daher werden es eigenständige Projekte bleiben.
Daniel: Es ist eher so, dass es noch andere Projekte gibt und geben wird, weil man sich vielleicht auch mal in einer anderen Richtung bewegen will. Oder Helga ein Teil sein möchte und nicht nur ein „Featuring“.
Dany:  Gibt es Pläne, das Ganze irgendwann professionell zu machen, also als Vollzeitmusiker, mit Label im Rücken etc.?
Daniel: Nein, das ist jedenfalls nicht geplant. Wir machen es, weil wir Spaß daran haben.
Kai: Ich glaube, eher nicht. Wir machen Musik, weil es uns Spaß macht und freuen uns natürlich, wenn es gefällt, aber von der Musik zu leben wird immer schwieriger.
Daniel: Die Bands leben von Konzerten und vom Merchandising, Spotify und Co. kann man eher vernachlässigen.
Kai: Streaming rechnet sich, wenn genug Aufrufe da sind, also: Hört diarBlack!
Daniel: … und Device not Ready und n/crtl.
Kai: Hört gute Musik, egal welche!
Dany: Nachfolgend eine Frage an beide, also für jeden einzelnen und euch als Team: Stehen irgendwelche Releases in den Startlöchern oder gibt es irgendetwas anderes, worauf wir die bis hierhin tapferen Leser unbedingt hinweisen sollten?
Kai: Ja, da kommt was…
Daniel: Nun, ich hoffe es und arbeite fest daran, dass bald was kommt.
Kai: Verraten wir, dass es ein deutscher Text wird?
Daniel: Ja, das können wir sagen. Deutscher Text.
Kai: Es wird ein diarBlack Track kommen. DEVICE NOT READY dauert noch ein Wenig, aber dann wird es wohl eine EP.
Daniel: Ich kann schon etwas verraten, ich habe ein Sache, die mir am Herzen liegt, deshalb werde ich dazu auf dem Album einige Tracks zu dieser Thematik haben.
Dany: Zu guter Letzt: Könnt ihr unschlüssigen Interessenten/Musikern in spe euren Werdegang empfehlen, bzw. Tipps geben? Oder einfacher ausgedrückt: Würdet ihr alles wieder genauso machen?
Daniel: Ja, Tipp Nummer eins: Lass dir niemals von jemandem deinen Traum/Wunsch ausreden. Tipp 2: Lass dir niemals sagen, du kannst das nicht (singen, Instrumente spielen) und Tipp 3: Gib niemals auf, auch wenn es mal nicht gut läuft. Ich würde eher mit Gesangsunterricht beginnen, das wollte ich schon vor Corona machen… dann ging es nicht mehr.
Kai: Alles würde ich so sicherlich nicht mehr machen. Da war einiges, wo ich gedacht habe: toll, warum hat mir das keiner gesagt? Erwähnenswert ist sicherlich: Ohne Moos nichts los… also lieber sparen auf gutes Equipment, als frustriert zu sein und rechtzeitig Kontakte knüpfen, um nicht in von Anfang an Dinge falsch zu machen.
Daniel: Stimmt, wenn du mit anderen Menschen in Kontakt stehst, kannst du dir viele Fehlkäufe ersparen. Viele Dinge gleich anders machen. Aber das Wichtigste, finde ich, bleibt das gemeinsame Ding. Es ist einfach schön, welche Menschen es zusammenführt, aus anderen Ländern und Kreisen.
Dany: Ich bedanke mich recht herzlich für eure Zeit, die schönen Antworten und überhaupt. Liebe Grüße und nur das Beste für eure Zukunft.

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