Review: GHOST – “Impera”

Sie stehen für theatralische und klangstark einnehmende Rockmusik. Am 11. März 2022 veröffentlichen GHOST ihr fünftes Studioalbum “Impera”. Der 12 Songs umfassende Zyklus überrascht mit prägnanten und tiefgehenden Texten, die Einblicke in unterschiedliche Imperien wie das römische Kaiserreich oder das Dritte Reich geben. GHOST-Hörern fällt wohl direkt auf, dass das Album in seiner Gesamtheit instrumental und stimmungstechnisch tiefer greift. Produziert wurde der Nachfolger des Grammy nominierten “Prequelle” von Klas Ahlund und von Andy Wallace gemischt.

Das Intro “Imperium” klingt wie ein Warten – ein Warten auf das, was das Album zu bieten hat: Stark und impulsiv wird der Zuhörer schon mit dem ersten Klang in die Welt von GHOST mitgenommen. Es folgt “Kaisarion” mit einem rockigen Einstieg und erzählt vom Untergang des römischen Kaiserreiches und dem “Witch´s Doom” – dem Fall der Cleopatra.

In “Spillway” wird deutlich, was das neue Album von seinen Vorgängern unterscheidet: Zwar finden wir die mystisch-choralen Klänge aus den Vorgänger-Alben, treffen aber immer wieder auf rockige Elemente, die hier sogar leicht an die Songs von JOURNEY erinnern. Im Vergleich zu den vergangenen Stücken der Schweden hören wir hier bei allen Songs ein starkes, energiegeladenes Tempo raus. Deutlich mehr Gitarrenriffs, gezielt treibende Drum-Einsätze in Kombination mit den altbekannten choralen Parts machen das Ganze Werk so spannend und zu einem wunderbaren Hör-Erlebnis.

Deutlich härter geht es in “Hunter´s Moon” zu: Choraler Metal trifft düster erzählte Songtexte mit einer dichten Atmosphäre, die in Kombination von beidem daherkommt. Es verwundert also nicht, dass dieser einnehmende Song als Titelsong für den Film “Halloween Kills” erwählt wurde. Harte Klänge und eingängige Bässe spiegeln hier musikalisch wider, was im Film passiert, als Michael Meyers von den Bewohnern von Haddonfields gejagt wird. Man spürt förmlich den Herzschlag, die Spannung in den Texten, wenn es pulsierend heißt: “It´s Been A Long Time Coming, I´m Coming Back For You, My Friend”.

“Twenties” ist wie ein Rückblick in die Zeiten der 1920er-Jahre; in eine Zeit des faschistischen Regimes Italiens und der nationalsozialistischen Regierung Deutschlands (“For The Reich To Come”). Spannend ist hier der historische Bogen, den die Schweden schlagen: Vom einen in das andere Jahrtausend geht der Sprung, in dem zunächst deutlich Stellung zu den Ereignissen um das Dritte Reich gezogen wird und im zweiten Teil des Songs – aktueller denn je – dargestellt wird, was aktuell in unseren Zwanzigern geschieht: “We´ll Be Grinding In A Pile Of Moolah”, einer eindeutigen Anspielung auf Donald Trump.

Beim Hören erinnert “Watcher In The Sky” an “Rats” aus dem Album “Prequelle”: Powergeladen und extrem temporeich kommt dieser Song daher.

Das Album holt einen genau da ab, wo man es von GHOST erwartet: Es ist spannend, packend, extravagant, anmutig und klanggewaltig. Bekannte und gewohnte hypnotische Klänge aus den vergangenen Alben mischen sich mit starken Rock- und Metaleinflüssen, prägnanten Texten und der gewohnt-markanten GHOST-Theatralik. Packend vom ersten Klang lässt sich das Werk in Einem durchhören – mit dem Wunsch, es direkt auf “Repeat” in Dauerschleife zu stellen!

Bewertung: 9 von 10 Punkten

Impera erscheint am 11.03.2022 über Loma Vista Recordings.

Tracklist:

01. Imperium
02. Kaisarion
03. Spillways
04. Call Me Little Sunshine
05. Hunter´s Moon
06. Watcher In The Sky
07. Dominion
08. Twenties
09. Darkness At The Heart Of My Love
10. Grift Wood
11. Bite Of Passage
12. Respite Of The Spital Fields