Review: POWERWOLF – „Call Of The Wild“: Von Biestern, Sünden und dem Ruf der Wildnis

Mit ihrem „Call of the wild“ rufen POWERWOLF zum Feiern ihres achten Studioalbums auf. Laut, kräftig, powergeladen – wie es die Zuhörer von den Wölfen gewohnt sind – präsentiert sich dieses neue Album, das am Freitag, 16. Juli erscheint. Getreu dem Motto „Never change a winning concept“ trifft der Hörer auf bekannte Elemente; aber eben auch auf neue Nuancen.

Nachdem im letzten Jahr das Best of-Album „Best Of The Blessed“ erschien, folgt nun der Nachfolger auf das Nummer 1-Album „The Sacrament Of Sin“. Bereits der Eingangssong „Faster Than The Falme“ holt die Fans ab, da er in den bekannten treibenden Drums und schnellen Gitarrenriffs daherkommt und reiht sich so in die bekannte und erfolgreiche Songstruktur der Wölfe ein – „This is our time, this our fade“ – heißt es hier. Bekannte Begleiter der Songs sind die dramatisierenden Orgelklänge von Falk Maria Schlegel.

Mit „Glaubenskraft“ ist auch ein deutscher Song auf der Platte der Saarbrückener Power-Metal-Band. Immer wieder greifen die Musiker in ihren vergangenen Alben Glaubensthematiken auf – so auch hier, wo die Kraft des Glaubens durchaus positiv besungen wird („Hält der Liebe Glauben rein, bis zum jüngsten Tag“). Dennoch werden auch kritische Hinweise geäußert: „Heilig sei der helle Schein, sieh was er verbarg“. Die klare Stärke und Dominanz von Sänger Attila Dorn in Kombination mit Wiederholungen des Wortes „Glaubenskraft“ fokussieren den Hörer auf den Songtitel „Glaubenskraft“. Allgemein ist dieser Song ein Titel, den man öfter anhören sollte, um die vielen inhaltlichen Nuancen zu erfassen, was ihn besonders spannend macht. Neue Nuancen zeigen sich auch im Song “Blood For Blood“, wo ein Dudelsack prominent keltische Einflüsse zum Besten gibt. Schon die Vorabsingle “Dancing With The Death” kommt energiegeladen daher und thematisiert die Sünden der Menschen „Fold her hands on the holy Altar… Fell in love with the temper of twilight, lust and evil powers“. Gerade die Power in dem Song und sein eigenes Tempo versprechen, auch ein kraftvolles Live-Erlebnis zu werden.

Im 18. Jahrhundert tötete eine mysteriöse Bestie zahlreiche Menschen. Der Sage nach handelte es sich dabei um einen Werwolf – das Biest vom Gévaudan. Die Bestie konnte nie gefasst werden – bester Stoff für Mythen und Geschichten. Aufgegriffen wurde der Stoff mitunter für den Film „Pakt der Wölfe“ und nun auch von POWERWOLF. Mit ihrer Singleauskopplung „Beast of Gévaudan” haben sie sich hier einem Stoff gewidmet, der ihnen wie auf den Pelz geschrieben ist. Als Leitmotiv sind auch hier wieder christliche Bilder aufgegriffen worden, die sich auch auf den Mythos des Biestes vom Gévaudan beziehen: In der Zeit, als das Biest tötete, wurde angenommen, dass es sich bei der Aussendung des Biestes um eine Strafe Gottes für die Sünden der Menschen handele: „Sent from heaven, the seventh of creatures, Beast of Gévaudan, for the wrath of God to come, Came to sanction the mass and the preachers“. Nachträglich zu der englischen Fassung wurde der Song noch in Französisch aufgenommen.

POWERWOLF liefern mit „Call of the Wild“ ein starkes Album – vielleicht einen Hauch weniger emotional als sein Vorgänger – aber dennoch gespickt mit vielen Songs, die absolut livetauglich sind. So können sich Fans auf elf starke, emotionale und energiegeladene Songs freuen, die Fäuste gen Himmel recken und aus voller Kehle mit „ihren“ Hohenpriestern die Heilige Messe des Heavy Metal feiern. Einen solchen Ohrwurmcharakter wie „Demons are a girl’s best friend“ haben die Songs nicht, aber sie sind 100 Prozent POWERWOLF – dies werden ihre Fans lieben und ihre Kritiker befeuern.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Das Album erscheint am 16. Juli 2021 bei Napalm Records

Tracklist:
Faster Than The Flame
Beast of Gévaudan
Dancing With The Dead
Varolac
Alive Or Undead
Blood For Blood (Faoladh)
Glaubenskraft
Call Of The wild
Sermon Of Swords
Undress For Confess
Reverent Of Rats

POWERWOLF sind:
Attila Dorn (Gesang)
Charles Greywolf (Bass, Rhythmusgitarre)
Falk Maria Schlegel (Orgel/Keyboard)
Roel van Helden (Schlagzeug)
Matthew Greywolf (Lead- und Rhythmusgitarre)