BLUTENGEL – “Erlösung – The Victory of Light”

Ich entschuldige mich jetzt schonmal dafür, dass diese Rezenison an der ein oder anderen Stelle etwas polistisch werden könnte, auch wenn BLUTENGEL nun wirklich keine politishe Band sind. Es sind die äußeren Umstände, die mich zynisch machen und Sachen in Texte interpretieren lässt, die mir dort normalerweise nicht begegnet wären.

Der Großmeister des romantischen Düstersynth, namentlich Chris Pool, veröffentlicht nach dem Cover-Album “Fontain of Destiny” und dem 2019er Album “Damokles” heute bereits das 18. Studioalbum. An der Band scheiden sich seit je her die Geister – entweder man mag und vergöttert die Band oder sie ist einfach nur Hassobjekt. Ich für meinen Teil, die eh ein großer Gegner der Cybermobbing- und Internethetzte-Erscheinung ist, würde mich jetzt nicht unbedingt als riesen Fan bezeichnen, zumindest nicht der neueren Werke. Dennoch genieße ich zwischendurch oft die leichte, teils melancholisch, teils tanzbare Kost. Und ich steh dazu. Leben und leben lassen.

So habe ich nun eine Weile in das heute erscheinende Album reingehört – bei einigen Stücken wünsche ich mir sofort eine Tanzfläche und einen wiedereröffneten Club – einige bringen mich zum Träumen und bei ein paar Songs tue ich mich schwer, sie zumindest für die Rezension bis zum Ende zu hören. Mit “Illuminate My Soul” gibt es das perfekte Intro für die (hoffentlich!) bald kommenden Live-Shows – düsterer, fordernder Beginn – der perfekte Einstieg. Wird dann tanzbar – eine schöne Wendung – auch textlich. “Lang genug hast du dich nur versteckt” – Text sowie Sound stehen auf “Aufbruch”. Das folgende “Wir sind das Licht”, die aktuelle Single, ist direkt die nächste tanzbare Nummer – textlich ein “Du und ich zusammen bis ans Ende der Welt” – so einprägsam, dass der Text definitiv bis zum nächsten Konzert sitzt. Leider hat der Song kein großes Ohrwurmpotential und plätschert leicht bekömmlich vor sich hin. Überraschend beginnt “We Are Not Dead” – man vermutet eine Ballade und bekommt ein Stück, das entfernt an “Black” erinnert. Der Text dieses Songs sagt soviel wie: “Genieße dein Leben, solange du noch kannst – und kämpfe dafür die Welt zu verbessern” – was ich daraus höre: Noch sind wir nicht tot – noch können wir auf dieser Welt etwas retten – indem wir endlich die Probleme wie Klimawandel etc. lösen – und der AFD und der CDU keine Chance geben … aber ich schweife ab. Wenn’s wirklich so gedacht ist, wie ich das interpretiere – Hut ab, so ein ernstes Problem so verpacken zu können.

“Seasons” ist eine ruhige, pompös schreitende Ballade. Balladen waren seit jeder nicht mein Ding – so auch diese. Gut gemacht, aber in meinen Ohren eher langweilig, auch wenn der Text sehr zum Nachdenken anregt. Das nächste Stück – “Wer ist dein Meister” – hat mich etwas überrascht und ist mal erfrischend anders, etwas sperriger als der Rest der Platte – auch wenn ich die “Hey”-Rufe zwischendurch ganz, ganz fürchterlich finde. Ansonsten solides Tanzflächen-Potential, erinnert entfernt an RAMMSTEIN in seiner Eingängigkeit. “I Am The Darkness” ist eine tanzbare Nummer mit ohrwurmlastigem Wechselgesang zwischen Chris und Ulli. Ein schöner Kontrast ist hier die von Chris schon fast “geschriehene” Strophe, die ziemlich “rotzig” klingt und Ullis sanfter Stimme im Refrain. Und nein, hier gibt’s keinen Fledermaus-Klischee-Witz – Sorry. “Erlöse mich” ist leider ein absoluter Klischee-Blutengel-Song. Ich muss sagen, dass der Song rein gar nichts mit mir macht. Mit “Wie Sand” gibt es eine Midtempo-Nummer mit gefühlvollem Text von Ulli. Am besten zweimal täglich bei Liebeskummer, bis man den Song entweder nicht mehr hören kann oder das Schlimmste überstanden ist. Ne mal im Ernst – gefühlvoll und tiefergehend sowohl textlich als auch vom Sound her. Bei “No Religion” fühlt man sich irgendwie an “Lucifer” erinnert, wobei hier deutlich gemacht wird, dass man keine Religion braucht, um glücklich zu sein, weil man selbst stark genug ist. Die Religion will nur deine Seele vergiften. Wenn man sich mal vor Augen hält, was alles für Mist im Namen Gottes gemacht wird, kann ich dem nur vorbehaltlos zustimmen. Der zweite Song, der auf dem Album etwas aus dem Rahmen fällt, ist “Darkness Awaits Us”. Immer noch recht eingängig, aber etwas schwerer zu fassen als der Rest des Albums.

Das Trio aus “We Fall”, “The Victory Of Light” und “Hand in Hand” am Ende des Albums mag ich eigentlich gar nicht trennen, da sie für mich thematisch irgendwie zusammenpassen. Der Fall – niemand beschützt vor dem Fall, du und ich gegen die Welt. Das Licht gewinnt und es geht Hand in Hand in die Ewigkeit. “We Fall” und “Hand in Hand” sind dabei sehr ruhig und getragen gehalten, die erste Single, “The Victory Of Light” wird gebührend tanzbar “gefeiert”, mutig vorpreschend in die Zukunft. “Hand in Hand” lässt das Album dann ruhig ausklingen.

Fazit:

BLUTENGEL sind nun mal BLUTENGEL – das wird immer so bleiben. Wer komplexe Texte und auf den ersten Blick unergründliche Sounds sucht, der ist hier weitestgehend falsch. Aber, und das rechne ich BLUTENGEL hoch an, das wollen sie auch gar nicht sein. Es gibt eingängige, tanzbare Kost, mit einprägsamen Texten – sogar mit der ein oder anderen Überraschung. Musik, für die man nicht studiert haben muss, um sie zu verstehen und mit der man sich vorbehaltlos berieseln lassen kann. Einige Stücke werden ziemlich sicher auch in meiner Playlist landen. Dennoch bleibe ich dabei, dass die älteren Alben besser sind.

Bewertung: 6,5 von 10

Tracklist:

1. Illuminate My Soul
2. Wir sind das Licht
3. We Are Not Dead
4. Seasons
5. Wer ist dein Meister?
6. Deine Dämonen
7. I Am The Darkness
8. Erlöse mich
9. Wie Sand
10. No Religion
11. Darkness Awaits Us
12. We Fall
13. The Victory Of Light
14. Hand in Hand

Cynthia Theisinger

#metalyoshi :P Du kannst frei sein - nur für dich - lass alles los du brauchst es nicht. Ich höre: Da blicke selbst ich nicht mehr durch Oo - von Melo-Death über Metalcore über Punk bis hin zu EBM und übelstem Industrial (hauptsache es scheppert ordentlich^^) eigentlich alles...