Review: DIE APOKALYPTISCHEN REITER: „The Divine Horsemen“ – Ritt durch Mythen dieser Welt

„The Divine Horsemen“ – mit ihrem neuen Album zum 25-jährigen Bandbestehen nehmen die APOKALYPTISCHEN REITER uns mit auf eine Reise durch die Mythen dieser Welt. Als himmlische Reiter – übersetzt man den Albumtitel ins Deutsche – galoppiert die Kombo energiegeladen durch 15 Songs, die voller Überraschungen nur so sprudeln:
„Nachtblume“ erinnert mehr an die alten Songs der APOKALYPTISCHEN REITER.: Die Vorabauskopplung ist mit ihren 1:33 zwar nicht sonderlich lang, aber dennoch ein Vollpower-Metalsong im klassischen Stil. Zielgenaues Drumming und treibende Gitarren vereint mit dem bekannt dominanten Gesang von Fuchs erinnern an die älteren Alben der Kombo.

„Duir“ ist mit seinen über 12 Minuten der längste Track auf dem Album – dabei wohl auch der eingängigste und prägnanteste. Aus dem Gällischen übersetzt bedeutet es Eiche. Hier zeigt sich erneut der Bezug zu dem Mystischen der Weltgeschichte auf, ist die Eiche im Gallischen ein heiliger Baum, dem Opfer dargebracht wurden. Klavierklänge erinnern hier an das Rascheln von Blättern, tiefe Bässe erzeugen ein düsteres Bild, sodass der Zuhörer sich mit auf den Weg tief in einen Wald hineinbegibt. Die Reiter lassen sich viel Zeit, das Lied aufzubauen, Eile ist hier ein Fremdwort. Viel mehr erklingen sphärische Klänge, die hypnotisch wirken. Erst nach sechs Minuten setzt Gesang ein, der sich sphärisch und hypnotisierend an das Vorabinstrumental angliedert. Allein der Vergleich dieser beiden Songs zeigt exemplarisch die Bandbreite dieses ganz besonderen Jubiläums-Albums auf: Im Oktober des vergangenen Jahres versammelte sich die Band mit einigen Freunden und Technikern in ihrem Proberaum, um für zwei Tage frei improvisierte Stücke – ohne vorab zu proben – einzuspielen. Aus über 500 Minuten Ton-Performances wurde dann rund 80 Minuten Material ausgewählt. Songs zwischen nur etwas mehr als einer Minute Laufzeit bis hin zu über 12 Minuten sind das Ergebnis. Experimentell wurde es auch im Gebrauch der unterstützenden Instrumente in der Backline: Didgeridoo, Maultrommeln, Djembe, Doumbek, Rig, Gong, Bongos und Framedrums kamen unterstützend zum Einsatz. Dieses Album ist wild, es ist ursprünglich. Es explodiert förmlich vor Klangeindrücken, was es zu einem kraftvollen Hörerlebnis macht. Was das neue Album kann, zeigt sich auch in der neuen Auskopplung „Ymir“: Stoner-Rock-Klänge leiten die Hommage an Ymir ein. Ymir gilt als das erste Lebewesen in der germanischen Schöpfungsgeschichte. Scream-Einlagen in der Mitte des Songs, der in Englisch performt wird, untermalen die Kraft des Urzeitriesen.

Weiter auf die Reise durch die Mythen dieser Welt geht es auch in „Eg On Kar“, einem Mantra aus Indien.
Freunde der alten Alben der Band werden hier ebenso fündig, wie Liebhaber musikalischer Experimente. Über die gesamte Spiellänge entwickeln sich keine langweiligen Passagen, den Zuhörer erwarten immer neue Einflüsse und viel Neues. Der erste Teil des Albums begeistert mit klassischen Metal-Klängen, während die zweite Hälfte ehr im Stoner-Rock verankert ist. Insgesamt liefern die Apokalyptischen Reiter hier ein sehr solides, sehr überraschendes Album, welches einfach Spaß macht. Man hört die Erfahrung der Musiker, man spürt die Emotionen. Das Album wird als streng limitierte Dopple-LP mit 32-seitigem Booklet und limitierte 2 CD publiziert. Auch die Covergestaltung zwingt zum mehrfachen Hinsehen: So ist das bekannte Logo nicht auf den ersten Blick dominant im Blick des Betrachters angekommen, sondern es wird umrahmt und eingebunden in kräftige Rot- und Gelbtöne, die ein betörendes Muster bilden. Die Gestaltung – ebenso wie viele der Songs – eine fast hypnotische Wirkung und macht die Platte so zu einem großen Ganzen Werk.

Bewertung: 8/10 Punkten

CD 1
1 Tiki (2:32)
2 Salus (2:11)
3 Amma Guru (2:27)
4 Inka (9:19)
5 Nachtblume (1:33)
6 Aletheia (4:30)
7 Duir (12:14)
8 Children Of Mother Night (5:03)

CD 2
1 Uelewa (9:45)
2 Haka (1:59)
3 Simbi Makya (6:59)
4 Wa He Gu Ru (3:29)
5 Akhi (5:09)
6 Ymir (5:04)
7 Eg On Kar (6:18)

Die Apokalyptischen Reiter sind:
Fuchs (Gesang)
Dr. Pest (Tastaturen)
Volk-Man (Bass)
Herr G. (Schlagzeug)
Ady (Gitarren)

VÖ-Datum: 2, Juli 2021
Nuclear Blast