SCHWARZSCHILD – “Frei” im Review und Bandgespräch

Yeah, SCHWARZSCHILD sind zurück, und wie! Getreu ihrem Motto: schwierige und persönliche Themen anzusprechen, ist auch der neue Song inhaltlich schwere Kost. Allerdings ist trotzdem einiges anders. Wir haben uns den Titel intensiv angehört und ein kurzes Gespräch mit 2 Dritteln der Band geführt. Wieviel sind 2/3 von drei? Genau: zwei! Denn Schwarzschild sind ja zwischenzeitlich gewachsen, vom Duo zum Trio, denn Marco (Dinos Bruder) steuert als neues Mitglied zukünftig zu vielen Tracks die gute alte und herrlich analoge Gitarre bei.

“Frei” ist nun also die erste Veröffentlichung in dieser Konstellation und wird als “Digital Only Release” erscheinen.

Wir hören mal rein:

Der Track beginnt bedrohlich, um sofort in einen sehr angenehmen SynthPop- Electro Sound umzuschlagen. Der Sound ist voll elektronisch, also ohne einen Einsatz von Marco und gut tanzbar. Was bei den Vocals sofort auffält, ist die kühle und distanzierte Art, mit der Dino den Text vorträgt. Der Text befasst sich mal wieder mit etwas, was die meisten von uns des öfteren beschäftigt, manche auch krankhaft: Angst. In Zeiten, in denen ein potentiell tödliches Virus, harte Massnahmen der Regierung(en) und jede Menge “Aluhut- Schwurbler” ein bedrohliches Klima schaffen, trifft so ein Titel natürlich den Nagel auf dem Kopf. Ja, ich höre so manchen wieder was mit “Emo” schimpfen, aber wo liegt das Problem? Und es gibt, insbosondere in der schwarzen Szene so einige, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen. Aber keiner nimmt sich diesen Befindlichkeiten so intensiv, direkt und mit klarer deutscher Sprache vor, wie es Schwarzschild tun. Und genau das ist ihr Erfolgsgeheimnis! Wie gesagt, geht es hier thematisch um Ängste/ Panik/ Neurosen und wie sie den Menschen belasten. Die Lyrics sind simpel, ohne große Bilder und doch auch gerade deshalb sehr ergreifend, ohne effekthascherisch auf die “Tränendrüse” zu drücken. Kurz gesagt: ein passender Song und mit überragendem Timing platziert.

Ganz klare Empfehlung

Bewertung: 8/10

Weitere Details zu den Quellen etc. erhaltet ihr weiter unten, erst einmal geben wir Dino und Peter von SCHWARZSCHILD die Möglichkeit, sich zum Titel “Frei”zu äußern.

Hallo ihr Zwei, Corona hat gerade Euch die Pläne für dieses Jahr heftig verhagelt – Amphi weg, Lux Feste weg, keine Tour/ Auftritte. Wie geht es euch in dieser Situation?

Dino: Natürlich nicht so gut. Wir haben uns sehr auf diese Auftritte gefreut und teilweise sehr lange darauf hingearbeitet. Auch war das Ziel, einige neue Songs dort zu präsentieren und auch zu zeigen, wie sich unser Sound zusammen mit Marco weiterentwickelt hat. Nun müssen wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Bedeutet wir arbeiten konzentriert an den neuen Songs, haben einen Online-Shop auf die Beine gestellt und versuchen eben auch durch Releases weiter im Gespräch zu bleiben. Trotzdem können wir es nicht erwarten, wieder auf der Bühne zu stehen und mit unseren Fans zu feiern!

Peter: Ja, Corona hat zugeschlagen. Ich hab mich auch geärgert, aber es ist eine Sache, an der wir nichts ändern können. Es bringt nichts zu hadern, sondern einfach nur zu hoffen, das die Leute hungrig sind und uns nach der langen Zeit, von der noch nicht abzusehen ist, wie lange sie überhaupt noch andauern wird, sich freuen, uns wieder zu sehen.

Die EP “Pulsar” mit Singles wie “Im Spiegel”, “Seelenleid” etc ist jetzt bald 1,5 Jahre alt. Ist “Frei” schon ein Vorläufer eines kommenden Album?

Dino: Was wir sagen können ist, dass es definitiv ein neues Album dieses Jahr geben wird, was wir ja auch schon teilweise in Interviews erwähnt haben. Und ja…”Frei” wird auch ein Teil davon sein.

Peter: Ja, auf jeden Fall, wir arbeiteren daran. Es sollte bis zum Amphi fertig sein, verzögert sich aber auch aufgrund er aktuellen Situation ein bisschen.

Der Text von SCHWARZSCHILD – “Frei” ist wie immer teilweise interpretierbar, bezieht sich aber doch recht eindeutig auf Ängste/ Zwänge/ Neurosen. Das passt in die Schwarzschild Historie, da die Band sich ja seit jeher mit schwierigen Themen sehr intensiv und direkt beschäftigt. Dennoch zwängt sich die Frage auf, ob dieser Text in der aktuellen Situation entstanden ist. Hatte also Corona seine Hände mit im Spiel?

Peter: Ja, interpretieren ist immer gut, kann man natürlich auch definitiv auf die Corona- Szenerie anwenden, allerdings ist der Song schon im letzten Jahr entstanden, da hatten wir Corona noch nicht auf’m Schirm. Ich hab den Text für mich so interpretiert, das es um Angst und Panikstörungen geht und jeder, der damit behaftet ist und da zähle ich mich auch zu, weiß, wie belastend es sein kann. Das das eigentlich eine Krankheit ist, die einen von morgens bis abends teilweise begleitet und einher geht mit Depressionen. Deswegen heißt es im Text auch “manchmal wäre ich gerne frei”, weil man sich eigentlich nur immer einen kurzen Augenblick wünschst, das einen eben diese Erkrankung mal nicht belastet.

Dino: Nein…der Song ist schon lange vor Corona entstanden und das der Text sich auch auf die aktuelle Situation anwenden lässt ist eher Zufall. Allerdings sind ja unsere Songs oft interpretierbar und lassen sich auch auf verschiedenste Lebensumstände anwenden. Ich denke, dass macht auch den Spirit unserer Musik aus. Aber du hast Recht…ganz weit hergeholt ist der momentane Bezug nicht. Deswegen glauben wir, war es auch die richtige Entscheidung diesen Song für den ersten Release zu wählen.

Musikalisch klingt der Track etwas sanfter und versöhnlicher, als zum Beispiel noch “Schlaflos”. Er lässt sich gut in die Kategorie Synthpop einordnen, ohne Industrial/Electro Anleihen. Auch hier die Frage: Ist dies ein Vorgeschmack auf den zukünftigen Schwarzschild Sound? Wobei ich zugeben muss, daß sich die Antwort aufgrund des Fehlens von Marco und seinem Instrument irgendwie selbst gibt.

Dino: Also ich glaube fest daran, dass unsere nächste CD die musikalisch Vielschichtigste wird, seit es Schwarzschild gibt. Im Kern sind wir immer noch eine Electro-Band. Deswegen wird man sicher Songs finden, die noch “bekannt” vom Stil wirken…Auch wenn sich ebenfalls bei diesen Songs unser Sound weiterentwickelt hat. Aber dadurch, dass Marco nun auch bei einigen Songs (nicht bei allen) mit der Gitarre seinen Beitrag hinzufügt, haben wir durchaus noch einige andere Stilrichtungen im Angebot. Es wird auf jeden Fall abwechslungsreich, aber bleibt im Kern Schwarzschild. Wir sind schon sehr gespannt, wie das unseren Fans gefällt.

Die Vocals sind etwas kühler/ distanzierter, als man es gewohnt ist. Der “neue” Dino?

Peter: Nee, ist eigentlich immer “alter” Dino. Ist natürlich auch immer die Frage “wo will ich hin” mit den Vocals. Bei diesem Track haben wir sie ein bisschen nüchterner gelassen. Es wird aber sicher auf dem Album auch wieder Balladen geben, wo Dino wieder mit einer sehr sanften Stimme seine “Schlüpferstürmerqualitäten” unter Beweis stellt, ha ha.

Dino: Nicht unbedingt “neu”, aber schon mit mehr Augenmerk auf eine bestimmte Facette meiner Stimme. Ich denke, dass auch der Gesang immer der Stimmung und der Message eines Songs dienen muss. Bei “Radius” war es noch oft so, dass ich das Gefühl hatte “mich beweisen” zu müssen. Mittlerweile ist es so, dass ich nicht unbedingt versuche mit jedem Song, den vorhergehenden stimmlich “zu toppen”. Ich besinne mich auch mal mehr auf die mittleren Register und dazu experimentieren wir auch mit verschiedenen Effekten für die Stimme, was einen neuen Gesamt-Sound für die Songs kreiert. “Frei” ist ein erster Vorgeschmack darauf.

Vielen Dank für das kurze Gespräch.

SCHWARZSCHILD – “Frei”

Tracklist:

  1. Frei
  2. Frei (OUR BANSHEE Remix)

VÖ: 15.05.2020, Digital Only Release
Wo: Auf nahezu allen Portalen und Streamingdiensten