Review: REFUSED – The Malignant Fire

Erfreulich kurz ließ die Hardcore-Punkband REFUSED, welche die Punk und Hardcore – Szene seit 1991 um einen unvergesslichen und einzigartigen Sound bereichert, ihre Fans auf die neue EP „The Malinant Fire“ warten. Bereits ein Jahr nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums „War Music“ dürfen wir nun den neuen Klängen der schwedischen Band um Sänger Dennis Lykzen lauschen. Traditionsgemäß folgt nach einem Album eine EP und dieser Tradition werden die vier Musiker auch in diesem Jahr gerecht.

In den vergangenen 28 Jahren hat die Gruppe mehr als nur einmal die Herzen ihrer Hörerschaft herausgefordert. Sei es 1998 durch ihre plötzliche Mainstream-Popularität mit ihrem Hit „New Noise“, durch die Auflösung der Band nur kurze Zeit später, einer Reunion im Januar 2012, im Dezember selbigen Jahres eine erneute Auflösung und 2015 die letzte und hoffentlich endgültige Wiedervereinigung. Langweilig wurde es in jedem Fall nie. Gleiches lässt sich auch von der Musik der vier Jungs aus Schweden sagen, die ihre Aktualität und Auseinandersetzung mit zeitpolitischen Themen über die Jahre hinweg eher verfeinert als eingebüßt hat. Seit ihren ersten veröffentlichen Songs wie „Hate Breeds Hate“ und „Where’s Equality?“ ließen sie wenig Zweifel darüber aufkommen, wo sie politisch stehen und was ihnen am Herzen liegt. War es 1993/1994 eine allgemeine Anklage gegen Faschismus und Sexismus, wird es spätestens 2015 mit „Thought Is Blood“ oder „War On The Palaces“ ein direktes Auflehnen gegen die Herrschenden und die angeblichen Eliten, die uns das Denken diktieren will.

Auch in ihrem neuen Album bleiben REFUSED ihren Wurzeln treu. Das erste Lied „Malfire“ startet fast unerwartet ruhig, spätestens im Refrain erinnert uns die Band jedoch sehr deutlich daran, wo genau diese Wurzeln liegen. Die Steigerung und das An- und Abschwellen des Tempos kennen wir schon aus Liedern wie „New Noise“ oder „Pump The Brakes“, mittlerweile sind die Ausführungen jedoch sauberer und deutlich gekonnter. In „Malfire“ wird aktuelles politisches Geschehen aufgegriffen und kaum verholen die Verantwortlichen benannt. Ein Song, wie man ihn in diesen Zeiten weit häufiger erwarten könnte.

Mit dem zweiten Song „Born in the Outs“ werden die Schweden genau jenem Auflehnen wieder gerecht, dass sich auch in vergangenen Liedern bewährt hat, dabei geht es allerdings stimmlich deutlich ruhiger zu als in der Vergangenheit. Anfangs würde Dennis Lykzens weiche Stimme, getragen von Elektrosounds, auch gut in jede Gothic-Disco passen. Erst die spätere Steigerung in Stimme wie Tempo lässt erahnen, zu welch stimmlicher Breite Dennis fähig ist. Konnten wir dies früher nur erahnen, führt er es uns hier sehr eindrucksvoll erneut vor. Gleichzeitig zeigen uns REFUSED mal wieder, wie experimentierfreudig sie bei der Wahl ihrer musikalischen Einfluss-Genres sind.

„Organic Organic Organic (Go fuck you), dem dritten Song der EP, ist durch seinen eher schlichten musikalischen Aufbau fast schon entspannend nach den Höhen und Tiefen, durch die uns REFUSED in den vorangegangenen Liedern führt. An ihre ehemaligen Straight-Edge Zeit erinnert uns dieses Lied außerdem.

Der Song „Faceless Corporate Violence“ ist eine erneute Absage an die kapitalistische Gesellschaft unserer Zeit und knüpft genauso wie das abschließende Lied „Jackals Can’t Be Bothered To Dream“ nahtlos an die frühere Härte und Eindringlichkeit an, welche die Fans von REFUSED so schätzen und lieben.

 

Auf ihrer neuen EP geben REFUSED uns einen Einblick in die Bandbreite ihres musikalischen Könnens, sowohl was Stimme als auch Instrumente angeht. Bei beidem ist die Ausführung deutlich perfektioniert im Vergleich zu früheren Aufnahmen. Bereits in ihrem letzten Album „War Musik“ konnten wir diese Entwicklung mit Freude beobachten. Außerdem bleiben REFUSED sich in ihren politischen Statements so treu wie immer, was zugegebenermaßen wohl auch niemand anders erwartet hätte. Ich würde mir von mehr Bands solch klare Ansagen an unsere Profitgier gesteuerte Gesellschaft wünschen, ganz besonders in Zeiten, in denen wir scheinbar völlig aus den Augen verloren haben, worum es im Leben eigentlich gehen sollte. Ich wünsche mir noch mehr „bösartiges Feuer“ in die Köpfe derer, die unsere Welt ausbeuten und zerstören.

Bewertung: 9 von 10 Punkten