Review: Frank Turner & NO-FX – Westcoast VS Wessex

Das Cover-Album der etwas anderen Art

Frank Turner und NOFX passt vielleicht im ersten Moment zusammen wie Öl auf Feuer. Wer hätte aber gedacht das der britische Künstler und die amerikanische Band gemeinsame Sache machen und das sogar nicht nur für ein Lied, sondern für ein Komplettes Album!

Während NOFX auf dem Album Cover als Champions betitelt werden und Turner als Challenger, liegt es aber im Auge des Betrachters, wer aus diesem Album als Gewinner hervorgeht oder ob es überhaupt einen Gewinner gibt.

Auch wenn das Album “West Coast vs. Wessex” heißt, klingt es alles andere als ein Kampf. Es ist ein Zusammenspiel von Künstlern aus der Punk und Hardcore Szene die eben einfach nicht mehr wegzudenken sind.

Generell betrachtet, weiß der eingesessene Fan warum sich NOFX “Champions” nennen, haben sie doch vor 20 Jahren schon einmal eine Split-LP mit Rancid aufgenommen. Scheinbar gingen sie da als “Sieger” hervor. Wie schon geschrieben: Kann man bei sowas überhaupt von Sieger und Verlierer reden? Coversongs sind immer ein Gewinn, egal wie sie klingen, egal wer sie aufnimmt. Es erfrischt die Musikszene und das Musikhören.

Das Album hat quasi fünf Runden, naja laut Cover 10. Aber ist nicht immer eine Runde ein Kampf? Jeder covert insgesamt fünf Lieder des anderen. So wird aus “Thatcher Fucked The Kids”, eins der bekannteren Lieder von Frank Turner eine etwas punkigere Version, ganz im NOFX-Stil.
Der in Süd-England lebende Musiker hingegen covert Lieder, die nicht unbedingt die bekanntesten des Trios aus Los Angeles sind.
Ein nennenswertes Beispiel ist das Lied “Bob”. Das Lied verwandelt Frank Turner “mal eben” in eine Ballade. Nimmt also gehörig Tempo raus und verwandelt es in seinen eigenen Song.
Das passiert so ziemlich mit jedem einzelnen der 10 Lieder auf der Platte, obwohl Frank Turner in der Wandelbarkeit definitiv mehr Punkte bekommt. NOFX bleiben sich bei allen fünf Liedern im Stil treu, keine besonderen Überraschungen. Das Konzept ist gut, NOFX haben die ersten fünf Lieder des Albums, gestartet mit ihrem eigenen Touch an “Substitute”, Frank Turner übernimmt in der Mitte und beendet es mit Lied 10, einer Version von “Falling In Love”.

“And The Winner is…” schwer rauszufinden

Im Großen und Ganzen traut man sich gar nicht, viel über die Platte zu sagen, sie ist selbsterklärend. Artist covert Artist, beide bleiben ihrem Stil treu und verwandeln Lieder dennoch irgendwie in komplett andere Songs.

Wenn man aber überlegt, dass, wenn Covid-19 nicht wäre, diese beiden Musikgruppen (wenn Frank Turner “The Sleeping Souls” mit im Schlepptau hätte) eigentlich auf gemeinsamer “Punk in Drublic” Tour wären. Live würde es bestimmt gut ankommen, wie Frank Turner NOFX covert und Vice Versa.

Das Album allerdings ist schwerer zu bewerten.. Fans der jeweiligen Künstler werden es mögen, neue Fans werden sie aber dadurch nicht gewinnen. Gewonnen hat das Duell auch keiner. Frank Turner erfindet NOFX-Songs zwar neu, aber NOFX bleiben halt NOFX. Klar sticht das gute alte NOFX-eque Zeug ein bisschen mehr hervor, aber ist es nicht ein wenig langweilig, wenn man einen Song einfach nur stupide runterspielt? Ist es nicht eigentlich viel toller, wenn ein Künstler sich die Mühe macht, einen Song komplett umzuschreiben? Der Gewinner wird wohl tatsächlich im Ohr des Hörers selbst entschieden werden müssen.

Label: Fat Wreck
Vö:31.07.2020
Bewertung: 5/10