Review: TANZWUT – “Die Tanzwut kehrt zurück”

Neues Label, neues Album, TANZWUT kommen mit dem 10. Studioalbum passend zum evtl. besseren Sommer 2021 wieder auf die Spielbühne des Lebens, „Die Tanzwut kehrt zurück“ heißt der Longplayer und wird am heutigen Freitag unter No Cut veröffentlicht.

Mit leicht zynischen Text und schnellem Tempo startet das Album mit dem Titeltrack gleich mal in die Vollen und weckt die müden Glieder. Teufel singt über die Pest und gleich danach auch über die kommenden Feiern, der Song ist eingängig und wird sicherlich laut mitgesungen werden.

„Feine Menschen“ geht zynisch etwas auf das Thema der Ungleichheit zwischen Reich und Arm ein und ist auch wieder recht eingängig und hart im Abgang. Der bereits als Video veröffentlichte Song „Bis zum Meer“, geht dann durch seine Einfachheit, dem Tiefgang, den eingängigen Melodien so richtig in den Kopf und bleibt dort sofort hängen – ein großartiges Stück wurde hier kredenzt. „Pack“ geht hier dann wieder etwas flotter im leichtem Westernstil weiter, hier hat man sich mit SALTATIO MORTIS zusammengetan und einen fröhlichen gelungenen Trinksong geschrieben.  „Johann“ beschäftigt sich mit dem letzten bayrischen Henker Johann Reichhart, der bis 1946 knapp 3165 Menschen hinrichtete. Auch in der NS Zeit war er aktiv um dann aber nach der Niederlage auch seine alten Arbeitgeber zu erhängen. Der Song ist hart und stark elektronisch angehaucht, mit starken Gitarrenriffs unterlegt passt sich die Musik zum Textinhalt an.

„Narziss“ handelt nun verspielt um das Thema Narzissmus, der Song ist wieder bitterböse im Text aber auch eingängig und musikalisch ein ausgewogener Tanzwutsong. „Schwarze Löcher“ geht dann ebenfalls textlich recht tief und hat musikalisch eine Vielzahl von schwerfälligen Facetten, zwar sehr komplex und schwerer zugänglich – dennoch hat der Songrefrain mit Streichern zum Ende einen guten Nachgeschmack. Tanzbarer wird nun „Auf Messers Schneide“, der schnelle und eingängige Song reißt schnell mit und lässt die Füße sofort wippen, live wird hier schnell die Party abgehen. Alkoholisch geht es dann auch mit „Allein“ weiter, der Song behandelt das einsame Trinken, was sicherlich viele in den letzten Monaten machen mussten, die ruhigere Ballade ist musikalisch ausgereift und geht recht tief in den Kopf. „Berlin“ dagegen ist ein lustiger Seitenhieb an die Stadt, der Songs ist tanzbar, singbar und sorgt für ein leichtes Schmunzeln. Mit „Virus“ schaffen Tanzwut nun auch noch einen schelmischen Song zur aktuellen Pandemie, mit dem Refrain „Virus, Virus du musst wandern, von dem Einem bis zum Anderen“ und etlichen textlichen Anspielungen schafft die Band einen bitterbösen Rückblick auf die aktuelle Situation. Musikalisch auch wieder ein ausgewogener, facettenreicher und tanzbarer Song.

Fazit: Nach dem 10. Tanzwutalbum hätte ich nicht mit so einem merklich wilden und wütenden Material gerechnet. Das Album klingt sehr frisch und abwechslungsreich, dennoch auch sehr facettenreich. Die Texte sind teils trinkfreudig oder mit bitterbösem Humor gewürzt, so wie wir Tanzwut schon immer kannten, aber auch mit derben Tiefgang wie bei „Bis zum Meer“.           

Bewertung: 8/10

Tracklist:

  1. Die Tanzwut kehrt zurück  3:41
  2. Feine Menschen 3:48
  3. Bis zum Meer 4:54
  4. Pack feat. Saltatio Mortis  4:34
  5. Die Geister die wir riefen 4:34
  6. Johann 3:34
  7. Narziss 3:47
  8. Schwarze Löcher 4:41
  9. Auf Messers Schneide 3:45
  10. Allein 3:39
  11. Berlin 3:41
  12. Virus 3:45