Review: ALESTORM – Curse of the Crystal Coconut

Mit “Curse of the Crystal Coconut” wagen sich die schottischen Metal-Piraten von ALESTORM ein weiteres Mal ans Rumfass. Mit dem Humpen in der Linken und dem Rumfass in der Rechten widmen sie sich ihrem sechsten Album. Ist noch genug drin für eine weitere Runde True Scottish Pirate Metal?

Mit “Treasure Chest Party Quest” steigen ALESTORM mit einer Hymne ein, die wir vermutlich auf vielen der künftigen Shows als Intro hören werden. In ihrem zweiten Song “Fannybaws” nehmen sie auf gewohnt humorvolle Weise Bezug auf ihre vorherigen Alben und besingen die Abenteuer vom schottischen Piratenkapitän Fannybaws und liefern uns gleich damit ihre erste Auskopplung für ein Musikvideo. “Tortuga” sticht ganz besonders aus dem Album heraus. Mit Einflüssen aus der Alternative Metal-Szene erzeugen sie einen für ALESTORM extrem ungewöhnlichen Sound, der aber auch live das Potenzial hat, ordentlich Stimmung zu machen.

 

Danach drehen sie den Kahn aber doch wieder in gewohnte Gewässer in Richtung Power Metal mit Refrains, die wie dafür gemacht sind, von tausenden betrunkenen Kehlen auf dem nächsten Festival mitgegrölt zu werden, im Wechsel zu Strophen zum Headbangen. Dabei schaffen sie es dennoch ausreichend Abwechslung hereinzubringen, sodass jeder Song seine Individualität behält.

Wir sind es ja gewohnt, dass ALESTORM literarisch teilweise wenig kunsthaft sind und mehr auf Humor und Stimmung setzten, aber mit “Shit Boat” bieten sie uns eine literarische Seeschlacht. Wobei es wohl mehr das Ziel ist, die andere Mannschaft herunterzumachen als ein Schiff zu versenken. Anspruchsvoll? – Eher weniger. Ein furchtbarer Ohrwurm? – Auf jeden Fall.

Aber nicht nur mit “Fannybaws” drehen ALESTORM eine Runde durch ihre eigene Vergangenheit. Mit “Wooden Leg Part (The Woodening)” schließen sie an “Wooden Leg!” von “Sunset On The Golden Age” an und erzählen die Geschichte von der Rache an seiner Verholzung. Als finalen Abschluss wird es etwas ruhiger um ALESTORM. Mit “Henry Martin” erzählen sie in einer Ballade die Geschichte des Schotten Henry Martin auf seinem Weg in die Piraterie. Perfekt zum Schunkeln und Mitsingen. Auch wenn es an “Nancy The Tavern Wench” nicht herankommt, ist es aber dennoch für jede fetzige Piratenschunkel-Playliste eine gute Erweiterung.

Aber das Album hat noch eine zweite Seite. Auf dieser sind alle 11 Songs nochmal in der 16th Century-Version zu finden. Wer jetzt dabei an weniger Keytar, Gitarre und generell mehr “authentisch” denkt … der liegt vollkommen falsch. 16bit Version wäre wohl präziser gewesen. Aber zumindest die Playlist für den nächsten Replay von Monkey Island 1&2 liegt bereit, falls man vom OST mal die Nase voll hat.

Unterm Strich hat die Truppe um Christopher Bowes es geschafft, uns eine weitere Runde True Scottish Pirate Metal zu liefern. Sie zeigen, dass sie sich zum einen neu erfinden können, wie in “Tortuga”, aber beim Ausprobieren von neuen Ideen nicht aus den Augen verlieren, wofür sie ihre Fans lieben. Ich finde es jedenfalls gut und bin gespannt, mit welcher verrückten Idee uns ALESTORM als nächstes überraschen werden, sodass man sich denkt: Das ist zwar ALESTORM aber doch mal was ganz anderes. Insgesamt gebe ich “Curse Of The Crystal Coconut” 8 von 10 Sternen. Es steht ALESTORM drauf und es ist klar ALESTORM drin, zusammen mit einigen Experimenten und einem großen “Wir machen unseren eigenen Scheiß” – Ja ich guck dich an-“Shit Boat”.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Curse Of the Crystal Coconut erscheint am 29.05.2020 über Napalm Records