Magische Melodien und mystisches aus der Anderswelt – FAUN auf “Märchen & Mythen Tour” in Hannover

Anfang der 2000er bekam der Teil des musikalischen Weltenbaumes, der da gemeinhin als „Mittelalter“ bezeichnet wird, plötzlich einen neuen Zweig. Einen, der ganz ohne verstärkte Gitarren und donnernde Dudelsäcke auskommt. Einen Zweig, dessen Wurzeln weit in die Geschichte, in andere Länder und sogar andere Welten zurückreicht. Und die Krönung dieses Zweiges war eine Blüte namens FAUN, die sich durch wundervolle Melodien, Virtuosität an verschiedenen Instrumenten und mehrstimmigen Gesang, untermalt durch einen elektronischen Klangteppich, ein so absolutes Alleinstellungsmerkmal erarbeitete, so dass man sie bis heute als die stilprägende Band für den Bereich des „Pagan Folk“ nennt.

Viele Jahre sind seit den Anfängen vergangen und die kleine Marktkapelle mit den selbstdekorierten Bühnenelementen und dem, liebevoll gestalteten winzigen Merch-Stand von damals ist seitdem auch etwas erwachsener geworden, hat Ausflüge zu einem Major Label und ins Fernsehen gewagt und sogar einen Beitrag zum Vorausscheid des Eurovision Songcontest beigesteuert. Was sich aber über die Jahre nicht geändert hat, ist die musikalische Qualität und die Liebe, mit der die Mitglieder sich stets um Geschichten, Mythen und Melodien aus aller Herren Länder bemühen, um sie ihrem mittlerweile um einiges größeren Publikum nahezubringen.

Ihr elftes Studioalbum „Märchen & Mythen“, welches im November 2019 den Weg in unsere Welt fand, schafft genau das. Vertraute, aber auch ein paar gar nicht so bekannte Sagen und Märchengestalten wurden musikalisch aufgearbeitet und verpackt in ein liebevolles Artwork ausgesandt, um die Menschen daran zu erinnern, dass es noch mehr gibt als wir sehen können und unser inneres Kind an die Zeit zu erinnern, als wir klein waren und gebannt den Märchen lauschten, die Mütter und Großmütter uns erzählten. Dazu passend kam bald die frohe Kunde, dass die zugehörige Tour nicht lange auf sich warten lassen würde und der Auftakt derselbigen fand im beschaulichen Hannover statt.

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Fotos: Cynthia Theisinger

Leckere Getränke an den Bars und schöne Mitbringsel am Merch-Stand begrüßen den Besucher beim Betreten des ‚Theater am Aegi‘. Der Saal ist bestuhlt, doch gute Sicht und ein schönes Klangerlebnis kann man hier sowohl im Parkett als auch auf den Oberrängen genießen. Wie üblich haben sich FAUN wieder um ein thematisch passendes, schön gestaltetes Bühnenbild bemüht und die Setlist, welche einige Fans schon durch ein spezielles Fanpaket ergattern konnten, mit vielen neuen Songs, aber auch einigen Klassikern gespickt. Amüsant war hier der ausdrückliche Hinweis, dass diese Setlist sich „auf Grund des flatterhaften Wesen der Musiker“ durchaus noch ändern könnte. Doch schwungvoll beginnt der Abend, wie angekündigt, mit „Rosenrot“ und „Iduna“. Und hier kommt dann auch direkt der erste versprochene Tourgast zum Einsatz –  Geiger Florian Janoske von der befreundeten Band VERSENGOLD. Die FAUNe scheinen ebenso gut gelaunt wie die Besucher zu sein und zeigen sich von ihrer kraftvollsten Seite. Niel Mitra, der „Experte für experimentelle Klangforschung“ hüpft hinter seinem magischen Gerät auf und ab, Frontfrau Fiona Rüggeberg strahlt, als sei sie selbst besungene Göttin der ewigen Jugend, Oliver s. Tyr –  seines Zeichens Meister der charmanten und lustigen Moderationen – begrüßt das Publikum und erklärt kurz den geplanten Verlauf des Abends, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass der Saal zwar bestuhlt sei, eventuelle Tänzer aber nicht aufgehalten werden solange sie niemandem die Sicht nehmen. Diese erscheinen dann tatsächlich auch bereits beim vierten Song des Abends und wiegen sich am Rand des Saals im Takt während der Rest immerhin kräftig mitsingt. Und da sag nochmal einer, die Hannoveraner seinen ein schüchternes Publikum! Kurze Zeit später hatte auch der zweite Tourgast seinen ersten Auftritt: Magier und Kontaktjongleur Kelvin Kalvus, der zu den magischen Klängen seine Zauberkugeln wie Wassertropfen über seinen Körper tanzen lässt. Besonders gelungen sind heute wieder die zweistimmigen Gesangspassagen der beiden Sängerinnen. Laura Fella zeigt vor allem auch in den Höhen was sie kann. Zwischendurch berührt ihre Hand immer wieder sacht ihren Bauch. Hatte sie doch vor ein paar Tagen eröffnet, dass ihr in ein paar Wochen das magischste aller Abenteuer in dieser Welt bevorsteht. Wir freuen uns sehr mit ihr!

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Fotos: Cynthia Theisinger

Eine entspannte Konzertpause von 20 Minuten wird sinnvoll für ein Getränk oder einen kleinen Einkaufsbummel am Merch-Stand genutzt, bevor der Abend in die musikalische zweite Runde geht. Besonders aufmerksame Augen bemerken, dass auch die talentierten jungen Musiker der Hannoverschen Folk-Band WALDKAUZ mit im Publikum flanieren. Teil 2 beginnt mit einem kurzen Märchen, solo vorgetragen von Frontmann Oliver. Danach sollte es mit einem weiteren, sparsam instrumentierten Song weitergehen, doch wie es manchmal bei einem Tourpremiere-Abend so ist, wollte Oliver – sehr zur Erheiterung des kichernden Publikums – einfach nicht einfallen, was der Wassermann an den Ufern des Neckars macht. Nachdem ein wenig von Fiona souffliert wurde, klappte aber auch dieser Song dann irgendwann wie am Schnürchen. Der zweite Teil des Abends wird eher von Balladen geprägt, was aber Stephan Groth an der Drehleier und Percussionist Rüdiger Maul nicht davon abhielt, ihre Virtuosität an ihren Instrumenten zu demonstrieren. Ein mittelalterliches Instrument klingen zu lassen wie eine E-Gitarre schafft wahrlich nicht jeder. Kelvin Kalvus lässt ein weiteres Mal die Münder des Publikums offenstehen, als er mit seinen Zauberkugeln die Bühne betritt.  Am Ende des zweiten Sets geht es dann auf zu einem Ausflug in die musikalische Vergangenheit und zu „Wind & Geige“ und „Rhiannon“ steigt die Stimmung nochmal auf ein Maximum. Klar, dass niemand die Band schon gehen lassen möchte und so jubelt und klatscht Hannover die Musiker zu mehr als einer Zugabe hinter dem roten Vorhang hervor. Nach einem würdigen Abschluss entlässt die Band uns wieder auf den Heimweg in unsere Alltags-Welt und das was bleibt – wie immer nach einem FAUN-Konzert – ist der ein oder andere Ohrwurm, ein Lächeln im Gesicht und tief im Inneren die Gewissheit,  dass wir doch alle noch irgendwie verbunden sind mit Märchen und Mythen, mit Göttern, den alten Kelten und der Anderswelt. Danke dafür.