Review: ALLEN/OLZON – Worlds Apart

Wenn zwei Musiker mit einer derart beeindruckenden Vita wie Russel Allen (u.a. Symphony X, Trans-Siberian Orchestra, Adrenaline Mob) und Anette Olzon (Nightwish, The Dark Element, Alyson Avenue), die zudem gern gesehene Gastsänger bei einer Vielzahl weiterer Projekte sind, sich unter der Ägide von Magnus Karlsson (u.a. Primal Fear) zusammen finden um ein Album aufzunehmen, ist eines bereits im Vorfeld klar: hier wird feinste Melodic-Metal-Kost geboten!

Sehen wir uns die Tracks doch einmal im einzelnen an. Los geht es mit “Never Die”, das Mister Allen quasi im Alleingang bestreitet. Der Song nimmt sich zeit für ein ausladendes Intro, liefert mit einem gut ins Ohr gehenden Chorus ab und lässt im Gitarrensolo fett den Steve MalmAlpine raushängen – solide Nummer und macht Lust auf mehr. Mehr wird auch direkt geliefert, nämlich in Form der ersten Auskopplung, des Titeltracks “Worlds Apart”, bei dem die Herrschaften Allen und Olzon sich die Parts ebenmäßig aufteilen und erhebliches Händchen für Ohrwürmer beweisen. Der Song ist quasi ein Showcase für die ganze Platte und vereint alle Elemente unter einem Dach. Mit “I’ll Never Leave You” wird etwas das Tempo heruntergefahren, der Stampfer nimmt über die komplette Lauflänge an Fahrt auf, weiß aber gerade dadurch zu gefallen. “What If I Live” schlägt danach erste (power)balladeske Töne an, und das Trope vom sich-nicht-unterkriegen-lassen wurde tatsächlich selten schöner besungen. “Lost Soul” mit seiner folkig angehauchten Leadgitarrenmelodie drückt dann nach einem hanszimmeresken Orchesterintro endlich wieder das Gaspedal durch, nur um direkt durch “No Sign Of Life” ausgebremst zu werden, das leider nur langweilig-durchschnittlich dahindümpelt und wirkt, als wären viele gute Ideen aufeinander gestapelt worden, die nicht zusammen finden. You can’t win ‘em all. Weiter geht’s zu “One More Chance”, dem ersten Track, den Annette allein bestreitet. Und siehe da, die Dame macht sich das Lied absolut zu eigen, hier passt jede Note ineinander und erzeugt ein Gefühl von Geschlossenheit, was das eher mittelmäßige kompositorische Element mehr als ausgleicht. Erwähnung finden soll, vor allem festgemacht am Intro der nun folgenden leg-dich-nicht-mit-mir-an-Hymne, “My Enemy”, die herrlich transparente und hochauflösende Produktion des kompletten Albums, eine definitive Weiterentwicklung zu Allens früheren Kollab-Alben. “Who You Really Are” bietet leider mit seiner poppigen Note eher Füllmaterial und ist nicht wirklich packend, die dem Text zu Grunde liegende Wut über eine Enttäuschung und Verrat hätte viel Spielraum für eine bissigere Umsetzung gelassen. “Cold Inside” entschädigt hierfür vollends, die einzige reine Ballade auf dem Album und wieder verschmilzt Madame Olzon mit der Performance. Großes Kino! Mit dem gut gewürzten Abschluss “Who’s Gonna Stop Me Now” werden dann noch einmal alle Register gezogen und die letzten Raketen aus der Silvesterkiste gekramt, um den Zuhörer entspannt zurück in den Tag zu entlassen.

 

Fazit: Hochwertige Melodic Metal-Kost, die genau das bietet, was man von ihr erwartet. Leider aber auch nicht mehr. Klar bewegen wir uns hier nicht in einem Genre, in dem man Überraschungen erwartet, aber ein wenig mehr Abwechslung und Soundexperimente hätten “Worlds Apart” sehr gut getan. Keine bahnbrechende, den Metal neu definierende Scheibe, aber für Fans des Genres sicherlich eine Kaufempfehlung.

Bewertung: 7,5/10 Punkten

“Worlds Apart” erscheint am 06. März bei Frontiers Music s.r.l.

ALLEN/OLZON sind: 

Vocals – Russell Allen, Anette Olzon
Guitars, Bass & Keyboards – Magnus Karlsson
Drums – Anders Köllerfors

Tracklist:

01. Never Die
02. Worlds Apart
03. I’ll Never Leave You
04. What If I Live
05. Lost Soul
06. No Sign Of Life
07. One More Chance
08. My Enemy
09. Who You Really Are
10. Cold Inside
11. Who’s Gonna Stop Me Now