“Now is the time to be alive” – DE/VISION und ZOODRAKE live in Oberhausen!

Endlich konnten DE/VISION ihr verschobenes Zirkuskonzert nachholen. Ohne jegliche Einschränkungen musste mittlerweile aber niemand mehr im Zirkus auftreten. Natürlich waren alle über diese außergewöhnliche Alternative in der harten Pandemiezeit erfreut. Dennoch gehören Bands normalerweise auf eine stattliche Bühne. Die Manege, der Kamelduft und die bunte Zirkusatmosphäre stehen seit einiger Zeit wieder den Familien, den schusseligen, frechen Clowns und den biegsamen Artisten zur Verfügung. Und in einem Club haben klebriges Popcorn, krümelnde Brötchen mit Rostbratwurst und wippende Holzbänke nun mal nichts zu suchen.
Die Spielstätte am heutigen Synthiepop-Abend war der Kulttempel in Oberhausen. Als Special Guest durften wir uns auf ZOODRAKE freuen. Pünktlich um 20:00 Uhr erschien das Logo der Band auf der großen Leinwand. Silvveil begab sich wie gewohnt hinter seinem Keyboard in Stellung. Sein Markenzeichen durfte gewiss nicht fehlen: Die goldglänzende Maske bewahrt mittlerweile seit fast drei Jahren das gut gehütete Geheimnis um seine wahre Identität. Wird diese jemals enthüllt werden? Während sich die ersten, sanften Klänge von “New Oceans“ ausbreiteten, enterte auch Sänger Hilton Theissen mit seiner mattschwarzen Gitarre die ihm wohlbekannte Bühne. “Willkommen im Kulttempel. Wir freuen uns, dass wir schon wieder hier sind. Macht ihr ein bisschen mit?“. Aber sicher doch. Die sehnsüchtigen Wellen des verträumten Songs schwappten sogleich über und erwärmten bereits die ersten Herzen im Publikum. Hiltons schwarze Lederjacke landete dann direkt nach dem ersten Song (versehentlich) im Publikum und wurde unter schmunzelndem Protest von der Backup-Crew zurückerobert. Apropos Crew: für den guten Ton setzen ZOODRAKE auf Olaf Wollschläger und dieser bescherte uns an diesem Abend einen astreinen Sound. Hilton konnte dazu beeindruckend unter Beweis stellen, was er stimmlich draufhat. Der Titel “Upgrade“ vom ersten Album “Purified“ offenbarte hier schonmal einen Teil seiner beachtlichen Range. “15 Jahre ist es her, dass ich mit DE/VISION unterwegs war und ich freue mich, wieder hier zu sein. Ob wir noch einen drauflegen?“ Es folgte “Success Of The Snake“. Vom Tempo her schaltete man einen Gang hinauf. Hilton versteht es übrigens glänzend, vereinzelte Parts seiner Lyrics mit besonderen Gesten zu untermalen. Hierzu setzt er seine Arme und Hände gekonnt ein und erzeugt coole Highlights. Er hat definitiv seinen eigenen Stil gefunden. Geschmeidige Moves münden je nach Sound in energiegeladenen Bewegungen und laden das Publikum durchaus ein, sich ebenfalls in den Tanzmodus zu begeben. “Nothing`s Wrong“ kam mit einem herrlichen Gitarrensolo daher und sorgte an einer besonders wundervoll gesungenen Stelle kurzzeitig für Gänsehaut. Bei “Our Light“ entledigte sich Hilton seiner Gitarre, und nahm voller Ekstase die Bühne für sich ein. Dies führte zu enthusiastischen „Woohoo“-Rufen aus der Menge. “Als ich den nächsten Song geschrieben habe, wusste ich nicht, dass uns Corona bevorstehen sollte oder dass Krieg ausbricht. Es geht um unsere Ängste – diese hat jeder von uns“. Die ruhigere Synthpop-Nummer “Fear“ ließ einen für ein paar Momente durchatmen. “Vielen Dank fürs Zuhören. Danke an Pluswelt, den Kulttempel und vor allem an euch. Wenn es euch gefallen hat – wir haben noch ein bisschen Merch dabei“. “Jackal Parade“ nahm nun ordentlich Fahrt auf. Der Sound wurde bedeutend düsterer und Hilton entblößte seine wilde Facette. Im Publikum blickte man in etliche, strahlende Gesichter. Die Party war im vollen Gange und nahm mit “Right Back“ ein fulminantes Ende. ZOODRAKE hatten ebenfalls sichtlich Spaß an ihrem Auftritt. Nach kurzweiligen 45 Minuten war die Tanzfläche glattgetanzt und bereit für den Hauptact des Abends.

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Fotos: Andreas Theisinger

Nach einem Blitzbesuch an der Theke waren wir bereit für DE/VISION. An dieser Stelle möchte ich einen praktischen Lifehack verraten: Bittet das stets nette Thekenpersonal einfach mal, den Inhalt von 2 Getränkeflaschen in einen großen Becher zu füllen. Somit müsst ihr während des Konzerts nicht nochmal durch die Menge tapern und ihr könnt einen kompletten Auftritt genießen, ohne dass euch dabei die vom Jubeln beanspruchte Kehle antrocknet.
Um 21:00 Uhr läutete ein Intro den Auftritt von DE/VISION ein. Auf der Bühne waren weder ein Banner noch sonstige visuelle Elemente zu sehen. Lediglich das glitzernde Schlagzeug in kräftig roter Farbe wies auf der Bass Drum das bekannte Logo der Band auf. Die Menge begrüßte Sänger Steffen Keth, Drummer Markus Köstner und Keyboarder Thomas Adam in voller Lautstärke. “Synchronize“ sorgte direkt für Partylaune. Steffen nahm die Bühne umgehend tanzend für sich ein und bedankte sich grinsend für den gelungenen Start: “Dankeschön. Schön euch zu sehen. Ich hoffe, wir haben heute ganz viel Spaß.“. Dem sollte nichts im Wege stehen. Musikalisch gesehen ging es mit “Dinner Without Grace“ zurück ins das Jahr 1994. “Wie ihr wisst, sind wir alle etwas älter geworden – außer ich. Alle Hände hoch!“ Na, bei “I Regret“ schnellen die Arme doch automatisch nach oben. Dagegen konnte man sich gar nicht wehren. Die Drums verliehen dem Song live zusätzlich einen ordentlichen Drive. Nach gerade mal sechs Songs stellte Steffen dann fest “Wenn ich so auf die Setliste gucke – puh, das wird ganz schön anstrengend heute“. Moment mal, es hieß doch ER sei nicht gealtert… Doch es blieb eh keine Zeit für altersgerechte Pausen. Der Song “Where`s The Light“ sorgte für besonders wohlige Augenblicke. Die weiblichen Laute in dem Song ergänzten Steffens einzigartige Stimme auf wundervolle Weise. Solche Glücksmomente speichert man idealerweise direkt in seinem Herzen ab. Generell ist ein DE/VISION-Konzert ein besonderes Erlebnis. Dieses zeichnet sich nicht unbedingt durch eine schweißtreibende Show aus. Hier werden einfach Feelings erzeugt, die solch einen Abend besonders machen. Steffen tanzte durchaus mal in sich gekehrt und wirkte herrlich entspannt bis gedankenverloren, während einen seine samtige Stimme und der liebliche Synthiesound zu umarmen schienen. Der Hit “Rage“ durfte selbstredend auch nicht fehlen. Bei “Time To Be Alive“ meinte man es dann plötzlich mit dem Nebel etwas zu gut. Steffen verschwand immer wieder in einer Nebelwolke, die unweigerlich zu leichtem Hustenreiz führte: “Das ging voll auf Lunge“. Doch auf dieser konnte sich glücklicherweise nichts festsetzen. Spätestens bei dem beliebten Klassiker “Foreigner“ wurde diese wieder freigetanzt. “Wir wären jetzt fast beim Finale. Aber wir haben ja noch was“. Nun stand mit “Try To Forget“ definitiv ein Höhepunkt des Abends an. Steffen drehte richtig auf, animierte das Publikum und dieses setzte begeistert ein. Alle sangen eifrig mit, die Menge hüpfte sogar und zwischendurch erklangen immer wieder Jubelrufe. “So, Finale. Finaaaaaale.“ Prompt folgte aus den Reihen “Ohooooooo“. Steffen ergänzte: “Ihr habt noch n bisschen, ne? Los! Springt!“ Gesagt, getan. “Flavour Of The Week“ heizte die Partystimmung nochmal an. Der Bass hallte derweil munter in der Magengegend wider. “Das war`s für heute. Danke, Oberhausen“. Steffen verschwand schonmal, während Markus und Thomas den Song allein zu Ende spielten. Nach 90 Minuten war nun Schluss. Also pro Forma – wir kennen das Prozedere.
Denn völlig überraschend kehrten DE/VISION nach einer kurzen Verschnaufpause wieder zurück. “Gar nicht so einfach, nach so langer Zeit wieder auf der Bühne zu stehen. Dafür habt ihr es echt gut gemacht. Wir üben noch ein bisschen. Stimmlich seid ihr alle sehr gut drauf, wie ich es mitbekommen habe.“ Zwischenrufe mit unterschiedlichsten Songwünschen unterbrachen kurz Steffens Ansprache. “Wenn der Chef spricht… DEN Song haben wir leider nicht dabei. Wir könnten aber einen anderen anbieten.“ Nach “Under Heavy Fire“ stimmten DE/VISION tatsächlich den letzten Song an. Kein geringerer als “Hands On My Skin“ sorgte dafür, dass Band und Publikum noch einmal miteinander verschmolzen. Steffen mimte den Dirigenten und mit Unterstützung der Drums wechselte er sich gesanglich mit seinem seligen, schwarzen Chor vor der Bühne ab. “Geht doch! Dankeschön. Das war`s. Ihr seid super.“ Um 22:45 Uhr war nun tatsächlich Feierabend und die Band verneigte sich zum Abschluss glücklich vor der Menge.

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Fotos: Andreas Theisinger

Nach einem Cool-down stand Hilton mittlerweile gut gelaunt am Merchstand. Hier erfüllte er persönliche Autogrammwünsche, stand für Selfies zur Verfügung und führte noch die ein oder andere kurzweilige Unterhaltung. Der Run auf die kurzzeitige Nähe zu dem sympathischen Künstler war groß. Beim nächsten Konzert müssen ZOODRAKE scheinbar bedeutend mehr Merchandise einplanen. Der Großteil war hier schnell vergriffen und selbst dem Permanentmarker ging noch die Farbe aus.
Dieser Abend tat einfach gut. Und DJ Paradroid sorgte auf der anschließenden EBM meets Synth & Future Pop Party für den perfekten Abschluss.

SETLIST ZOODRAKE:
01. New Oceans
02. Sent to You
03. Upgrade
04. Success of the Snake
05. Nothing`s Wrong
06. Our Light
07. Death Bloom
08. Fear
09. Jackal Parade
10. Right Back

SETLIST DE/VISION:
01. Intro
02. Synchronize
03. Dinner Without Grace
04. I Regret
05. What`s Love All About
06. I´m Not Dreaming Of You
07. Where`s The Light
08. Addict
09. Essence
10. mAndroids
11. Love Will Find A Way
12. Rage
13. Time To Be Alive
14. Brothers In Arms
15. Aimee
16. Foreigner
17. They Won`t Silence Us
18. Try To Forget
19. Flavour Of The Week
Zugabe:
20. Under Heavy Fire
21. Your Hands On My Skin