Review: LOAD – “Superego”

“Superego” ist das erste Album der 2018 gegründeten Band LOAD. Das Duo, bestehend aus ZAFFRE und CYAN, die dem Projekt beide ihre Stimmen leihen und alle Instrumente spielen, möchte nicht weniger, als den Begriff “Electro Pop” neu zu definieren. Dabei verstecken sie ihre Identität hinter discotauglichen LED-Masken und lassen ausschließlich ihre Werke wirken. Dann schauen wir uns doch mal das Ergebnis der beiden Baseler Jungs, zu denen es keinerlei Hintergrundinfos gibt, einmal genauer an.

Holla, was für ein Debüt!

Player “on”, Scheibe rein und “Play” gedrückt – wow, das zieht massiv! Die bei moderaten BpM sehr lebendig gespielten Drums geben die Richtung vor, der auch die satten Synths und die Melodieführung folgen: absolut 80s! Nein, keine Angst, nicht noch so ein 08/15- Retro- Projekt. Der Sound kling unheimlich modern und mischt ganz urban einige Stile miteinander, hat aber auch immer einen deutlichen Schlag von diesem wohligen Retro-Touch. Die Bassline wabert sehr charakteristisch vor sich hin, erinnert oft an die gute 303, bevor sie ihren Ruf als das Acid-Instrument bekam. Überhaupt wirkt die Bassline sehr lebendig und überhaupt nicht statisch, sie fließt blubbernd durch die Tracks, mal etwas wilder, mal dezent verspielt. Stellenweise fühlt man sich an einzelne Titel aus der eigenen Jugend erinnert (so man diese in diesem Zeitraum verbracht hat) und denkt sofort an große Bands wie TEARS FOR FEARS etc. Und doch ist es eben keine bloße Kopie alter Hits oder “ewig gestrig”, sondern herrlich modern und zuweilen regelrecht hittig. Die Charts in- und außerhalb der Szene sind jedenfalls gerade bereit für diese Art Retro Pop, wie Acts wie THE WEEKND, DUA LIPA und andere eindrucksvoll beweisen. Dennoch bleibt hier der Einfluss der dunklen Szene nicht verborgen, versprochen.

Welch herrlich mitreißender Sound!

Also weiter, wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, Drums und Bassline. Schon knallen einem die satten Synths um die Ohren, garniert mit einem wiederum an die 80er erinnernden Organs und herrlich versetzter Claps. Die Vocals sind immer oft sanft distorted und mit Wide Effects bearbeitet, ohne aber wirklich düster rüberzukommen. Stattdessen möchte man sofort aufstehen und den – bis dato ja noch unbekannten – Text mitsingen und dabei Dave Gahan-like Pirouetten drehen.
Welch herrlich mitreißender Sound! Auch der zweite Titel, die bereits veröffentlichte Single “Black Night Satellite”, schlägt in diese Kerbe: moderner, filigran gespielter Electro Pop, garniert mit Gitarrensolo- Riffs und ner gehörigen Portion 80s- Feeling, sowie leichten Dark Wave-Anleihen. Der dritte Titel geht sogar noch ein Stück weiter und könnte auch gut einem Serien-Soundtrack entspringen. Schön auch der Saxophoneinsatz. Titel 4 wird bei Älteren sicher sofort zu Assoziationen mit “Lily Was Here” von Dave Steward and Candy Dulfer führen. Es fällt wieder auf, dass viele Instrumente gespielt und auch noch sehr gekonnt eingesetzt werden.
So zieht es sich auf LOAD – “Superego” immer weiter durch: absolut modern anmutende Tanzmusik, die sofort in die Beine geht und trotzdem parallel ein Träumen auf der Couch zulässt. Und immer wieder bringen diese Titel Erinnerungen im Hörer hoch, die die beiden Künstler selbst vermutlich gar nicht gemacht haben können. Dies trifft sicher eher auf die Hörer im ähm… “besten” Alter zu, verschreckt aber auch die jüngere Generation nicht. Das Album ist sehr gekonnt arrangiert, die Songs abwechslungsreich. Es eignet sich der Vergleich mit einem Baum: jeder Song ist ein Ast, der mehr oder weniger ausgeprägt in eine andere Richtung strebt und doch entspringen sie alle dem selben, Charakter gebenden Stamm. Die Lyrics sind oft leicht melancholisch, ohne jedoch im allzu düsteren “Trauer”-Sound zu versinken, mal schräg erotisch und oft auch augenzwinkernd kommentierte Eindrücke.

LOAD – “Superego” ist ein heldenhaftes Debüt, Mission accomplished!

Modern Retro Sound at its best, richtig intelligenter Electro Pop. Herrlich erwachsen und doch verspielt, mit manch überraschender Instrumentierung. Die Lyrics ehrlich, modern, dunkel und auch sanft erotisch, der Gesang sehr angenehm und jeder Song mit absoluten Hit-Qualitäten! Wer musikalisch im Jahre 1990 stehen geblieben ist, für wen DEPECHE MODEs “Violator” der Abschluss des einzig wahren Musikjahrzehntes war, der darf sich gerne von diesem herausragenden Produkt an die Hand nehmen und ins “Jetzt” holen lassen. Wer jüngeren Baujahres und trotzdem Fan guten Synth- & Electro Pops ist, kann sich gerne von dem infizieren lassen, was schon seine Eltern fasziniert hat. Ja, ganz klar “Melodien für Millionen”, aber dennoch kein gesichtsloser Massenpop. Die Schweizer scheinen skandinavische Wurzeln zu haben, ist man solch treffsichere Songwritings eher aus dem hohen Norden gewohnt.

LOAD, mit Respekt: der Spagat zwischen den großen Hits der Achtziger und modernem Tanzpop ist euch gelungen! Möget ihr den gebührenden Erfolg haben und die Szene noch lange bereichern! Wenn ein letzter Vergleich erlaubt ist: wer mit den Werken von ROB DUST etwas anfangen kann, wird auch hier seine helle Freude haben. So, Schluss jetzt, da warten die Anlage auf den Druck auf die “Repeat-” Taste!

Bewertung: 10/10

“Superego” erscheint am 17.04.2020 bei Radicalis Records/ The Orchard

Die Tracklist:

  1. Redemption Is Not Dying But To Kill
  2. Black Knight Satellite
  3. Cover Your Tracks
  4. What’s Left Of Me
  5. Emerald Eyes
  6. Red Riding Hood
  7. Dark Madonna
  8. Stranger To The World
  9. No End in Sight
  10. Your Days Will Never Come
  11. Great Big White World

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