Review: HÄMATOM – Die Liebe ist tot

Nach einer ganz kurzen Pause erholen sich die vier Himmelsrichtungen von den sinnlichen Tänzen auf dem Vulkan und sind nun mit ihrem neuen Werk “Die Liebe ist tot” am Start. Wem der akustische Ausflug in die 1920er Jahre zu soft war, kann sich umso mehr auf das neue Album von HÄMATOM, welches am 03. Dezember erscheint, freuen. Denn es verspricht das härteste und kompromissloseste, was die Band je gemacht hat, zu werden. Mit zehn brandneuen Songs stellt das Album eine ideale Mischung aus sozialkritischen, selbstreflektierenden und Party Songs dar.

Haematom

Schon vor dem Hören des Albums macht das Cover auf sich aufmerksam. Ein Kind, welches eine Pistole auf sich richtet, kann manch einen schockieren und etwas zu hart vorkommen, passt jedoch zu dem Titel “Die Liebe ist tot” wie die Faust aufs Auge.

Mit einem sehr epischen Intro, welches bei einem sogar Gänsehaut verursachen kann, leitet der erste Track “Dagegen” in das Album ein. Druckvoll, energiegeladen und mit einer klaren Botschaft ist es ein sehr schöner Opener. In den Strophen punktet NORD mit seiner rauen Stimme. Diese stehlen dem Refrain leider die Show, was den Song aber eventuell noch stimmungsvoller gestaltet.

“Jeder gegen jeden” führt das Thema des Albums fort. Sozialkritisch, tagesaktuell und mit voller Wucht, wie man es von HÄMATOM kennt. Der Song spiegelt leider gut unsere heutige Gesellschaft wider und genau das sollte einen zum Nachdenken bringen, denn allein diese Vorstellung lässt einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Trotz der Message ist das ein geiles Lied, bei dem man vor allem live sehr wahrscheinlich gut abgehen kann. Das Gitarrensolo schmückt das Ganze zum Schluss noch etwas aus.

„Einfach mal die Fresse halten“, so das Motto von “Ihr wisst gar nichts über mich”, welches mit harten Gitarrenriffs gut Stimmung macht. Musikalisch gibt es an dem Song nichts auszusetzen, es rockt und macht einfach Laune. Mit dem Text werden sich auch sehr viele identifizieren können, da das Thema Vorurteile leider immer noch aktuell ist.

“Liebe auf den ersten Fick” ist die Liebe auf den ersten Ton. Es ist so ein saugeiler Song, der mit dem genialen 80er-Riff jeden einfach in seinen Bann zieht. Dieser Rhythmus bleibt direkt im Kopf hängen und es bleibt auch nichts anderes übrig, als mitzusingen und diese One-Night-Stand-Hymne mitzufeiern. Die Gefühlslage des Protagonisten wird sehr emotional und eindeutig beschrieben, sodass man sich gut in diese reinversetzen kann. Mit NORDs Stimme stellt es eine perfekte teuflische Mischung dar. Einer der besten HÄMATOM Songs. Hut ab!

“Ich hasse euch alle” – einer der härtesten Songs von HÄMATOM überhaupt. Die Fans der ersten Stunde werden sich freuen und Nostalgie verspüren. Bei dem Lied hat man das Gefühl wieder im Jahr 2008 zu sein, als die vier Himmelsrichtungen ihre erste LP WUT veröffentlicht haben, denn es ist hart, brutal und direkt auf die Fresse à la “Leck mich”. Außerdem bekommt die AfD den Hass direkt in der ersten Strophe ab, was den Song gleich viel sympathischer macht.

HÄMATOM wären nicht HÄMATOM ohne einen geilen asozialen Party-Kracher auf dem Album. Mit “Ficken unsren Kopf” schenken uns die Franken zusammen mit den 257ers eine starke Crossover-Nummer, die einfach schön ballert. Die Stimmen von Mike und Daniel passen ideal zu dem harten Sound. Der Song zeigt uns also, dass Metal und Hip-Hop zusammen perfekt harmonieren.

“Zahltag” – einer der wichtigsten Songs auf diesem Album. Es trifft zu 100% “Die Liebe ist tot” Thematik. Das Lied beschäftigt sich explizit mit dem Thema des Kindesmissbrauchs. Ein Thema, mit dem sich HÄMATOM zum ersten Mal auf diese Art und Weise beschäftigen und was ihnen auch zu gut gelungen ist. So kann es dem einen oder anderem zu brutal oder zu direkt vorkommen, was dem Song aber definitiv nicht schadet. Musikalisch bietet der Track einen für HÄMATOM eher ungewohnten und experimentellem, dafür aber richtig krassen Sound. Mit einem fetten Beat, einigen Rap-Elementen und aggressiven Metal bildet der Song eine echt starke und brutale Nummer.

Spätestens bei “So wie wir” fällt es auf, dass HÄMATOM bei dem Album “Die Liebe ist tot” viel mehr Wert auf die Song-Intros gelegt hat als bei allen vergangenen Alben. Was die einzelnen Tracks noch attraktiver macht. Jedoch, trotz des geilen Anfangs und rockigen Sounds, kann “So wie wir” mit der Lyrik nicht wirklich überzeugen. Live wird das aber trotzdem eine schöne Abgeh-Nummer sein.

Wer ist nie müde, „kriegt nie genug“ und „will alle Wunder sehen“? Richtig, HÄMATOM! Und mit “Ich will erst schlafen wenn ich tot bin” wird es nochmal bestätigt. Ein typischer, rockiger und etwas punkiger HÄMATOM-Song, der auf diesem Album einfach nicht fehlen darf. Mit dem bekannten Motto „Scheiß auf Paradies“ zeigen die vier Himmelsrichtungen, dass wir noch sehr viel von ihnen hören und sehen werden.

Zum Schluss gibt es einen etwas ruhigeren Abschiedssong. “Zeit zu gehen” – eine Halbballade, die an alle Freaks gerichtet ist. Der Song würde perfekt als Outro bei einem Konzert durchgehen, bei dem HÄMATOM sich vor dem Publikum verneigen und sich bereits auf ein baldiges Wiedersehen freuen. Auch wenn das Lied etwas eintönig wirkt, ist es trotzdem gutes Abschlusslied für das Album.

HÄMATOM legen mit “Die Liebe ist tot” ordentlich einen drauf und zeigen wieder neue Seiten. Das Album ist sehr abwechslungsreich und definitiv ein Muss in jedem Regal. Es bietet einige sehr starke Nummern und macht einfach Laune beim Hören.

Ich persönlich kann das Album “Die Liebe ist tot” jedem nur empfehlen. Wer es noch nicht bestellt hat, sollte es spätestens jetzt tun.  

Bewertung: 9 von 10 Punkten

Trackliste:

  1. Dagegen
  2. Jeder gegen jeden
  3. Ihr wisst gar nichts über mich
  4. Liebe auf den ersten Fick
  5. Ich hasse euch alle
  6. Ficken unsren Kopf
  7. Zahltag
  8. So wie wir
  9. Ich will erst schlafen wenn ich tot bin
  10. Zeit zu gehen