Review: HALESTORM – „Back From The Dead”

Eines der längsterwarteten Alben für 2022 liegt nun endlich auf dem Tisch. Wir erinnern uns: seit der 2018er Scheiblette „Vicious” gab es aus dem Hause HALESTORM lediglich eine EP mit Neuaufnahmen alter Songs (und einem Dolly Parton-Cover), bis dann endlich im August letzten Jahres mit dem Video zu „Back From The Dead” die erste Single des neuen, gleichnamig betitelten Albums auf die Menschheit losgelassen wurde.

Heuer folgt die komplette Scheiblette, die den Rezensenten vor das eine oder andere Gewissensproblem stellt. Generell soll man ja nicht alles, was auf dem US-Markt mega-erfolgreich ist, schon aus ebenjenem Grund prinzipiell sch***e finden. Und tatsächlich finden sich auf „Back From The Dead” diverse Punkte, die zuerst einmal auf der Habenseite zu verbuchen sind. Die Produktion ist fett, druckvoll und ballert als wären wir noch immer mitten in den Loudness Wars, das Klangbild ist ausdifferenziert und kompositorische Totalausfälle sucht man vergeblich. Ausgemerzt scheint außerdem der oft bei HALESTORM-Releases angebrachte Kritikpunkt, dass die Band nur live richtig gut funktionieren würde und die Konservenversion des Materials eher zahnlos dahertrottet.

Eine gewisse Selbstlimitierung angesichts der Tatsache, dass jeder der 11 Songs exakt zwischen 3:00 und 3:30 Minuten einclockt ist jedoch kaum von der Hand zu weisen ­­– ein Schelm, wer böses dabei denkt und in Richtung Radio-Airplay schielt. Ein gewisses kommerzielles Interesse führt für HALESTORM nicht zwangsweise zum Authentizitätsverlust, schließlich reden wir hier gar nicht von einer unkommerziellen Metal-Band (auch wenn die Truppe im Dunstkreis dieser Szene ihr Publikum verortet sieht) sondern mittlerweile von einer ernstzunehmenden Hardrock-Geldmaschine, einem Produkt, dem es egal sein kann wer „Ausverkauf!!!einself” schreit, weil man längst im Mainstream angekommen ist. An dieser Stelle sei der unvergessene Liberace zitiert: „I cried all the way to the bank.”.

Sehen wir uns die Nuggets also einmal genauer an, die uns der Goldesel da in die Playlist gesch***en hat. Auffällig ist ein hoher Nostalgiefaktor, jedoch nicht in die glorreichen 80er zurückblickend, stattdessen hätte das Album wahrscheinlich im Jahre 2007 sämtliche Charts getoppt. „Back From The Dead” ist zu gleichen Teilen edgy, emo, hart rockend aber dabei immer noch nah genug an der Oberfläche um den Hörer nicht zu überfordern und auch Teenie-Mädels in der Existenzkrise für sich zu gewinnen. Ausnahmslos alle Songs bis auf die beiden obligatorischen Balladen „Terrible Things” und „Raise Your Horns” kommen im groben Charakter von Midtempo-Stampfern daher und gestalten sich wie im Falle von „Wicked Ways”, „The Steeple” oder „My Redemption” als potentielle Liveset-Staples. Interessanter wird es, wenn man sich das scheinbar mit reger Reißbrettbeteiligung entstandene Außenseitermädchenmotivationsliedchen „Strange Girl”, die industrial-angehauchte, düster brummelnde Keule „Bombshell” (die auch auf dem Soundtrack zu einem der späteren Matrix-Filme hätte landen können) oder das in einem Paralleluniversum bei P!nks Songwritern eingekaufte „I Come First” zu Gemüte führt. Als Anspieltipp sei das tief im Nu-Metal wurzelnde „Brightside” empfohlen, das neben einem Kashmir-Rip-Off-Riff in der Strophe einen starken Chorus irgendwo zwischen Puddle Of Mudd und Peripherys „Alpha” vorzuweisen hat und direkt im Ohr bleibt.

Fazit:

Ein Album mit  hohem Produktionswert, wahrnehmbarer Weiterentwicklung und einer gehörigen Kelle Teenage Angst, das einen direkt 15 Jahre in die Vergangenheit zurückkatapultiert, im groben und ganzen jedoch ein wenig zu sehr auf Sicherheit und Umsatz spielt. Wäre Lzzy Hale als Sprachrohr ihrer Band nicht eine dermaßen sympathische, unverbogene Musikerin, man würde vorschnell das Etikett „Fließbandkommerz” zücken wollen. Stattdessen greift der „Doro-Effekt”. 

Bewertung: 7/10 Punkte

Tracklist:

  1. Back From The Dead
  2. Wicked Ways
  3. Strange Girl
  4. Brightside
  5. The Steeple
  6. Terrible Things
  7. My Redemption
  8. Bombshell
  9. I Come First
  10. Psycho Crazy
  11. Raise Your Horns