Review: WALTARI – 3rd Decade Anniversary Edition

Die finnischen Crossover-Pioniere von WALTARI können auf eine Diskografie zurückblicken, die nun drei Jahrzehnte umfasst – wenn das mal kein Grund zum Feiern ist! Statt einer ausgedehnten Jubiläumstour ging es für die Mannen um Frontmann Kärtsy Hatakka ins Studio um ein Best-of-Album einzuspielen. Aber was wäre ein runder Geburtstag ohne Gäste?

So lud der bunte Trupp befreundete Musiker dazu ein, einer Auswahl ihrer Stück aus der gesamten Schaffensperiode ein neues Gewand zu verpassen. Der musikalischen Stoff war schon verhanden und es lag auch an den Gastmusikern den neuen Schnitt zu kreieren. Herausgekommen ist ein buntes Potpourri, das einerseits typisch WALTARI ist, aber auf der anderen Seite herrlich erfrischende Nuancen in altgeliebte Klassiker aus dem umfangreichen Repertoire der Finnen bringt.
Die Idee, ihren Gästen das kreative Ruder beim Re-Arrangement der Songs in die Hand zu legen, war für Kärtsy eine neue und aufregende Herausforderung. Zumal er sich bewusst aus dem Vordergrund herausgenommen hat. Schließlich sollten die Gäste auf den Songs die Hauptrolle spielen während die Band quasi als Begleitmusiker fungiert. Einige Zeilen miteinzusingen um mit den illustren Gästen als Duettpartner zur Seite zu stehen, ließ er sich jedoch nicht nehmen. Und die Gästeliste ist nicht zu verachten! So sind nicht nur international gefeierte Landsleute WALTARIs mit am Start, auch alte Szene-Weggefährten wie Jürgen Engler von DIE KRUPPS nahmen die Einladung zur Kooperation gerne an. Dass die gemeinsame Nummer „Merry Go Round 2021“ entsprechend etwas elektronischer ausfällt, war im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert.

 

Wenn man von finnischer Musik redet, kommt man an einer Band definitiv nicht vorbei: ELÄKELÄISET, die internationale Hits jeglicher Richtung mit finnischen Texten versehen und im Humppa-Stil neu vertonen. So ist auch „Ehtoopuolella“ die komplett umvertonte Neuauflage des WALTARI-Klassikers „One Day“ vom 2004er Output ‚Rare Species‘. Auch Jonne Järvela von KORPIKLAANI gibt sich mit der Unterstützung von Jyrki 69 der Kult-Darkrocker von THE 69 EYES die Ehre um „In The Cradle 2021“ eine ordentliche Portion Humppametal zu verpassen. LORDI hingegen gehen bis ins Jahr 1991 zurück und lassen den alten Indie-Dance-Hit „Lights On“ vom damaligen Album ‚Torcha‘ in neuem Licht erstrahlen. Auch Ex-NIGHTWISH Bassist und Sänger Marco Hietala hat sich gerne ins Studio eingefunden und steuert für „Below Zero 2021“ seine großartige und kraftvolle Stimme bei.

Einer der größten Hits der Finnen, der bei keinem Konzert fehlen darf ist „So Fine“ aus dem Jahr 1994, auf dem das Sami-Duo ANGELIT den typisch finnischen Joik-Gesang beisteuerten, der den Song zum unangefochten Mitsingen-Hit der Finnen avancieren ließ. Doch nun, 27 Jahre später, zeichnet sich SKYCLAD-Frontmann Kevin Ridley für die Vocals verantwortlich, der für den Joik-Gesang Unterstützung eines Jugendchors erfährt. ANGELIT steuern wie einst auf dem Album ‚Chanel Nordica‘ in der Neuauflage von „Step Outside“ ihren herzlichen Joik-Gesang bei. Auf dem 2020er Album ‚Global Rock‘ war schon Raymond Ebanks der BOMFUNK MC’S zu Gast bei der ersten Single-Auskopplung „Skyline“, deren Remix nun auch ihren Weg auf die Jubiläumsplatte gefunden hat. Verwundernd jedoch absolut überzeugend ist der „Misty Man 2021“ die gestandene weibliche Rockröhre Niki der BARBE-Q-BARBIES. Und damit weibliche Stimmen auf dem Album nicht zu kurz kommen, wurde auch mit APRIL ART weitere Unterstützung ins Studio geholt. Die hessische Formation, die mit ihrem Song ‚Break The Silence‘ letztes Jahr als Soundtrack der Kampagne #AlarmstufeRot einen Achtungserfolg erzielte, veredelt dieses Jahr die Hommage „Helsinki 2021“ an Kärtsys Heimatstadt. Sängerin Lisa-Marie harmoniert im Duett mit Kärtsy wunderbar und lässt den Song bei mehrmaligem Hören des Albums zum heimlichen Highlight aufblühen. Aber bevor das Studio verlassen wurde, musste es noch als Bühne für einen der WALTARI-Hits schlechthin dienen. „The Stage 2021“ lässt nicht nur die Sonne in die Gehörgänge, auch ein warmes akustisches Frühlingsgefühl lässt den tristen Herbst vor der Türe.

 

WALTARI haben sich mit ihrem Jubiläums-Album zwar nicht neu erfunden, jedoch ihren Songs mehr verpasst, als nur eine Verjüngungskur. Die Experimentierfreude der Band wurde von den beteiligten Gastmusikern verschieden stark genutzt, was wiederum auch den Reiz dieses Albums ausmacht, das nicht nur in den Plattenschrank aller WALTARI-Fans gehört.

Bewertung: 7,8 von 10 Punkten