Review: BETONTOD – “Pace per Sempre”

Ein Album mit dem Titel „Friede für immer“ zu veröffentlichen und direkt im ersten Song systemkritisch über Wasserweffer auf Demonstrationen zu singen, passt hervorragend zu den Punkrockern aus dem Rheinland. Seit den frühen 90ern nehmen uns die Jungs mit auf ihre laute, direkte, dabei immer politisch relevante musikalische Reise. Mit ihrer neuen CD zeigen sie uns, dass sie nichts von dem Feuer und dem Kampfeswillen verloren haben, wegen dem ihre Fans sie schon so lange feiern.

„Hinter dem Regenbogen“ beschwört den Geist herauf, der viele Menschen immer wieder dazu bringt, auf Demonstartionen ihren Unwillen über herrschende Machtverhältnisse in die Welt hinaus zu tragen. Beim Hören entstehen fast automatisch Bilder vor dem geistigen Auge, auf denen Menschen mit Transparenten und Sprechchören den Wasserwerfen der Polizei entgegen stellen. Ein toller Opener für das neue Album und dabei so treibend, wie wir es von BETONTOD gewöhnt sind.

Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, klagen sie auch im zweiten Song „Hals – Maul – Arsch – Gesicht“ unverhohlen und direkt an, diesmal diejenigen, die sich erdreisten, von ihrem gemütlichen Sofa aus entscheiden zu können, wer das Rest hat, in diesem Land zu leben. „Ich kann die Scheiße nicht mehr hörn“ singen sie im Refrain – und dem kann ich mich aus vollem Herzen anschließen. Danke für dieses klare Statement! In Song „Retro“ setzen sie sich mit etwas auseinander, das auch schon andere Punkbands wie z.B.Wizo zu Tournamen antrieb – das Älterwerden. Oder besser mit den Worten von Sänger Oliver ausgedrückt – Wir werden nicht älter, wie werden retro! Und wie das  bei Punkrockern aussieht, lässt das Lied ziemlich deutlich erkennen.

Die zweite Singleauskopplung und das vierte Lied der CD „Pech und Schwefel“ schließt fast nahtlos an seinen Vorgänger an. Auch wenn wir älter werden, bleiben wir unzertrennlich und werden zusammenhalten, wie wir das schon immer getan haben. Auch „Bist Du da“ erinnert an alte Freunde und an längst vergangene Zeiten. Das Bedürfnis, online nach Menschen von früher zu suchen wird beim Hörenden immer stärker und drängender.

Ob es ein Zufall ist, dass die beiden Songs „Jogginghose forever“ und „Der nackte Kaiser“ direkt aufeinanderfolgen, wage ich zu bezweifeln. Sprachlich sehr gelungen und inhaltlich wie immer der Hammer!

Das die CD beschließende Lied „Mitternacht“ unterstreicht das Gefühl, dass sich im Laufe des Hörens breit gemacht hat, „Wir sind noch lange nicht am Ende“ und vielleicht finden sich ja wieder alte Freunde zusammen und erinnern sich an alte Ideale und den Willen, die Gesellschaft zu verändern. Sie hat es vielleicht nötiger denn je.

FAZIT

Viele Lieder des neuen Albums lassen beinah wehmütig auf die eigene progessive und innig geliebte Vergangenheit blicken. Wer früher mit bunthaarigen Freunden und Fahnen mit Anarchiezeichen schwenkend durch die Städte gezogen ist, wird das neue Album von BETONTOD lieben, schenkt es doch neben Wehmut auch die Zuversicht, dass wir alle im Herzen noch genau wie früher sind. Idealistisch, kämpferisch und frei. Mit fällt kein einziger Kritikpunkt an „Pace per Sempre“ ein und von daher gebe ich 10 von 10 möglichen Sternen.

Bewertung: 10 von 10

Tracklist

  1. Hinter dem Regenbogen
  2. Hals – Maul – Arsch – Gesicht
  3. Retro
  4. Pech und Schwefel
  5. Jogginghose forever
  6. Der nackte Kaiser
  7. Wirklich wichtig
  8. Wir feiern Dich
  9. Fliegen
  10. Bist Du da
  11. Schatten und Licht
  12. Mitternacht