Review: „SILVER LAKE“ by ESA HOLOPAINEN

Als einer der kreativsten Saitenhexer Finnlands begeistert Esa Holopainen bereits seit vielen Jahren die Fans von Amorphis mit seinen epischen Melodien. Aufgrund der aktuellen Umstände war 2020 nun ausreichend Zeit um sich an das erste Soloalbum zu wagen. Hierzu holte er sich Verstärkung von einer Menge befreundeter Musiker u.a. Jonas Renkse (KATATONIA), Einar Solberg (LEPROUS), Björn ‚Speed‘ Strid (SOILWORK), Tomi Joutsen (AMORPHIS), Anneke Van Giersbergen oder Håkan Hemlin.

Die 9 Songs bestehen aus einem vielschichtiges Zusammenspiel zwischen allerlei Stilen vom Classic Rock, Metal, Achtziger Synthies bis zum Doom, alles mit einem melancholischen Grundton untermalt. Bereits der Instrumentalsong „Silver Lake“ zeigt das es kein reines Saitenhexeralbum wird, der Song leitet gekonnt auf die weiteren Songs und kann vielschichtig überzeugen. „Sentiment“ sorgt dann gleich für sphärisches Dahingleiten mit Jonas Renske (Katatonia), der Song ist in sich zwar recht ruhig gehalten und holt dann beim facettenreichen Gesang so etliches an musikalischer Macht hervor.

Håkan Hemlin ist im Metalbereich eher nicht so bekannt, der Sänger der schwedischen Folkband Nordman steuert bei „Storm“ seinen ausdrucksstarken Gesang bei und schafft so eine starke nordische Hymne mit Ohrwurmcharakter der gegen Ende auch noch recht gut Tempo bekommt.

Einar Solberg (Leprous) dagegen steuert seine Stimme beim eher poppigen „Ray Of Light” hinzu, der Ausnahmesänger passt hier gut in das gesamte Klangbild und erzeugt ein starkes Werk außerhalb des Metals. Recht doomig sägen nun die Gitarren zu „Alkusointu“, hierbei begleitet von dem finnischen Kabarettisten Vesa-Matti Loiri als Erzähler in finnischer Sprache. Dazu gesellen sich Synthies, Jazz und epische Riffs, ein ungewöhnlich aber musikalisch ausgereifter Song. Ein klassische Amorphisanlehnung darf natürlich auch nicht fehlen, „In Her Solitude“ entwickelt sich mit Tomi Joutsen am Gesang zu dem klassischen Soundbild der Finnen. Schnell geht es auch mit „Promising Sun weiter, hier wurde Björn ‘Speed’ Strid hinzugerufen und steuert seinen Klargesang dazu. Das ausgewogene Tempo passt hier genau zum Gesang und kann überzeugen. Auch „Fading Moon“ mit Anneke Van Giersbergen fügt sich dem Tempo ein und prescht munter nach vorne. Der Song ist passend zum Gesang zugeschnitten und entwickelt sich gegen Mitte zu einer gut durchdachten Komposition, zwischen sägenden Riffing, Ohrwurmrefrain und Annekes überzeugenden Gesang. Den Abschluss macht dann noch einmal Jonas Renkse, „Apprentice“ schließt das Album mit einem sanften Gesang und einem wieder grandios klingenden Gitarrenspiel ab.

Abschließend kann man sagen das „Silver Lake“ extrem gelungen ist, die Vielschichtigkeit der Kompositionen geht quer durch viele Musikstile, aber dennoch spürt man immer den melancholischen und kreativen Einfluss von Esa Holopainen, was man bei einem Soloalbum selten erwartet. Sicherlich nicht nur für Fans des Ausnahmemusiker und Amorphis interessant, sondern auch für jeden der sich gerne auf etwas alternative Hymnen einlassen kann.

Bewertung: 8/10

TRACKLIST:

01. Silver Lake 3:04
02. Sentiment (feat. Jonas Renkse) 3:46
03. Storm (feat. Håkan Hemlin) 4:14
04. Ray Of Light (feat. Einar Solberg) 3:31
05. Alkusointu (feat. Vesa-Matti Loiri) 4:43
06. In Her Solitude (feat Tomi Joutsen) 4:17
07. Promising Sun (feat. Björn ‘Speed’ Strid) 4:17
08. Fading Moon (feat. Anneke Van Giersbergen) 4:28
09. Apprentice (feat. Jonas Renkse) 4:30