Review: MONSTER MAGNET – A Better Dystopia

In meiner Jugend gab es in der Nähe meines Wohnortes einen Club, den ich bis zu viermal wöchentlich aufgesucht habe, um in die Welt der 60ies/70ies einzutauchen und den Alltag zu vergessen, um Freunde zu treffen und natürlich bis zur Ekstase und darauf folgende totale Erschöpfung abzutanzen. Schon beim Betreten der Spelunke schlug einem unweigerlich die Mischung aus Schweiß, Bier und Qualm entgegen, der nicht allein aus reinem Tabakrauch bestand. Staub geschwängerte Spinnweben hingen ebenso wie der Plattenspieler von der Decke. Je nach DJ erklangen die Hymnen der Woodstock-Ära, oder der frühen Hardrock Bewegung. Eine Mischung aus Janis Joplin bis Morörhead, von Led Zeppelin bis Ozzy Osbourne. Die ganze Szenerie untermalt von Nikotin-vergilbter Schummerbeleuchtung und Strobo-Blitzen.

Schon das knapp zweiminütige Intro lässt erahnen, wohin die Reise gehen soll. Mahnend erklingt die Radioansprache eines in den 60ern in Amerika bekannten Radio DJ´s und stimmt auf die kommende Gehörattacke ein. Genau in vorgenanntes Etablissement fühle ich mich somit schon ab den ersten Grooves und Beats schlagartig zurückversetzt und die Bilder der inzwischen dem Verfall preisgegebenen Scheune erinnern mich wehmütig an eine Zeit, die einerseits unbeschwert erschien, jedoch auch von Golfkrieg und Waldsterben geprägt war. Von Protest gegen soziale Ungerechtigkeit und Umweltverschmutzung.

 

Die Zeiten ändern sich, heißt es. Ja, das mag wohl sein. Die Parallelen zur heutigen Zeit sind jedoch unverkennbar, die grundsätzlichen Probleme die Gleichen, nur die Schlagzeilen haben sich geändert. Vor diesem Hintergrund macht es mehr als Sinn, den Spirit der Vergangenheit zu beschwören und mit authentischen Sounds, Riffs und Grooves Zitate alter Klassiker in die heutige Zeit zu transportieren und neu zu interpretieren.

Genau das waren auch die Gedanken von Mastermind Dave Wyndorf und seinen Leuten, die sich aufgrund der aktuellen Situation gezwungen sahen, den zweiten Teil ihrer 2020 geplanten Tour in Nordamerika abzusagen und sich so mit drohender Langeweile konfrontiert sahen. Vorerst keine Live-Auftritte mehr für Monster Magnet? Undenkbar! Was wäre die Alternative fragte man sich und kam schnell zu dem Schluss, dass es nicht der Weg sein würde, Online-Konzerte zu veranstalten, oder live Mitschnitte aus Proberaumsessions zu liefern, um im Gedächtnis zu bleiben. Da auch kein neues Songmaterial vorlag, und der Weg dorthin zu weit erschien, entschloss man sich kurzerhand eine private Playlist zu nehmen und diese mit dem typischen Monster Magnet Sound zu versehen und zu garnieren. Dass hierbei auf eher unbekannte Stücke zurückgegriffen wurde, die aber dennoch zu den absoluten Klassikern gehören, ist wohltuend abwechslungsreich und inspirierend. Aufgenommen und produziert in Eigenregie klingen die Songs daher einfach erfrischend authentisch und glaubwürdig.

Als meine persönlichen Anspieltipps seien „Be Forwarned“ und „Death“, sowie „Situation“ genannt, da sie meiner Meinung nach ein wenig aus den anderen Tracks herausstechen, aber Fakt ist, selbst beim dritten Durchlauf der Scheibe in Endlosschleife wird es zu keinem Zeitpunkt bei einem der einzelnen Songs langweilig.

„A Better Dystopia“ klingt so herrlich Oldschool und dabei erfrischend aktuell. Die Mischung aus psychedelisch beschwörenden Vocals und rockigen Gitarren, aus pumpenden Bässen und dem Drumming aus dem Handbuch des Rock lassen einen unweigerlich mitgrooven.

Die Lyrics der Songs erweisen sich allesamt als tagesaktuell, obwohl sie ja aus vergangenen Tagen stammen… verblüffend, nicht?
Klar, Monster Magnet erfinden hier das Rad nicht gerade neu, zweifelsohne drehen sie es aber gekonnt zurück und demonstrieren, warum diese Art Musik nicht totzukriegen ist und obwohl sie vielleicht nicht gerade „en vogue“ ist, immer wieder ihre Daseinsberechtigung beweist.

 

Ich wage zwar zu bezweifeln, dass die Scheibe die heutige Jugend zum Rock zu bekehren vermag, aber für alle „Altsemester“ und Junggebliebene, Spätsechziger bis Achtziger-Jahrgänge stellt sie definitiv quasi schon ein Must-have in der heimischen Musikbibliothek dar. Und wenn dann endlich mal wieder die Clubs ihre Pforten öffnen dürfen, sollte sie ebenso wenig im Repertoire des DJ´s fehlen.

Dreizehn Tracks haben es auf diesen Longplayer geschafft und ergeben damit eine knappe Dreiviertelstunde Zeitreise in die Vergangenheit, oder, wie eine einprägsame Zeile des stampfenden Openers „Born To Go“ skandiert: Into Reality!

Fazit:
Um es mit dem Zitat von Dave Wyndorf zu beschreiben:
„And of course, it ROCKS!”

Bewertung: 8,3 von 10 Punkten

A Better Dystopia erscheint am 21.05.2021 über Napalm Records