Review: BEYOND THE BLACK – Hørizøns

„Hørizøns” – einen passenderen Titel hätten BEYOND THE BLACK für ihr viertes Studioalbum, das am 19. Juni erscheint, nicht wählen können: Das Quintett überschreitet hier die eigenen musikalischen Grenzen und zeigt so ganz neue Horizonte auf. Wer BEYOND THE BLACK kennt weiß, dass die Symphonic-Metaler mit einer passegenauen Mischng aus Metal und symphonischen Einflüssen überzeugen. So ist es kaum verwunderlich, dass die Fangemeinde sehnsüchtig das neue Studioalbum erwartet hat. Und das hat es in Sich: 13 powergeladene Songs bilden den Rahmen für ein Album, das eine Geschichte erzählt. Eine Geschichte vom Nachdenken, vom Aufbruch, vom Neuanfangen und vom Ankommen.

Den Anfang macht mit „Horizons“ ein Metal-Knaller, wie es die Fans von BEYOND THE BLACK gewohnt sind: Die sinnlich-kraftvolle Stimme von Frontfrau Jennifer Haben steht im wunderbaren Kontrast zu treibenden Drums, powergeladenen Gitarrenriffs und untermalendem Bass. Abgerundet wird „Horizons“ mit stimmig-mystischen Chorgesängen, die mittlerweile ein fester Bestandteil des Erfolgskonzeptes von BEYOND THE BLACK geworden sind.
Das sich das neue Album zwischen vielen musikalischen Polen bewegt, zeigt sich immer wieder. Im Song „Misery“- die erste Vorab-Single aus „Hørizøns” – kommen Staccato-Streicher und Synthesizer-Flächen zum Einsatz, die Jennifer Habens Stimme auf neuen Wegen hervorheben. Neue Wege bestreiten die fünf Musiker auch mit „Wounded Healer“ wo Elize Ryd von AMARANTHE als Gastsängerin gemeinsam mit Jennifer Haben eindrucksvoll und stimmgewaltig die Stärke der europäischen Female-Fronted-Metal-Szene unter Beweis stellt. Gleichzeitig macht dieses Gesangsduett Lust auf die im Frühjahr 2021 anstehende Co-Headliner-Tour der beiden Bands.

Dass sich BEYOND THE BLACK treu bleiben und es schaffen, dass jeder neue Song als spannendes und komplexes Stück für sich spricht, beweisen unter anderem „Some kind of Monster“ und „Human“. Beide sind Paradebeispiele für Symponic-Metal at its Best. Intensiv treibende Gitarren und Drums treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und werden passgenau vom Bass hervorgehoben. Streicher begleiten in „Human“ die Musiker und schaffen eine düstere Stimmung: „We are born to die, we are human“, wird hier besungen. „Live today and forget how much it hurts“ reißt die Stimmung wieder in eine Hoffnung, die besagt, zu Leben und zu genießen. „Golden Pariahs“ steht als Vorzeigestück für die musikalisch abwechslungs- und facettenreiche Stärke der Band: Das elektrische Intro mit rasanten Drums klingt modern. Die tragenden Säulen der Band wie starke Giterrensoli und der charakteristische Gesang von Jennifer Haben ermöglichen hier eine ausgewogene Mischung aus Bekanntem und Neuem.
Die Reise endet mit zwei Songs, die vom Ankommen erzählen: „Coming Home“ ist der wohl emotionalste Song der Platte. „There is no more fears. I am coming home. All my tears have fallen“. Final schließen BEYOND THE BLACK ihr neuestes Werk mit einem Kracher mit Ohrwurmgarantie: „Welcome to my Wasteland“ klingt frech, rotzig und selbstbewusst, wenn es heißt „Welcome to my Wasteland, welcome to my home“. Dabei steh die glockenklare Stimme von Jennifer Haben hier in einem ausgeglichenen Kontrast zum starken Support von Chris Hermsdörfer.

Mit „Hørizøns” haben BEYOND THE BLACK einen Albumkracher in die Musikwelt gebracht, der wie formvollendete Poesie klingt: Tiefsinnig, bedeutungs- und deutungsstark – die Texte hallen lange nach. So bestechen sie mehr denn je mit wunderbaren Wortbildern („Hear Questions without answers“) und nachdenklichen Phrasen. Jennifer Haben kann hier in allen Facetten ihr Stimmtalent voll entfalten. Eingerahmt wird sie von vier großartigen Künstlern, die jedes Stück auf „Horizons“ zu einem wahren Ohrenschmaus werden lassen: Drummer Kai Tschierschky zeigt mehr denn je, was er an en Becken drauf hat. Schnelle Double-Base und eindrucksvolle Synkopen geben den Songs ihren Rahmen. Gitarrist Tobi Lodes fügt sich mit seiner Ibanez – und auch in den Backing Vocals – stark und treibend in das Gesamtbild ein. Chris Hermsdörfer demonstriert wie gewohnt eine starke Präsenz im Gitarrenspiel und im Gesang und bildet so einen starken stimmlichen Kontrast zu Jennifer Habens Stimme. Stefan Herkenhoff gibt den Songs am Bass die nötige Tiefe.
Und so bleiben sich BEYOND THE BLACK auch in ihrem neuen Album selbst treu: Sympathisch, straight, absolut authentisch und begeistern mit Feinheiten bis in jedes noch so kleine musikalische Detail.

Bewertung: 10 von 10 Punkten

Das Album erscheint am 19.06.2020 bei We Love Music (Universal Music)

BEYOND THE BLACK sind:

Jennifer Haben – Vocals
Chris Hermsdörfer – Gitarre & Backing Vocals
Tobi Lodes – Gitarre & Backing Vocals
Stefan Herkenhoff – Bass
Kai Tschierschky – Drums

Tracklist:

Horizons
Misery
Wounded Healer
SomeKind of Monster
Human
Golden Pariahs
Marching On
You´re not alone
Out of the Ashes
Paralyzed
Coming Home
I Won´t surrender
Welcome to my Wasteland