Review: LAMB OF GOD – s/t

Ein wenig später als ursprünglich geplant, veröffentlichen LAMB OF GOD am 19.06. endlich ihr neues, selbstbetiteltes Studioalbum. Fünf lange Jahre sind seit ihrem letzten Output ins Land gezogen, freilich eine lange Zeit, die die unweigerlich die Frage aufwirft: Hat sich das Warten gelohnt? Ungeduld steigert bekanntlich die Erwartungshaltung, lässt schnell Enttäuschung aufkommen, wie mehrfach im Falle der angeblich größten Metal-Band ever… nein nicht IRON MAIDEN! Ich meine die Bay Area-Legenden, die auch mit „M“ anfangen.

Die ersten Töne des Openers „Memento Mori“, das bereits als Musikvideo online ist, lassen mich kurz irritiert in meiner Vergangenheit kramen…  Diese Textzeilen habe ich doch noch aus der 80er/90er Wave-Gothic Szene im Hinterkopf? Cover Song? Cover Album? Auch das wäre logisch, wenn man seine musikalischen Einflüsse zusammenfassend auf ein Album bringen wollte, und es dann als Band-definierende Essenz selbstbetitelt.

Nach kurzem Zitat dieser Zeilen wird stattdessen schnell eindeutig: Nein, LAMB OF GOD haben ihren Stil nicht grundlegend geändert, und ballern mit den Worten „Wake up…“ eindrücklich los. Metalcore der feinsten Güteklasse als Weckruf. Überlege kurz, diese Passage als Klingelton für das Smartphone in der Weckfunktion zu nutzen, entscheide mich aber dennoch dagegen, ist vielleicht doch ein bisschen krass einen Tag so zu beginnen. Der Song grooved und marschiert jedenfalls ordentlich! Typisch LAMB OF GOD eben.

Der zweite Song „Checkmate“  wird von einem kurzen Stoner-lastigen Intro eingeleitet, um dann kurz darauf ebenfalls wieder groovig los zu ballern, und einen in Zeiten der Corona-Pandemie zwangsweise konzert- und festivalabstinenten Metaller, die Zeit in Moshpits schmerzlich vermissen zu lassen.

Was hätte das für eine Tour werden können, die mit KREATOR für Anfang des Jahres geplant war.

Im Verlauf des Albums werden immer wieder kurze Stoner-Zitate laut, wie in „Reality Bath“, teilweise klingt der Song ansatzweise jedoch auch psychedelisch, meist jedoch einfach authentisch nach LAMB OF GOD.

Bei dem folgenden „New Colossal Hate“ klingt es kurz nach SLAYER, dann ganz schnell wieder nach: LAMB OF GOD!

Mein persönliches Highlight ist dann der 6. Song „Resurrection Man“, der midtempo-lastig , stampfend aus den Boxen dröhnt. Schöner Song, um damit zum nächsten LAMB OF GOD-Gig über die Straße zu cruisen! Später im Song klingt es auf einmal wieder verdächtig nach SLAYER zu „South of Heaven“- Zeiten, die Band macht sich offenbar auf dem vorliegenden Longplayer einen kleinen Spaß daraus, die unterschiedlichsten Zitate aus verschiedenen Epochen der Metal-Historie zu verwenden, und ihren ureigensten Trank daraus zu brauen. Dazu passt gut, dass sowohl Jamey Jasta von HATEBREED und Chuck Billy von TESTAMENT Guest-Vocals beigesteuert haben. Letzterer verleiht dem Uptempo-Song „Routes“ einen wirklich einzigartigen Anstrich, sehr gelungen diese Melange.

„On The Hook“ knallt einem dann nochmal so richtig ins Ohr, und beschließt eine Reise, die ich mal gerne mit einem Auto-Rennen vergleichen möchte… selten Zeit zum Innehalten, gelegentliche Momente zum Luftholen. Aber ansonsten meistens den Fuß kontrolliert auf dem Gaspedal, den zweiten bremsbereit die Kupplung bedienend.

Fazit:

Das Album ist insgesamt sehr kurzweilig, einige Akzente erschließen sich erst nach dem wiederholten Durchhören, gespickt mit feinen Details, Eingängigkeit ohne Aufdringlichkeit, augenzwinkernde Zitate, fette Produktion. Tatsächlich ein rundum gelungenes Album, dass keine erkennbaren Schwächen offenbart. Hat sich das Warten also gelohnt? Meiner Meinung nacheindeutig JA!

Wertung? Solide, glatte 8,0 Punkte von 10!