Review: BLIND CHANNEL – „Lifestyles Of The Sick And Dangerous“

Neues aus dem Hause BLIND CHANNEL heißt, Neues von der Front der Violent Pop Revolution. „Lifestyles Of The Sick And Dangerous“ ist das mittlerweile 4. Studioalbum der Finnen. Sofort hat man die Textzeile “Lifestyle OF The Rich And Famous!” von GOOD CHARLOTTE im Kopf, dieses ist von den Finnen bewusst so gewählt worden, es soll eine Hommage mit einem Augenzwinkern Richtung GOOD CHARLOTTE sein.

Im Jahre 2013 gegründet, sind BLIND CHANNEL ganz schnell von einem Geheimtipp zu einer ganz guten Größe zwischen den jungen Wilden der neuen Generation Metal mutiert. Sie haben sich kontinuierlich hochgearbeitet. Neben dem Können, was sie definitiv besitzen, gehört auch immer ein Quäntchen Glück dazu. So kam es, dass sie 2021 dem europäischen Publikum durch die Teilnahme am Eurovision Song Contest bekannt wurden. Letztendlich haben sie den 6. Platz mit der Single “Dark Side” belegt. Man kann durchaus sagen: Europa ist bereit für diese Art der Musik.

“Dark Side” ist nun auch ein Teil des am 05.07.22 erscheinenden Albums. Auf diesem Album sind 11 Songs vertreten, die mehr oder weniger mit Krisen, dem Rock´n´Roll Lifestyle, falschen Freunden, Ruhm und den Schattenseiten desselben zu tun haben. Es scheint, als sei das Album rund um diese Single entstanden. Es ist in gewisser Weise eine Abrechnung mit alten Wegbegleitern und Kritikern, die der Band keine gute Prognose gegeben haben. So ist es kein Wunder, dass das Album recht düster daherkommt. Die Texte sind melancholisch und dazu passend ist der Mix aus Rap, Pop und Metal im musikalischen Bereich auch recht aggressiv. Allerdings muss man schon sagen, dass BLIND CHANNEL alles in allem ein wenig glatter und massenkompatibler wirken als im letzten Album. Es stellt sich hier die Frage, ob man sich mit der Zeit schon an den finnischen Sound, der durchaus seinesgleichen sucht und ein Alleinstellungsmerkmal ist, gewöhnt hat, oder ob es wirklich massenkompatibler ist. Im Endeffekt ist es auch egal, denn der Sound ist eingängig und wirkt auf den Hörer. Die Stimmung des Langspielers passt musikalisch und textlich sehr gut zusammen. In “Opinions” legen BLIND CHANNEL dar, wie versucht wurde, sich während des Lockdowns einzumischen, während “Dark Side” sich eher mit dunklen Gedanken und dem Leben am Abgrund beschäftigt. „Balboa“ beschreibt die Underdogs, als die sie sich selbst sehen, ganz gut. „Glory For The Greedy“ spielt mit den falschen Freunden und den Wegbegleitern, die nun etwas von dem Rum abhaben wollen. Ich denke, dieses Album muss man  definitiv als Gesamtkunstwerk sehen. Es ist absolut gelungen.

BLIND CHANNEL haben ganz unten angefangen und in leeren Locations gespielt, das Wacken Metal Battle gezockt und sind jetzt nach dem Eurovision Song Contest 2021 so weit, dass sie als Headliner auf großen Festivals laufen.  Dieses Album markiert einen Wendepunkt in der Karriere der Band und das ist ganz klar zu merken. Zu Recht können BLIND CHANNEL auf das bisher Geschaffte, den Werdegang und die Zukunft stolz sein und sich freuen. Mit diesem Album haben sie sich den ganzen Ballast von der Seele geschrieben und können befreit auf eine fantastische Zukunft blicken.

Punkte 9/10

Tracklist:

  1. Opinions
  2. Dark Side
  3. Don’t Fix Me
  4. Bad Idea
  5. Alive Or Only Burning
  6. Balboa
  7. National Heroes
  8. We Are No Saints
  9. Autopsy
  10. Glory For The Greedy
  11. Thank You For The Pain

 

BLIND CHANNEL sind:

Joel Hokka – vocals, guitar

Niko Moilanen – vocals

Joonas Porko – guitar

Olli Matela – bass

Tommi Lalli – drums

Aleksi Kaunisvesi – samples, percussion, DJ