Review: SCHILLER – “Epic”

Understatement pur: Epic! Gelten Werke der Formation SCHILLER nicht generell als episch? Was also muss passiert sein oder auf diesem Album verewigt sein, um das Ergebnis als „Epic“ zu betiteln? Fragen über Fragen…
Unsere Redaktion liebt SCHILLER: ruhig genug, um „am Tag danach“ unsere Aufarbeitung der Geschehnisse auf diversen Events zu begleiten und doch nicht so einschläfernd wie irgendeine New Age Fahrstuhlmusik. Dennoch ist es für wilde Rocker und straighte Tänzer ein schwieriges Unterfangen, sich voll auf Musik zu konzentrieren, die man am simpelsten mit dem Begriff Chill Out umschreiben könnte.
Doch der Reihe nach, wir fangen einfach mal ganz vorne an, uns diesem Werk zu nähern.

After Hour zur Prime Time auf der Main Stage

1998 eroberte ein neuer Sound die Discotheken: „Das Glockenspiel“ wirbelte jede Menge Staub auf. Ein stranger und geradezu unnatürlich ruhiger Trancesound, der trotzdem einen treibenden Beat hatte und zur Prime Time den Dancefloor zum brodeln brachte. Das Projekt SCHILLER, damals noch ein Duo bestehend aus CHRISTOPHER VON DEYLEN und MIRKO VON SCHLIEFFEN, schlug mit ihrer sehr eigenen Mischung aus Trance und Ambient, kombiniert mit deutschsprachigen Texten ein, wie die viel zitierte Bombe. Nichts und niemand konnte diesem Konglomerat entfliehen.
Schon 1999 erschien dann das erste Album, was konträr zum damaligen Standard der Dance Szene war. Produzenten von Dance Music veröffentlichten keine „echten“ Alben mit einem grundlegend künstlerischen Konzept. Wenn überhaupt gab es Compilations mit den aktuellen Hits der jeweiligen Projekte. Es war also schon damals klar, dass es ein Missverständnis war, das die hedonistische Tanzgemeinschaft das Projekt SCHILLER als eines aus ihren Reihen ansah.
Titel wie „Ruhe“, „Liebesschmerz“ und „Sonnenuntergang“ unterstrichen dies deutlich. Oft gab es sehr relaxte und sphärische Klänge (Insider, liebe Grüße an den Redaktionskollegen Marvin), zu denen bekannte deutsche SynchronsprecherInnen große Lyrik eingesprochen haben, unterlegt mit tanzbaren Beats.
Über die Jahre ist das Verhältnis zwischen SCHILLER, das seit 2004 nur noch von CHRISTOPHER VON DEYLEN betrieben wird, und der klassischen „Techno Disko“ merklich abgekühlt, was aber wohl weniger dem Projekt, als vielmehr der allgemeinen Entwicklung der Dance Szene geschuldet ist. SCHILLER wurde also quasi „erwachsen“ und etablierte sich als eigenständiges Ambient Pop Projekt. Weiterhin gab es epische (ja, da haben wir es wieder) elektronische Klänge serviert, garniert mit großen Künstlern der Epoche, die den Songs im Wortsinn eine Stimme gaben. Es waren einfach zu viele, um sie alle aufzuzählen, aber PETER HEPPNER, THOMAS D., ALEXANDER VELJANOV und sogar MIKE OLDFIELD waren unter anderem dabei.

„Epic“

Nun sind wir also im Jahr 24 der Bandgeschichte angekommen und der Begriff „Epic“ wird mit einer ganz neuen Bedeutung versehen. Das Intro „Willkommen“ bringt es auf den Punkt: „Herzlich willkommen in der neuen Welt von SCHILLER…“. Passender kann man es nicht bezeichnen.
Erstmals in der Bandgeschichte wurde die Musik nicht ausschließlich elektronisch komponiert und produziert. CHRISTOPHER hat die Songs als Soundtrack für imaginäre Filme/Szenen für Orchester komponiert und diese zusammen mit einem 40köpfigen Orchester in den Wiener Synchron Stage Studios aufgenommen. Arrangiert wurde das dann mit sphärischen Synthflächen und weichen Beats. Nicht ganz Klassik, nicht ganz Pop, kein klassischer Soundtrack und schon gar kein Dance’n’Disco Sound. Und irgendwie dann doch alles zusammen.
Wer schon mal in psychologischer Behandlung war oder diverse Entspannungstechniken praktiziert, der wird mit dem Begriff „Traumreise“ etwas anfangen können. Schiller liefert die ideale Musik dazu. Auf der Couch zurücklehnen, Musik an, Augen zu und mit den Füßen im Takt wackeln und auf geht die Reise ins Traumland, ihr werdet zu Regisseuren immer neuer Filme in eurem ganz eigenen Kopfkino.
Also eigentlich Musik für jedermann und dennoch ganz individuell.
„Epic“ ist wahrlich episch und in vielerlei Hinsicht bezaubernd. Und keinesfalls träge und ermüdend. Ganz im Gegenteil, Songs wie der absolute Anspieltipp „Midnight In Shiraz“ (seht hier das offizielle Video) haben sogar richtig Pep und werden sicher, mindestens in Form von Remixen, den Weg auf die Tanzböden der Republik(en) finden. Auch für die Singles „Free The Dragon“ und „White Nights“ liegen bereits Videos vor, nutzt sie gerne, um euch einen ersten Eindruck zu verschaffen. Die Bandbreite zwischen diesen 3 Tracks ist schon beachtlich und der Sound überwältigend.
Übrigens erscheint zusammen mit dem Album auch ein 200 seitiger Bildband von CHRISTOPHER VON DEYLEN mit beeindruckenden Aufnahmen über einen Zeitraum einer ganzen Dekade, welche vielleicht die passenden Bilder zum Soundtrack liefern könnten. Aber dies sei hier nur so am Rande erwähnt (Autor stellt den Zaunpfahl zurück ins Regal)…
Das Album enthält 69 Minuten Fantasie, aufgeteilt in 12 Titel inklusive Begrüßungsintro.

Fazit:

Wenn noch jemand einen Gegenbeweis zur These „elektronische Musik ist kalte und seelenlose Maschinenmusik“ brauchte, findet diesen in „Epic“. Ihr bekommt beim Erwerb dieses Albums also nicht nur schnöde 11 Songs, sondern einen 11 Filme Kopfkino-Marathon, dazu eine sehr herzliche Begrüßung am „Eingang“.
SCHILLERs „Epic“ ist wahrhaft episch geworden und Herr VON DEYLEN hat sich damit wohl ziemlich erfolgreich auf die Nachfolge großer Namen wie HANS ZIMMER und Co beworben.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

FAKTEN

Tracklist:

Cover SCHILLER “Epic”
  • Willkommen
  • Do You See The Light
  • The Endless
  • Midnight In Shiraz
  • She Never Saw The Ocean
  • Doppelgaenger
  • Beyond The Horizon
  • Dark Sun
  • White Nights
  • It Was Only A Dream
  • From Here To Eternity
  • Free The Dragon

Artist:                   SCHILLER
Release:                Epic
Label:                   Sony Masterworks
Release Date:       12.11.2021
Medien:               „Super Deluxe“ (2CD, BluRay, Artbook, Hardcover Schuber), „Deluxe“ (1CD, BluRay, DigiPac), 180g Doppelvinyl, digital (Download und Streaming)
Quellen:               überall, wo es Tonträger gibt und natürlich auf allen großen Download- und Streamingportalen
Bonus:                 Das Buch „Momente- Mit offenen Augen die Welt entdecken“ ist ab dem 12.11.2021 überall im Buchhandel zu erwerben.

Epische Liveerlebnisse

28. April 2022 Amsterdam, Melkweg
29. April 2022 Essen, Zeche Carl
30. April 2022 Münster, Skaters Palace
01. Mai 2022 Köln, Die Kantine
02. Mai 2022 Bremen, Tivoli
03. Mai 2022 Hannover, Musik Zentrum
04. Mai 2022 Stuttgart, Im Wizemann
05. Mai 2022 Leipzig, Täubchenthal
06. Mai 2022 Berlin, Metropol
07. Mai 2022 Hamburg, Mojo Club
08. Mai 2022 Dortmund, FZW
09. Mai 2022 Frankfurt, Gibson
10. Mai 2022 München, Technikum
11. Mai 2022 Wien, Ottakringer Brauerei
13. Mai 2022 Zürich, Moods

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