Review: BEYOND BORDER – First Contact

Sie sind gelandet und uns steht er bevor: der erste Kontakt!

BEYOND BORDER, ein aufstrebendes Electro Pop- Duo aus Hildesheim und Salzgitter, präsentiert uns mit der EP „First Contact“ ein erstes beeindruckendes Lebenszeichen auf CD.

Das Projekt, bestehend aus Michael „Deity“ Deiters (Szene- DJ, u.a.  im Hannoveraner „Base Underground“ ) und Kai Vincenz „Iggi“ Németh (u.a. IN GOOD FAITH) gibt es seit 2016. „Deity“ komponierte schon etwa ein Jahr lang Musik und suchte einen Sänger. Bei einem Konzert von In Good Faith war er der Meinung, ihn gefunden zu haben. „Ich kannte ihn ja gar nicht und sprach ihn nach dem Konzert einfach an“ erinnert sich „Deity“ und nach ein paar Präsentationen seiner Werke hatte er „Iggi“ überzeugt. Von nun an wollte man zusammen etwas Neues machen, losgelöst vom üblichen Schubladendenken elektronische Musik erschaffen, die Genregrenzen einreißt.
Beide sind „Kinder der 80er“, der eine eher von der rockigen, der andere von elektronischer Seite.
Beide wurden in den 90ern mitgerissen von dem neuen Sound, den Bands wie APOPTYGMA BERZERK, COVENANT, VNV NATION und Co kreierten , feierten zum Millennium auf Future Pop, SynthPop und Artverwandtem ab.
Lange lief das Projekt nur mit angezogener Handbremse „so nebenbei“, da beide ja voll berufstätig sind und „Iggi“ mit IN GOOD FAITH und MODEL KAOS auch sonst schon gut beschäftigt war. In Vorbereitung für ihren ersten Live-Auftritt im Vorprogramm für ROTERSAND hat niemand Geringeres als VASI VALLIS seine Finger an das bis dahin vorhandene Material gelegt und etwas Starthilfe gegeben.

Die scheint gelungen, denn nach einigen eigenhändigen Justierungen am Sound nimmt uns  BEYOND BORDER – „First Contact“ mit auf einen wilden Ritt durch Future Pop, Electro Pop, Synthpop, und Electrowave, quer durch die letzten zwei Jahrzehnte und das, ohne das Hier & Jetzt zu verlassen.
Es ist keine Kopie alter Hits, es ist auch kein wehleidiger Blick ins Gestern, es ist ein frischer und zeitgemäßer Electro-Sound, der sich all dessen bedient, was wir immer schon toll fanden und heute kaum mehr zu hören bekommen, oder wie „Deity“ es nennt „Present Progressive Pop“.
Und progressiv ist diese EP allemal, „First Contact“ packt einen sofort und zieht den geneigten Hörer direkt auf die Tanzfläche. Ja, das erste Lebenszeichen ist definitiv definitiv ein verdammt tanzbares.
Aber es zeigt auch schon, das man mehr vorhat, als die Leute zum Tanzen zu bringen. Es gibt neben all den eher positiv gestimmten Titeln auch einen traurigen, eher balladesque gehaltenen Track und tiefgehende und berührende Lyrics.

BEYOND BORDER – „First Contact“ ist ein beeindruckendes Coming Out eines höchst vielseitigen kreativen Teams, von dem man zukünftig hoffentlich noch viel hören wird.
Für die EP, die in einem Digipak mit wunderbar seidenmattem Finish daherkommt, hat man sich auch nicht lumpen lassen und Produzenten wie XAVIER MORALES (RUINED CONFLICT) und ROB DUST mit ins Boot geholt.
Die enthaltenen 5 Titel können inklusive 4 Remixen bereits als digitale Releases erworben und/ oder gestreamt werden, für den Silberling wurden aber noch einmal drei exklusiv nur hier enthaltene Remixes draufgelegt. Also schauen wir uns das Angebot doch mal genauer an:

BEYOND BORDER – „First Contact“

Eröffnet wird die CD mit dem Debüttitel „Enjoy Your Life“. Dieser verbreitet eine geradezu euphorische Stimmung, ist hoch melodisch mit bezaubernden Synthlines und fordert uns nicht nur zum Tanzen auf, sondern auch zum Nachdenken über unser Leben und was wir Gutes daraus machen können.  Die Synths zaubern eine leicht verträumte Atmosphäre , während die Beats einen förmlich dazu zwingen, tanzen zu gehen.

„Neurotic“ geht nicht weniger intensiv zur Sache. Währenddessen sinniert „Iggi“ über die seelischen Wirren, wenn man nicht einfach als derjenige, der man ist, straight ahead seinen Weg geht, sondern sich in etwas verwandelt, was man selbst überhaupt nicht mag, um anderen zu gefallen.

Bei „Stand“ ist der Name Programm: Beziehe Stellung, positioniere dich, auch gegen Dinge, die schon lange da sind, denn diese sind nicht zwangsläufig richtig! Dementsprechend kraftvoll schiebt der Track mit seinen 130 BpM vorwärts, nimmt sich während der Strophen etwas zurück, bis der Refrain wieder mit einer trancig- melodiösen Synth-Hook untermalt wird. Auffällig hier auch die etwas andere Herangehensweise im Songwriting, die diese Nummer deutlich von üblichem Electro Pop abgrenzt.

„Where Are You“ ist der wohl ergreifendste und persönlichste Titel des Albums. Mit der sehr ruhigen und dezenten Art wird der Hörer erst einmal zurückgeholt, bis der Track durch die Lyrics, in denen „Iggi“ den Tod seines Bruders zu verarbeiten versuchte und der Art, wie Iggi ihn durchlebt, eine geradezu dramatische Wirkung entfaltet. Dieser Titel sorgt für Gänsehaut und durch seine direkte Ehrlichkeit mit Sicherheit auch für das ein oder andere Tränchen bei einigen.

„Halo“ wiederum ist ein unheimlich vielschichtiger Titel und zurecht wird er nach „Where Are You“ präsentiert. Er spielt mit den Facetten dessen, was wir Leben nennen. Die Musik verheißt eine zuckersüße Fröhlichkeit, während die Lyrics es schaffen, diese Stimmung anzuzweifeln. Es ist ein Neubeginn, aber kein leichter….

Bei „Stand (DESASTROES RMX)“ gibt es eine etwas aufgelockertere Struktur und diverse additional Vocals. Tanzflächenfüller, der sich aber noch recht nah am Original bewegt und selbiges in Details aufwertet.

XAVIER MORALES gibt bei „Neurotic (RUINED CONFLICT RMX)“ alles: ein betörendes Intro, welches den Hörer in Sicherheit wiegt, bevor er mit einer Urgewalt losbricht und uns garantiert nicht ruhen lässt. Obwohl im gleichen temporalen Segment wie der Rest, hat man hier das Gefühl einer Verschärfung des Antriebs. Es ist ganz deutlich die Handschrift des Projektes RUINED CONFLICT erkennbar. Der sympathische Amerikaner stürmt mit einer Kraft in unsere Stuben, die ihres Gleichen sucht.

Die Mannen um TOM LESCZENSKI gehen mit „Stand“ im “SITD Remix” überraschend behutsam um und machen daraus fast schon einen uplifting Trance Track. Unerwartet, aber beileibe nicht schlecht. Wunderbare Synthflächen und Breaks bei gleichzeitig treibenden Beats, ohne dabei die Vocals zu verdrängen, Chapeau!

Der „Where Are You (Kontrast RMX)“ ist trotz des präsenteren Beatlaufes durch seine behutsame Instrumentalisierung noch mal ein sehr zurückgenommener Song. Er wirkt in sich schlüssig und emotional, ohne den Hörer dabei weinend zusammensacken zu lassen. Quasi der goldene Mittelweg zwischen trauriger Ballade und Tanzbodenschrubber.

HAGI GRIMM setzt bei „Enjoy Your Life (HZWEIG RMX)“ der Originalversion noch einen drauf. Ein deutlich aufgelockerter Synthlauf, Pianogeklimper und leichte Beatsprünge machen aus dem ohnehin schon optimistischen Song eine absolute Feiernummer, sorgt für richtig gute Laune!

Herr DUST beginnt mit fast schon mystisch-dunklen Klängen, bevor er bei „Halo (ROB DUST RMX)“ in Breakbeats übergeht und dem Sound einen leichten 80´s- Anstrich verpasst. Erinnert in Details etwas an das gute „Twin Peaks Theme“, dem die flockigen Refrains konträr entgegenstehen. Ein deutlicher Fingerzeig auf das Yin & Yang, das bei diesem Song immer präsent ist.

„Es ist Diskozeit. Warum? Weil alles nach Disco schreit“! Mit diesem Zitat von FETTES BROT lässt sich dieser Remix wohl am treffendsten beschreiben. „Stand (ADAMS SKY RMX)“ bietet eine herrlich blubbernde Bassline, eine 80er-Disco-Synthlinie und treibende Beats. Bester Electro Pop direkt für die Tanzflächen!

Fazit

Ein Release, welches wie geschaffen ist für die Szenediskotheken und es kommt genau zur rechten Zeit, unabhängig von der Lage, in der wir uns im Frühjahr 2020 befinden. Nachdem Melodien wieder mehr gefragt sind und auch auf den Dancefloors gerne genossen werden, ist dieser Electro Pop, tempomäßig oberhalb des klassischen Synth Pop angesiedelt, ein Garant für gute Laune. Die Musik wirkt leicht, verspielt und trancig, dabei aber nicht szenefremd, die Lyrics echt und ungekünstelt, und „Iggis“ Vocals geben dem Ganzen die emotionale Tiefe, die es braucht, um die schwarze Seele zu salben.
Die Remixes sind allesamt hochwertig und mit Bedacht ausgewählt, sodass man durchaus das Gefühl bekommt, ein vollwertiges Album zu hören. Das Layout des Digipaks ist schlicht, die Haptik wertig.

Bewertung: 9/10

Infos

Artist:                   BEYOND BORDER                                         

Release:               First Contact (EP)

Cat#:                    none

Label:                   none/ self released

Releasedate:        04.03.2020

 

Tracklist:
01           Enjoy Your Life
02           Neurotic
03           Stand
04           Where Are You
05           Halo
06           Stand (DESASTROES RMX)
07           Neurotic (RUINED CONFLICT RMX)
08           Stand ([:S:I:T:D:] RMX)
09           Where Are You (Kontrast RMX)
10           Enjoy Your Life (HZWEIG RMX)
11           Halo (ROB DUST RMX)
12           Stand (ADAMS SKY RMX)

Bezugsquellen: beyondborder.de
                         https://www.facebook.com/Beyond-Border

Aufgrund der aktuellen Lage im Moment können wir keine Live-Termine nennen, ABER:
Gemäß des Mottos „Stillstand = Rückschritt“ geht es Schlag auf Schlag weiter.
Noch vor Ostern legen die Jungs uns ein Ei in Form eines neuen Songs namens „Construction“ ins Nest, inklusive VASI VALLIS-Remix. Man darf also weiterhin gespannt bleiben.

Copyright für alle Grafiken bei Beyond Border, CD Artwork bei Alexander Fröbel (Pixelbreed)