Review: AMBERIAN DAWN’s new album is here – Look for the “ABBA-Metal”-Highlight!

(english version below)

Die finnische Symphonic Metal-Band AMBERIAN DAWN geht mit ihrem neuen Album den nächsten konsequenten Schritt hin zum “ABBA-Metal”. Angeblich gibt es einen alten Witz, der besagt, dass ABBA eigentlich eine Metal-Band hätte werden sollen, man ihnen aber nicht die richtigen Instrumente in die Hand gedrückt hat. Dank AMBERIAN DAWN bekommen wir mit “Looking For You” jetzt ein weiteres “Was wäre, wenn…”-Szenario aus dieser Phantasie zu hören.
Eine “Warnung” sei gleich vorab ausgesprochen: Die Gitarren rücken auf dem neuen Werk ziemlich in den Hintergrund, dominant ist hier mehr den je der Keyboardklang im Stile der 80er-Jahre. Immer wieder wurde AMBERIAN DAWN auch schon während der vorherigen Alben bescheinigt, ihrer Musik einen ziemlich “abbaesken” Anstrich zu geben. Das letzte Album “Darkness of Eternity” wurde gar im Studio von ABBA-Mitglied Benny Andersson und unter Zuhilfenahme von dessen altem Equipment aufgenommen, da war es jetzt nur konsequent, den Weg in diese Richtung fortzusetzen. Natürlich ist das alles andere als eine schlechte Referenz, ABBA bildet schließlich so etwas wie den kleinsten gemeinsamen Nenner nahezu aller Musikliebhaber. Aber bleibt da nicht letztendlich der Metal auf der Strecke? Wir werden sehen:

Das Keyboard regiert – Vom seichten Kalenderspruch zur tiefen Sozialkritik

Die Platte beginnt mit der ersten Single “United” und einem bemerkenswert komplexen Keyboard-Sound. “Über 20 verschiedene Vintage-Synthesizer wurden hierfür verwendet”, verrät die Band auf Youtube. Textlich wundert man sich – ebenso wie bei Lied Nummer 2 “Eternal fire burning” – allerdings etwas über die sehr simpel gehaltenen, ja plakativen Botschaften. “United we stand, divided we fall”, “Never give up on your goals or your dreams”, “You can do anything you wanna do”, diese Aussagen klingen allzu sehr nach Kalenderspruch, Glückskeks oder Anime-Intro und verfangen beim Hörer allenfalls, wenn er gerade auf dem Selbstfindungstrip ist und nach Motivation sucht.
Während der Strophen werden die Gitarren teilweise ganz ausgesetzt und kommen erst bei der Bridge wieder zum Vorschein. Zum Glück wird es danach vielschichtiger.

Mit “Looking for you” kommen wir nicht nur zum Titelsong des Albums, sondern auch zu Single Nr. 2, die auch mit einem Video veröffentlicht worden war. Nach den Animationsbotschaften des ersten Teils werden wir nun inhaltlich mit jemandem konfrontiert, der etwas Aufheiterung tatsächlich vertragen könnte. Der Song ist nämlich eher traurig gehalten, es wird das Vermissen einer anderen Person thematisiert, wieder untermalt mit 80er-Keyboard, dessen Rhythmus entfernt an AMBERIAN DAWNs Überhit von 2014 “Magic Forest” erinnert. Ans Eingemachte geht es dann ab Song 4, hier kommt dann das erste Mal auch echte Gesellschaftskritik aufs Tapet. Die leidige Notwendigkeit, im Alltag praktisch pausenlos Masken zu tragen und seine wahren Gefühle zu verbergen, um nicht angreifbar und verletzlich zu erscheinen, wird angeprangert. Die Botschaft ist klar: “It’s not okay!”. Diesen eindringlichen Appell sollte die Gesellschaft wirklich ernstnehmen, denn die Unehrlichkeit und der Schein regieren allenthalben und wer es wagt, öffentlich emotional zu werden, wird entweder gnadenlos niedergemacht oder in ein RTL-Trash-Format gesteckt.

Das Phantom der Oper ist wieder da – Die Sinfonie wird fortgesetzt

Huch! Was kommt denn jetzt? Orchester? Ach ja, AMBERIAN DAWN war ja eine Symphonic Metal-Band. Fast hätten wir es vergessen. Aber mit “Symphony Nr. 1 Part 3 Awakening” bekommen wir die geballte Ladung Klassik wie eine Kanonenkugel ins Gesicht. Ein wunderbares Duett von Sängerin Capri Virkkunen mit Fabio Lione (RHAPSODY (OF FIRE)) entfaltet seinen Zauber. Wechselseitiger Gesang im Dialog in bester Tradition des “Phantoms der Oper” mit eigenwilligen Rhythmen mit viel Text wie für Opernaufführungen typisch, ziehen uns unweigerlich in ihren Bann.

Das Besondere an dem Song: Er ist ein albenübergreifendes, zusammenhängendes Werk. Teil 1 “The Witchcraft” fand sich auf dem Album “Innuendo” und erzählte von der Verfolgung einer jungen Hexe, Teil 2 “Darkness of Eternity” war Teil des gleichnamigen Albums von 2017 und handelte von der Schwelle zwischen Tod, Leben oder dem Dasein als Untote und in dem nun folgenden Teil 3 werden gegebene Versprechen und deren Bruch bzw. die daraus folgende Enttäuschung und die Fragilität von Vertrauen behandelt.
Und damit nicht genug: Wir haben hier eine der seltenen Gelegenheiten, Capris Stimme wieder mit einer klassischen Einfärbung genießen zu dürfen. Dies war zuletzt auf der Vorgängerplatte z.B. bei “I’m The One” angeklungen, hier bekommen wir die Delikatesse in Reinform. Große Klasse! Eine wirkungsvolle Geste in Richtung derjenigen, die mit ihrer Kritik an der überragenden Vokalistin nicht gespart hatten und die leidigen Vergleiche mit der Vorgängerin Heidi Parviainen immer wieder zur Sprache bringen wollten. Capri vereint die Fähigkeiten für klassischen UND rockigen Gesang in sich und das ist ein großes Geschenk, das wir einfach annehmen sollten.

Ein Wechselbad der Gefühle – Freude, Leichtigkeit der Freiheit und das tiefe Tal der Trauer

Bei dem schnellen Song “Go for a ride” bleibt die wahre Intention eher unklar. Die energischen Aufforderungen, loszulaufen und am Ende Sieger zu bleiben, die Ermahnung, dass man der Erste im Rennen des Lebens sein muss, um entlohnt zu werden und das ABBA-Zitat “The winner takes it all” können einerseits in die gleiche Motivationskerbe schlagen wie am Beginn des Albums, andererseits aber auch ironisch überspitzt als Kritik an der heutigen Leistungsgesellschaft verstanden werden. Nehmen wir einfach mal Letzteres an. Ohrwurmpotenzial hat der Chorus auf alle Fälle. Die nachfolgenden beiden Lieder “Butterfly” und “Universe” bilden ein Gegensatzpaar. Während der erste Song mit einer herrlichen Leichtigkeit – sowohl musikalisch als auch textlich – überzeugt, führt “Universe” unweigerlich zu einem dicken Kloß im Hals. “Butterfly” ist wie ein lauer Sommerwind und nimmt uns mit auf eine Reise mit einem Schmetterling, der seiner Sehnsucht nach Freiheit folgend, ein kurzes aber wunderbar erfülltes Leben ohne Verantwortung führen darf. Der Song “Universe” dagegen wird eingerahmt von einem gehauchten, hallenden Intro und Outro, sanft auf unsere Ohren getupft von Capris zitternder Stimme, getränkt von Melancholie. Der Protagonist lauscht am Anfang des Liedes noch verzweifelt dem schwach schlagenden Herzen der sterbenden Geliebten und blickt mit ihr in die Weite des Universums, nur um am Ende das Verstummen dieses Herzens zu bezeugen und zu erkennen, dass die Tote sein ganzes Universum ist. Eine wunderschöne und musikalisch meisterhaft umgesetzte Geschichte und sicherlich ein Juwel dieses Albums.

Endlich! AMBERIAN DAWN erhören unser jahrelanges Flehen: Ein ABBA-Cover!

Sängerin Capri wirkte bereits vor etlichen Jahren in einer finnischen Version eines ABBA-Musicals mit und porträtierte dort Anni-Frid Lyngstad. Die Faszination von Mastermind Tuomas Seppälä für die schwedischen Superstars ist auch hinlänglich bekannt. Schon während der letzten Alben wurde der Wunsch der Fans nach einem ABBA-Cover immer lauter und nun ist es also endlich soweit. Die Band suchte sich aus deren unzähligen Hits den Song “Lay All Your Love On Me” heraus. Die Idee, diesen Song in ein Metalgewand zu kleiden, ist nicht unbedingt neu, es gibt bereits grandiose Umsetzungen, beispielsweise von AVANTASIA und HELLOWEEN, dort allerdings naturgemäß sehr gitarrenlastig. AMBERIAN DAWNs Version ist näher am Original, mit dem Fokus auf Keyboardbegleitung mit Orgeleinfärbung. Der Song entwickelt hier seinen ganzen Bombast und die gewünschte Kirchen-Assoziation und man kann dieses Cover nur als rundum gelungen bezeichnen. Der Ruf nach einem kompletten ABBA-Cover-Album durch AMBERIAN DAWN wird jetzt sicherlich noch lauter erschallen.

Mit einem kurzen Keyboardinstrumental in Flötenakustik namens “Au revoir” entlassen uns AMBERIAN DAWN nun fast in die Nacht, doch ein Blümchen muss dringend noch gepflückt werden: Die Re-Mastered-Version von “Cherish My Memory”, die im Herbst 2018 auf Youtube vorgestellt worden war, findet hier nun seinen verdienten Platz auf einem Tonträger. Die aufgepeppte und um ein paar Orchester- und Keyboard-Elemente erweiterte Version des Songs von 2014 bildet einen schönen Schlusspunkt.

Fazit

Die anfänglichen Schwächen im Songwriting in Gestalt von allzu gängigen Plattitüden werden auf “Looking For You” im Verlauf der Platte mehr als ausgebügelt. Die große Stärke von AMBERIAN DAWN, dem so vielseitigen Instrument Keyboard einen dominanten Platz einzuräumen, wird weiter ausgebaut und Capri kann ebenfalls glänzen und ihre verschiedenen Stimmfarben präsentieren. Das symphonische Duett in der Mitte ist ein großer Pluspunkt und das tolle Cover von “Lay All Your Love On Me” führt den Weg der ABBA-Verehrung durch die Band weiter fort. Wer bereit ist, die Verbannung von typischen Metal-Elementen in den Hintergrund zu verzeihen, Keyboards liebt und zudem noch ABBA-Fan ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Das “looking for” das neue Album hat auch ein Ende, ab morgen könnt ihr das vielseitige Werk erwerben, zum Beispiel bei Napalm Records Hier klicken

Bewertung: 7/10

AMBERIAN DAWN “Looking For You” erscheint am 31.01.2020 via Napalm Recoords

Gesang: Päivi “Capri” Virkkunen
Keyboard: Tuomas Seppälä
Gitarre: Emil Pohjalainen
Bass: Jukka Hoffren
Schlagzeug: Joonas Pykälä-aho

(english version)

AMBERIAN DAWN’s new album is here. Look for the “ABBA-Metal”-Highlight!

The Symphonic Metal group AMBERIAN DAWN from Finland is reaching the next level on their way to become world’s greatest “ABBA metal” band. There is an old joke allegedly, about ABBA was meant to be a metal band but didn’t get the right instruments. With “Looking For You” we can now hold the next part of this fantasy in our hands. We want you to be aware: Guitars have moved to the background on this album and keyboard is dominating even more than before, bringing back to us the sound of the eigthies. AMBERIAN DAWN has been called sounding a lot like ABBA at the previous albums. The last one “Darkness of Eternity” even got recorded at the studio of the ABBA-member Benny Andersson and with the assistance of his old intrument stuff, so it was quite obvious to take the next step following this way. Of course this isn’t a bad reference, because listening to ABBA seems to be the lowest common denominator within the whole music scene. But that means to leave behind the metal sound, doesn’t it? Let’s have a look:

Keyboard is reigning – From lightweighted calendar mottos to deep social ctiticism

The album starts with the first single “United”, lead by remarkable complex keyboard sounds. “[…] over 20 different vintage synthesizers were used to achieve that […]”, the band tells us at youtube.
First of all we get surprised – by track No. 2 “Eternal Fire Burning” also – because of the very simple messages. “United we stand, divided we fall”, “Never give up on your goals or your dreams”, “You can do anything you wanna do” : All these statements sound like calendar mottos, fortune cookies or anime theme stuff and speak to people who need motivation on their self discovery trip at best. During the verses the guitars often pause and continue playing at the bridge. Fortunately the album becomes more multy-layered afterwards.

We now reach not only the title track but the second single “Looking For You”, which came along with a music video, too. After we were confronted with motivating messages in the first part we learn to know somebody who really needs to be cheered up now. The song is kind of sad thematised, the lyrics deal with the feeling of missing somebody and again we hear nostalgic keyboard sounds whose rhythm reminds us of the past AMBERIAN DAWN-hit “Magic Forest” of 2014. We move forward to track No. 4 and recognize social criticism for the first time on this album. The necessarity to wear a “mask” in public to hide inner feelings and to prevent oneself from being vulnerable gets criticised here. The message is clear: “It’s not okay!” Society should take that plea very serious, because otherwise dishonesty and semblance will reign furthermore and who dares to show emotions in public will probably get attacked or sent to a trash tv show.

Phantom of the opera returns – The symphony continues

What the hell is going on? An orchestra? Sure, AMBERIAN DAWN used to be a symphonic metal band! We nearly forgot about that. However, we get shot with a kind of “canon ball” of classic music now while listening to “Symphony No. 1 part 3 Awakening”. A marvellous duet sung by Capri Virkkunen and RHAPSODY (OF FIRE)-vocalist Fabio Lione reveals its magic. Mutual vocals as a dialouge between the two singers remind us at “Phantom of the Opera” and come along with typical opera rhythms and densely packed lyrics. What is special in this song? It’s a coherent song ranging from several albums. Part one called “The Witchcraft” is included in the album “Innuendo” and deals with the story of a young witch getting persecuted while part two, known as “Darkness of Eternity” is part of the eponymous album of 2017 and is about standing at death’s door. And now we get the sequel in part 3 dealing with promises and breaking them plus disappointment and fragility of faith. Not to mention we get the rare opportunity to enjoy Capri singing in an opera style here, what we got at the previous album only rudimentally (remember the song “I’m the one”?). Great work! A pain in the ass for all the haters who didn’t stop critisizing Capri’s voice and comparing it to Heidi Parviainen’s. Capri is able to sing with a rock style voice AND in the classical way and we should highly appreciate this!

An emotional rollercoaster – Joy, Lightness of freedom and the deep valley of grief

The very fast song “Go fo a ride”‘s intention stays obscure. The energetic plea to start running and to gain the victory, the reminder that “you need to be the first to see the checkered flag” and the ABBA quote “the winner takes it all” could be meant to be supportive for the people suffering from lack of motivation again. But maybe these lyrics are just ironical and should deplore the meritocrazy of today. Let’s just assume the latter, it’s a very catchy song anyway. The next two songs called “Butterfly” and “Universe” are a contrastive pair. While the first one carries a wonderful lightness (both lyrics and sound), “Universe” leaves us with a lump in one’s throat. “Butterfly” is like a mild summer wind and takes us on a ride with a butterfly which enjoys its short but fulfilled life while following the path of personal freedom, unburdened with responsibilities. The song “Universe” in contrast is framed by a whispered, echoing intro and outro gently sung by Capri’s trembling voice, soaked with melancholia. At the beginning of the song the lyrical I is listening to the barely beating heart of a loved one desperately and gazing into distance of the universe. But at the end he has to witness the heart has stopped beating and realizes, that the presence of the just passed one had been the universe to him. That’s a heartbreaking and wonderful written story and you could name that a masterpiece of the album for sure.

Finally AMBERIAN DAWN answer our prayer and present an cover of ABBA!

Singer Capri had attended a finnish version of an ABBA musical years ago, representing Anni-Frid Lyngstad and we already know about Tuomas Seppälä being a huge fan of the swedish “super troopers”. The fans kept asking for an ABBA cover for years and now it has really happened! The band chose “Lay All Your Love On Me” from a bunch of ABBA hits. It’s not a new idea to change that song into a metal version – bands like HELLOWEEN and AVANTASIA did that before but in a guitar dominated way, of course. AMBERIAN DAWNs version is close to the original one focusing on keyboard/organ sounds. The song carries all the pathos and church association you could ask for and you can’t help calling that cover song really priceless. The fans will continue calling for a whole album with ABBA covers now!

With a short solemn key instrumental with flute sounds included, this AMBERIAN DAWN album is coming to an end but there is one last thing left: In fall 2018 a new re-mastered version of 2014’s song “Cherish My Memory” got presented on youtube and this version is now taking a well deserved place on a CD. Compared with the original version it got extended with orchestral and keyboard parts and that’s the very satisfieing end of “Looking for you”. But guess what: You can stop “looking for” this album, because it’s almost here! You can purchase it from tomorrow on for example at the Napalm Records store: click here!

Conclusion

There are some frailties in songwrinting at the beginning of the album which get totally offsetted by the other parts of the album. ABERIAN DAWN’s well-known feature to offer dominant keyboard sounds is even growing with that album and Capri is shining bright with different styles of singing. The symphonical duet in the middle part is a great bonus and the stunning cover of “Lay All Your Love On Me” continues the way of AMBERIAN DAWN to give continuous tribute to ABBA. Who is willing to accept the kind of absence of dominating metal elements and loves keyboard and ABBA gets one’s money worth!

Rating: 7/10

AMBERIAN DAWN “Looking For You” is going to be released at january the 31st via Napalm Records

Vocals: Päivi “Capri” Virkkunen
Keyboard: Tuomas Seppälä
Guitar: Emil Pohjalainen
Bass: Jukka Hoffren
Drums: Joonas Pykälä-aho