Die Technik hält heute niemanden auf – RABIA SORDA in Hannover

Es gibt unzählige Wege, um in den ersten Advent zu feiern. Eine Möglichkeit ist es, nicht direkt der erste Türchen des Adventskalenders zu öffnen, sondern die zur Subkultur in Hannover. RABIA SORDA lädt zum Tanz und hat gleich drei weitere Bands mit dabei. EGGVN, REICHSFEIND und die Lokalmatadoren SYSTEM NOIRE heizen dem Publikum von Anfang an ordentlich ein, auch wenn heute fast jede Band mit der Technik auf Kriegsfuß steht.

EGGVN

Den Anfang macht EGGVN, welche besonders durch ihren Outfits hervorstechen. Beide Musiker aus Mexiko City tragen Widderschädel auf dem Kopf, welche direkt alle Blicke und Handykameras auf sich ziehen. Dies führt leider auch zu leichten Schwierigkeiten, denn auf der Bühne ist nicht viel Platz und überall liegen Kabel. Durch die beschränkte Sichtweite kommen dadurch beide zwischendurch leicht ins Stolpern, was sie aber nicht von einer guten Show abhält. Das Duo aus Gesang und einer stark verzerrten Gitarre macht das Publikum immer wärmer, sodass dies immer mehr zu tanzen beginnt. Nach 30 Minuten verlassen die Musiker die Bühne und schon jetzt sind die ersten “Zugabe”-Rufe zu hören.

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Fotos: Cynthia Theisinger

REICHSFEIND

Nach einem Umbau in Rekordzeit steht REICHSFEIND auf der Bühne. Das Solo-Projekt von Timo Revna hat als Unterstützung Tom Schubert dabei, damit sich dieser nur auf das Singen konzentrieren kann. Vor der Bühne wird es derweil immer voller, was sich auch auf die Stimmung auswirkt. Es wird immer mehr getanzt zu den Musik, die aus den Boxen schallt. Ansagen gibt es wenige, dafür mehr Musik, besonders aus dem vor kurzem erschienene Album “Chasm Walk”.

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Fotos: Cynthia Theisinger

SYSTEM NOIRE

Bei SYSTEM NOIRE übernehmen zunächst technische Probleme die Oberhand. Die Sound ist nicht richtig abgemischt und die Monitor-Boxen funktionieren scheinbar nicht, wodurch die Band während des ersten Songs abbrechen muss. Auch beim zweiten Versuch klappt noch nicht alles, wodurch die Band erneut abbricht und etwas Unruhe im Raum entsteht. Beim nächsten Versuch klappt jedoch alles reibungslos und das Publikum beginnt sich rhythmisch zu bewegen, während Sänger Björn über die Bühne springt. “Hannover, seit ihr schon müde?” fragt er uns, worauf eine einzelne Stimme aus dem Publikum mit “Ja” antwortet. Es ist immerhin schon kurz vor 11 Uhr, von Müdigkeit ist jedoch nichts zu sehen. Besonders nicht beim Song “Dead Inside”, wo das Publikum Lautstark “Inside” zurück zur Bühne ruft. Mit den Worten “Der letzte Song ist der Song, mit dem vor 4 Jahren alles begonnen hat” stimmt Björn den letzten Song “On The Other Side” an, bei welchem Keyboarder Daniel sich von seinem Instrument weg bewegt und gemeinsam mit Björn singt.

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Fotos: Cynthia Theisinger

RABIA SORDA

Von Frontmann Erk Aicrag ist noch nicht viel zu sehen, als RABIA SORDA um kurz nach Mitternacht die Bühne betreten. Schlagzeuger Maxx und Gitarrist Marcus heizen dem Publikum zunächst mit einem gemeinsamen Schlagzeug Intro hinter einer dunklen Nebelwand ein. Dann springt der quirlige Mexikaner auf die Bühne und es gibt kein Halten mehr. Wo alle Bands zuvor doch eher auf der Stelle musizierten, ist es hier komplett anders. Erk nimmt die Bühne komplett für sich ein und auch Marcus steht nicht still. Es vergehen keine fünf Minuten des Konzerts, wo Erk nicht direkt am Publikum ist und mindestens einen Fan umarmt. DIe Fannähe ist hier deutlich zu sehen und zu fühlen. Dies spiegelt sich auch auf den ganzen Raum wieder. Es herrscht eine Energie, die wir so zuvor noch nichts gesehen haben. Kaum einer steht fest an seinem Platz, egal ob gerade ein neuer Song vom letzten Album “The World Ends Today” oder ein Klassiker gespielt wird.

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Fotos: Cynthia Theisinger

Grade als die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht passiert aber das, was man keinem Wünscht: Der Strom der Bühne fällt aus. Maxx und Marcus fügen schnell ein Drum Solo ein, das dritte diesen Abend, und überbrücken so die ersten Minuten, während eifrig nach einer Lösung gesucht wird. Maxx wird dabei immer schneller und und zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich, wodurch die Stimmung keinen Abbruch erleidet. Dennoch verlassen die Musiker noch kurz die Bühne, wodurch alle einen kurzen Moment verschnaufen können. Kurz darauf funktioniert die Technik wieder und es geht in die nächste Runde. Inzwischen ist es kurz nach 1 Uhr, aber müde ist hier noch keiner. Dennoch heißt es kurze Zeit später und nach nur einem Song Zugabe Abschied nehmen und RABIA SORDA verlässt unter tosendem Applaus die Bühne. In fliegendem Wechsel startete daraufhin die New Dark Wave Aftershowparty mit DJ Björn, dem Haus DJ und SYSTEM NOIRE Sänger, um den Anwesenden noch die letzte Energie der Besucher einzufordern.

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Fotos: Cynthia Theisinger