Review: HÄMATOM – „Lang lebe der Hass“, denn die Liebe ist schließlich tot

Nicht mal ein Jahr nach dem Release ihrer letzten Platte melden sich HÄMATOM schon wieder mit einem neuen Album zurück. Das mittlerweile 8. Studioalbum haben die vier „Lang Lebe Der Hass“ getauft. Doch was genau stellt dieses Werk dar? Ist es eine logische Fortsetzung, ein musikalischer Gegenpart; oder eine harmonische Symbiose des letzten Albums? Finden wir es heraus! Aber eins steht auf jeden Fall fest, „Die Liebe Ist Tot“ – „Lang Lebe Der Hass“.

Den Anfang macht „Es Regnet Bier“, ein Song der im Rahmen des Metal Fight Clubs (HÄMATOM vs. SALTATIO MORTIS) entstanden ist. Die Aufgabe war: Wer schreibt innerhalb von 48 Stunden eine bessere Festival-Hymne? Bei diesem Song versuchen HÄMATOM, auf den Erfolgszug von ELECTRIC CALLBOYs „Hypa Hypa“ aufzuspringen, was direkt an der Melodie und an den „Dab-da-da-da“-Passagen erkennbar ist. Das Ganze mit einfachen und leicht einprägsamen Lyrics schmücken, die sich mit dem Thema Bier beschäftigen und schon ist das Ding im Kasten. Dieses Lied funktioniert sowohl im Metal- als auch im Ballermann/Schlager-Gewand, denn es wurde von PETER WACKEL gecovert und bereits auf die Ballermann-Besucher losgelassen. Wer von zwei Versionen dieses Songs noch nicht genug hat, findet auf diesem Album noch die englische Variante „It’s Raining Beer“, die zusammen mit SALTATIO MORTIS und ihren Dudelsäcken aufgenommen wurde. „Es Regnet Bier“ ist, wie die Erfahrung gezeigt hat, ein Allrounder und funktioniert innerhalb mehrerer Musik Genres. Den Song findet man in einer Metal-Playlist zwischen METALLICA oder RAMMSTEIN, aber auch zwischen Schlager-Hits, wie „Layla“ oder „Olivia“, was ein paar Camper auf dem diesjährigen Summer Breeze Open Air mitten in der Nacht bewiesen haben.

„Gott sein Dank, ich bin total geisteskrank!“ – das Motto von dem nächsten Track „GAGA“. Ein Song für alle, die gerne aus der Reihe tanzen, bekloppt sind und nicht „normal“ sein möchten. Besonders auffällig sind in diesem Song sind die Synth-Sounds, die direkt aus den 80er kommen.

Mit „Lang Lebe Der Hass“ reflektieren HÄMATOM unsere Gesellschaft, die sogenannte „hate generation“. Dieser Song ist vor allem an die Hater gerichtet, die der Meinung sind, HÄMATOM sollen sich mit ihrer Musik nicht in die Politik einmischen und auch an den ganzen braunen Mob, der mit der linken Einstellung der Band nicht klarkommt. Zu diesem Thema hat sich OST auch schon in einem Interview  geäußert, und seine Aussage könnte nicht passender sein: „Was bildet sich ein Hurensohn ein, mir zu erzählen was ich zu tun habe? Das werd‘ schon ich entscheiden dürfen und meine Bandkollegen mit was für Sachen und mit was wir uns beschäftigen. Im Endeffekt ist es alles am Ende Politik, es ist alles gesellschaftlich, selbst Partysongs haben eine gesellschaftliche Relevanz. Und diesen Leuten rate ich einfach sich eine andere Band zu suchen.“

Mit „Keinen Bock Auf Menschen“ wird sich jeder identifizieren können. Wer wollte sich nicht schon mal einfach von dem ganzen Gedränge und Stress zurückziehen, alles stehenlassen, sich an einen ruhigen Ort verkriechen, wo keine Menschenseele ist und nur die eine Person, die man gerne um sich hat, mitnehmen. In diesem Song wurde Autotune verwenden, was hier aber gut funktioniert und mit NORDs Stimme harmoniert.

„Strassenbande 666“ ist ein typischer HÄMATOM Song. Der Gitarrenriff erinnert sehr stark an „My Sharona“ von THE KNACK. Dadurch war die erste Wahrnehmung von diesem Song etwas verzerrt und eher verwirrend. In den Lyrics packen HÄMATOM Metal-Klischees aus, huldigen dem Metal und die Lebensweise der Metalheads. Live wird der Song gut funktionieren.

„Nobody’s perfect außer ICH“ – so bringt der nächste Titel den puren Egoismus in der heutigen Gesellschaft zum Vorschein. Der Protagonist wird hier als jemand dargestellt, um den sich die Welt dreht – und zwar ausschließlich nur um ihn. Nur Ich und Ich und Ich sind wichtig, sonst niemand. Ein Song an die Instagram-Models, die der Meinung sind, dass sie perfekt und etwas Besseres sind. Die Gesangsweise von NORD harmoniert hier perfekt mit dem Gitarrenriff. Allgemein ist das Lied eine überraschende Entdeckung auf diesem Album.

„SOS“ – thematisch und lyrisch der stärkste Song auf dem Album. Mobbing ist heutzutage leider immer noch ein sehr häufig vorkommendes Problem in unserer Gesellschaft. Mit „SOS“ können HÄMATOM hoffentlich vielen Menschen, die unter Mobbing leiden, die Kraft geben Gegenwehr zu zeigen. Die Zeile: „…und geb‘ niemals auf, wie die Ukraine“ zeigt deutlich, dass man nie aufgeben sollte, auch wenn „der Feind“ in Überzahl ist. Ein sehr wichtiger Song in der HÄMATOM Geschichte.

„Ein Freund“ – ein Song aus der eher schwächeren Sorte. Es geht um die wahre Freundschaft, einen Freund oder Freundin, mit dem/r man alles erleben kann. Sowohl in guten wie in schlechten Zeiten, steht so eine Freundschaft alles durch.

„Räche Sich Wer Kann“ erinnert von der Thematik ganz stark an „Jeder Gegen Jeden“ aus dem letzten Album. Männer und der typische Schwanzvergleich, nur mit Waffen und Fäusten. Wer hat den Größten, wer hat mehr Macht und wer ist gierig nach mehr. Mit ROBSE DAHN (ex-EQULIBRIUM) als Gastsänger wird der Song zu einem Duell zwischen Männern mit tiefen und harten Stimmen.

Zum Abschluss gibt es noch „Olympia“ um die Ohren. Ein epischer Song mit harten Gitarrenriffs. „The winner takes it all“ – eine der Zeilen aus diesem Werk, die das Lied passend beschreibt. Doch der Weg zum Siegesthron ist nicht einfach: Um dort anzukommen, sind einige bereit, auch über Leichen zu gehen, somit ist hier jedes Mittel recht. Denn jeder wollte sich schon mal wie ein Held fühlen.

Fazit
Es ist ein gutes Album, zwar kein Meisterwerk, wird aber die Fans der ersten und letzten Stunde nicht enttäuschen. Einige Songs bleiben lange im Ohr, die anderen gehen an einem eher vorbei. Außerdem hatte man beim Anhören leider keinen „WOW-Effekt“. Das Album ist sehr reich an Synth-Sounds und harten Gitarrenriffs, was eine gute und funktionierende Mischung im Zusammenhang mit NORDs Gesang darstellt. „Lang Lebe Der Hass“ ergänzt das letzte Album „Die Liebe ist tot“, kommt an dieses aber nicht so ganz ran.

 

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Tracklist:

1. Es Regnet Bier
2. GAGA
3. Lang Lebe Der Hass
4. Keinen Bock Auf Menschen
5. Strassenbande 666
6. Nobody’s Perfect
7. SOS
8. Ein Freund
9. Räche Sich Wer Kann
10. Olympia
11. It’s Raining Beer

 

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