Review: KORPIKLAANI – Jylhä

Es geht wieder aufwärts auf dieser Welt, in den Untiefen der dunklen Jahreszeit kommen nun die Finnen von KORPIKLAANI mit ihrem neuen Album „Jylhä“ daher und wollen die Gemüter erhellen. Man darf sicherlich wieder die Trademarks der Band erwarten, fröhlicher Folk, Metal, Humpaa und Trinklieder. Halt Moment, da wir im letztem Jahr eh schon alle zu Alkoholikern geworden sind hat sich die Band diesmal wieder auf ihre Wurzeln besonnen und es gibt tatsächlich keinen Song mit den Namen „Beer,Beer“, „Vodka“ oder „Tequilla“. Dafür gibt 60 Minuten lebensbejahenden finnischen Folk Metal mit einer deutlich stärkeren Metaleinschlag, nachdem der Vorgänger etwas langatmig war und recht schwach bewertet wurde, sprüht das aktuelle 11. Album wieder vor Stärke und Kreativität.

 

Die Band hat sich bei der Auswahl und Produktion nach eigenen Aussagen wieder deutlich mehr Zeit genommen und deutlich mehr in die Tiefe der Songs investiert. Dies spürt man bereits beim Opener „Verikoira“ der sorgt erstmal für einen gekonnten Tritt in den faulen Hintern, Hummpaaaaaaa. Nachdem der Hörer wach ist, folgt mit „Niemi“ gleich der nächste schnelle riffige Folksong und lässt die Hörner kreisen. „Leväluhta“ verwirrt anfangs etwas durch die leichten Polkaeinschläge, entwickelt sich aber schnell zum schnellen Folkbrecher und ist schon der zweite Hit auf diesem Album. Etwas dunkler und tiefschichtiger geht es dann mit „Mylly“ und „Tuuleton“ weiter, die Songs sind aber nicht als füllendes Beiwerk zu betrachten sondern entpuppen sich als perfekte Abwechslung im Gesamtkonzept.

Über den recht poppigen Ausfall bei „Sanaton Maa“ kann man danach aber ganz gut hinwegsehen, es ist halt Folk, aber auch gelungen und eher als Mitsinghymne zu verstehen. Das direkte Gegenspiel folgt dann direkt mit dem Metalhammer „Kiuru“, der schon recht brachial anmutende Song lässt die Trolle in Finnland freudig tanzen. Nach neun Songs hören heutzutage bereits viele Alben auf, KORPIKLAANI legt nun nach dem noch ruhigeren „Miero“ aber noch zum Abspann nach. Der nächste Tritt erfolgt mit „Pohja“, die Finnen feuern hier eine gewaltige Runde Folkspeedmetal in den Pit und sorgen für fliegende Haartrachten. Der nächste Hit folgt sogleich, der etwas seemännisch angehauchte Song „Huolettomat“ legt hier noch einmal gewaltig nach, schnell, folkig und mit deftig Tiefgang unter dem Kiel überzeugt der Song komplett. „Pidot“ überrascht dann doch etwas mit dem leichten Folkmix aus Western und Irish Folk, sorgt aber mit seinem flotten Refrain für so manche Überraschung. Das Ende des Albums beginnt mit schweren Riffs „Juuret“ und einem ruhigeren Part, entwickelt sich zum Ende aber zu einem sauberen Abgesang.

 

KORPIKLAANI bleiben bei auf dem Album „Jylhä“ ganz klar bei ihren alten Wurzeln und erfinden sich nicht komplett neu, dennoch wirkt das Album im Ganzen sehr durchdacht, vielschichtig und sehr abwechslungsreich. Der Hörer wird viele neue Nuancen der Finnen kennenlernen und wenig Material nur als Beiwerk wahrnehmen, ebenso ist die Hitdichte extrem hoch, hier werden etliche Fans neue Liebling Songs finden.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

Jylhä erscheint am 05.02.2021 über Nuclear Blast.

Tracklist:
01. Verikoira
02. Niemi
03. Leväluhta 
04. Mylly 
05. Tuuleton 
06. Sanaton maa 
07. Kiuru 
08. Miero 
09. Pohja 
10. Huolettomat 
11. Anolan aukeat 
12. Pidot 
13. Juuret