Review: THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA – AEROMANTIC II – der Nachtflug geht in die zweite Runde!

Aller guten Dinge sind mindestens zwei! So auch bei den Schweden von THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA, die knappe anderthalb Jahre nach dem erfolgreichen letzten Album heuer den neuen Output „Aeromatic II“ an den Start bringen. Als die „Aeromantic Experience Tour“ im Frühjahr 2020 gerade an Fahrt aufgenommen hat, wurde sie jäh durch das aufsteigende Infektionsgeschehen von Covid-19 gebremst.

Auch wenn der Tourflieger auf Grund der Pandemie seitdem im Hangar verweilt, waren die Crew rund um Captain Björn „Speed“ Strip nicht untätig und haben sich direkt dran gemacht, einen würdigen Nachfolger zu komponieren.
Und das ist den Schweden auch wahrlich gelungen. Wenn acht Herzen für Classic Rock und AOR nicht nur schlagen, sondern brennen, dann entfachen sie ein Feuerwerk honigsüßer Rockklänge! Eigentlich hätte man nach „Aeromantic“ meinen sollen, dass die Band nun ein Level erreicht hat, dass sie nicht so schnell weiter ausbauen kann, aber dank des Neuzugangs John Lönnmayr an den Keyboards wurde das Vorgänger-Album doch in den Schatten gestellt. Als alter Schulfreund von Gitarrist Sebastian Forslund war der Kontakt zur Band schnell hergestellt, als Richard Larson seinen Posten an den Tasten verlies. Lönnmayrs stilistische Bandbreit evon Fusion Jazz bis Popmusik bereichern merklich das neue Album. Unaufdringlich, aber mit verspielter Brillanz unterlegt das neue Bandmitglied die neuen Songs mit einer frischen Finesse, die man selten zu Ohren bekommt.

Schon auf dem Opener ‚Violent Indigo‘ macht sich der Neuzugang bemerkbar. Die pfiffige Mid-Tempo-Nummer macht schlagartig gute Laune und man freut sich schon in der ersten Strophe auf den Rest des Albums. Egal ob man beim Hören sitzt oder steht, der Rhythmus geht sofort ins Blut und fordert das Wackeln sämtliche Körperteile, die nicht durch einen chirurgischen Eingriff künstlich versteift wurden. Nummer zwei der Playlist ist ‚Midnight Marvelous‘, das in jedem Nachtschwärmer die Liebe zu Mond und Sternen neu entfachen lässt. Auch meine Ohren haben sich während des ersten Refrains spontan in den Song verliebt, aber so untreu das Ohrenherz auch ist, so schnell geht es mit dem folgenden ‚How Long‘ fremd. Wer schon einmal sein Herz für eine andere Person entfacht hat, der wird auch für ‚Burn For Me‘ brennen. Vom Fernweh getragen, trägt der Nachtflug das Ohr mit ‚Chardonnay Nights‘ an einen romantischen Strand irgendwo in Asien, wo alle melodischen Zeichen auf romantische Leidenschaft der 80er Jahre stehen. Mit einem trockenen Weißwein in der Hand versteht sich, da Eimersaufen erst in den 2000ern populär wurde, aber dafür gibt es andere Musik. Aber wo Romantik und Leidenschaft sich paaren, ist auch Herzschmerz nicht fern und so verwundert es nicht, dass mit ‚Change‘ die Champagnerlaune schwindet, glücklicherweise nur lyrisch, denn wenn Herzschmerz melodisch so gefühlvoll untermalt wird, ist der erste Schritt zur Heilung schon gemacht. Und so kann mit der progressiven Retrospektive ‚Amber Through A Window‘ auf das 2017er Album ‚Amber Galactic‘ die verflossenen Tränen schnell wieder trocknen und nicht nur den Himmel voller Geigen hängen lassen sondern diese gekonnt in den Song integrieren. bei ‚I Will Try‘ dürfte die letzte Träne getrocknet sein, denn es geht auf eines der absoluten Highlights des Albums zu – ‚You Belong To The Night‘ ist eine Ode an alle, die gute Ratschläge anderer dankend zur Seite schieben und ihrem Herzen folgen, auch wenn man am nächsten Morgen mit den Folgen der Nacht konfrontiert wird. Jedoch kann von Verlagerung keine Rede sein, wenn es mit ‚White Jeans‘ an einen der vorab veröffentlichten Tracks geht. Denn dieser geht wieder richtig ins Tanzbein und wer das Video dazu gesehen hat, der weiß schon, welches Outfit für den Besuch des nächstes TNFOs Konzerts Pflicht ist, auch wenn dafür die Garderobe aufgestockt werden muss.

Da auch der schönste Nachtflug irgendwann ein Ende finden muss, setzt die Cabin Crew mit dem abschließenden ‚Moonlit Skies‘ zum Landeanflug an. Ein  würdiger Track, um dieses Album abzuschließen, das man getrost als neuen Meilenstein der Schweden titulieren darf. Wieder einmal haben sie es geschafft, in gekonnter Manier das Feeling und den Flair des 80er Rocks in unsere Zeit zu transportieren und beim Hören die Phantasie auf eine melodische Gefühls- und Zeitreise zu nehmen. 

Bewertung: 9/10 Cerosintanks