Review: MASSIV IN MENSCH – “Türkis und Schwarz”

Jubiläum im Hause MiM: MASSIV IN MENSCH feiern ihren 25sten „Geburtstag“ und verteilen die Geschenke gleich selbst. Am 20. August werden gleich 2 Releases auf die Welt losgelassen. Zum Einen ein „Best of 25 Jahre – 1996-2021“ auf limitierter Colored Vinyl, zum Anderen das neunte reguläre Studioalbum. Letzteres wollen wir uns nachfolgend mal genauer anhören.
Das neueste Werk hört auf den Namen „Türkis und Schwarz“ und ist laut beigelegtem Pressetext kein Konzeptalbum. Was aber nicht bedeutet, dass es konzeptfrei wäre. Abgesehen davon, das MASSIV IN MENSCH generell Spaß an Musik und Tanz haben, was an sich schon ein Grundkonzept wäre, ist dieses Album eine Präsentationsplattform für die Bandbreite MiMscher Produktionskunst. Dies spiegelt sich im Namen wider, der die Veröffentlichung in eine dunkle und in eine bunte Hälfte teilt und schon damit auf die gengreunüblichen Grenzgänge des Duos von der friesischen Küste verweist.
Denn noch nie haben sich die beiden Hanseaten in ein beengtes Szenekorsett zwängen lassen, sondern einfach gemacht, worauf sie Schaf – äh- Bock hatten. Daher gibt es unter dem Label „MiM“ alles Mögliche und Unmögliche im elektronischen Tanzsektor, vom stumpfen 4 2 the floor- Hammer über verspielten Dark Dancepop und EDM bis hin zu heavy Electro mit Harsh Anleihen. Auf „Türkis und Schwarz“ versammeln sich die letzten 6 Singles und 10 ganz ofenfrische Produktionen. Verarbeitet haben DANIEL LOGEMANN und MIRCO OSTERTHUN in ihrem Labor nicht nur diverse elektronische Sounds, sondern auch die Stimme von RANA ARBOREA und die Ergebnisse der virtuosen Fingerfertigkeiten von SAM WINTER und BOJANA.
Nun aber genug geschwätzt, der alte Irokesenmann schmeißt flugs „Türkis und Schwarz“ in die Musicbox, ihr zieht euch eure schwarzen Tütüs mit dem rosa Glitzer nebst den Doc Ballettens an und wärmt euch schon mal auf!

MASSIV IN MENSCH – „Türkis und Schwarz“

Zu Allererst freut sich der hier aktive Schmierfink mal wieder auf ein lupenreines Intro, welches der „Kein Konzept-“ Behauptung heftigst widerspricht, entspricht dies doch dem klassischen Konzept eines Albums. In diesem Falle hört das Intro auf den Namen „Meet The Goliath Grouper“, welches mit dem Sound sanfter Gischt beginnt und sich zu einem Breakbeat- Brett aufbaut. Dazu serviert uns Synchronsprecher REINER SCHÖNE im Auftrage von MiM warme Worte zur Begrüßung. Mit „Gestrandet“ folgt eine mehrschichtige Clubnummer, die beweist, das auch 4/4 abwechslungsreich sein kann.  Deutlich industrieller kommen „84“ und „No Winter Anymore“ daher, wobei Letzterer schon herrlich verspielt ist und die Industrial Härte herrlich auflöst. „Gonger“ bekommt ein eigenes Prelude und erzählt die Geschichte untoter Besucher zu einem heavy EBM- Dark Electro Sound. So tanzet und lernet, ihr Pöbel! „Zero Gravity“ wiederum ist einerseits extrem verspielt und andererseits schon recht kommerziell, was hier allerdings nicht als Schimpfwort zu verstehen ist. Während des aktuellen 80s Revival- Hype ist so eine furchtbar 90er anmutende Discodance Nummer mit Operettengesang herrlich erfrischend. Eine der wunderbarsten Clubnummern der letzten Jahre. Ein ähnliches Retrogefühl hinterlässt auch „Paganinis Geige“, mit Gameboyartigen Klängen und einem Refrain, der an einen Grossraum-Discothenhit aus den frühen 2000ern erinnert. Für dieses wachrütteln eines längst verdrängten „Ohrwurmes“ kommen die Zwei Massiven vons die Küste definitiv in die Hölle!!!! (hier den obligatorischen Facebook Zwinkersmiley einfügen; Anm. des Autos, äh, Autors)
Wem es bis jetzt noch nicht sportlich genug war, dem werden jetzt mit „Badminton“ taktvoll die Bälle (klingt das zu verrucht?) um die Ohren gehauen. „The No-Hoper“ ist wieder etwas derber und ein Brett für die dunklen Dancefloors der Republik. Geradezu tiefgründig wird es in „Am Puls der Zeit“, welches sich mit den Folgen des Social Media Wahns auseinandersetzt, untermalt von -surprise- treibendem Sound. Und dann schallert es mal so richtig im Karton, denn „Tanzmusik 2.0“ ist eine Kollaboration mit dem Berliner Electrokollektiv PATENBRIGADE WOLFF, die definitiv jeden Tanzmuskel ekstatisch zucken lässt. Ich feiere dieses Brett wie verrückt. „Nylon“ ist wieder etwas ruhiger, herrlich zwitschernd und klackernd, dazu garniert mit interessanten Vocal- Schnipseln. So richtig geritten hat es die die Norddeutschen Regentänzer bei „Timpetu“. Ich verrate hier mal nichts, aber glaubt mir, die Vocals sind der Hammer. Wer zum Lachen in den Keller geht, sollte diesen Track allerdings skippen. Aber ihr habt doch wohl alle Humor, oder? ODER?! Gut, geht doch …
Wie die NDW in modern klingen könnte, zeigt „Zurück in die Vergangenheit“. Ein wildes Konglomerat aus Dancepop, Disco und Industrial, Avantgarde und Alternative, ohne jedoch vertrackt zu werden. Es folgt schon der MiM- Linie und ist sehr harmonisch, weckt aber ganz bewusst nicht nur textlich Assoziationen mit dem Sound der frühen 80er. Zum Abschluss noch mal eine anständige 4 to the Floor Tanznummer mit Broken Beats Passagen für jeden ambitionierten Teilzeit- Elvis: „Monkey Islands (Jeff Johnsen- Remix)“ ist für Clubs gemacht, in denen spätestens ab Mitternacht der Schweiß von der Decke tropft, in der Tradition alter Acidtrance- Hands Up- Knaller.

Fazit:

Vergesst den ganzen Schmarrn, den der Bekloppte hier hingerotzt hat und besorgt euch einfach das gute Stück von Album. Wenn MASSIV IN MENSCH eines nicht sind, dann Trauerweiden. Und wenn „Türkis und Schwarz“ eines nicht ist, dann ein dystopischer Soundtrack für den Untergang. Für den Einen mag es belanglos sein, für die Anderen der Inbegriff von Spaß in langen Disconächten. Es wird kaum möglich sein, diese Lager aufzulösen, aber das war sicher auch nicht das Ziel dieses Releases. Eher geht es darum, die Pandemiebedingt eingerosteten Gelenke wieder in geschmeidige Bewegung zu bringen, und das gelingt unbestritten. Und wer keinen Humor hat, kann hier gerne an einer Intensivschulung teilnehmen.
Also Album kaufen, in die Anlage werfen, Möbel aus dem Fenster und etwas Wasser oder besser Vaseline aufs Parkett kippen, dann kommt der Spaß garantiert! Wichtig dabei ist nur, das der Lautstärkeregler nachbarschaftsgerecht am oberen Anschlag steht, denn als leise Fahrstuhlmusik taugt es definitiv überhaupt nicht.

Die Fakten in der Zusammenfassung

Act:                       Massiv in Mensch
Release:              Türkis und Schwarz
Label:                   Katyusha Records
Date:                    20.08.2021
Media:                 CD und digital

Massiv In Mensch Kollektiv, Türkis und Schwarz CoverArt
(c) Massiv In Mensch

Tracklist

  • Meet The Goliath Grouper
  • Gestrandet
  • 84
  • No Winter Anymore
  • Gonger (Prelude)
  • Gonger
  • Zero Gravity
  • Paganinis Geige
  • Badminton
  • The No-Hoper
  • Am Puls der Zeit
  • Tanzmusik 2.0
  • Nylon
  • Timpetu
  • Zurück in die Vergangenheit
  • Monkey Islands (Jeff Johnsen- Remix)

 

Vergesst nicht, euch die strikt limitierte und farbige Vinyl „Massiv in Mensch – 1996-2021 – Best of 25 Jahre“ mit zu bestellen (Hier stehen ganz viele Zwinkersmileys, wir schwören; Anmerkung der Redaktion). Sobald es DJing Termine zu vermelden gibt, werden wir euch natürlich auf sharpshooter-pics / Facebook auf dem Laufenden halten. Dort findet ihr übrigens auch jede Menge weitere Infos, Rezensionen und auch endlich wieder stark bebilderte Konzertberichte, juhu!