Review: LORD OF THE LOST – Judas

Nach dem akustischen Intermezzo im letztem Jahr kommen LORD OF THE LOST nun mit ihrem siebten regulären Studioalbum “Judas” wieder an die Oberfläche, oder man könnte sagen Doppelalbum. Die als Doppelalbum konzeptierten Werke tragen die Namen Damnation / Salvation und beschäftigen sich mit Judas Iscariot. Hierbei geht es im Detail um Interpretationen des Charakters des Judas Iscariot und den apokryphen Schriften des Judas-Evangeliums, diese Teile basieren auf eine alternative Erzählung der Religionsgeschichte.

Mit „Priest“ zeigen LORD OF THE LOST bereits wo der Weg auf dem Album hinführen soll, musikalisch durchdacht zwischen ruhigen und kraftvollen Parts erfolgen immer wieder Geschwindkeitswechsel. Dazwischen setzt sich Chris Harms immer wieder mit seiner vielschichtigen Stimme zwischen die unterschiedlichen Musikparts und vollendet das Werk. Die unheiligen Himmelschöre erschallen direkt darauf, der eigene Chor bekommt bei „For They Know Not What They Do“ eine tragende Rolle immer umgeben von Streichern, Riffs, Gegrowle und Klargesang. Eingängiger geht es dann mit „Your Star Has Led You Astray“ und „Born with a Broken Heart“ weiter, beides recht ausgewogene und Songs im normalen schnellen Tempo. Die nächsten drei Songs sind recht entspannt und eingängig, insbesondere „In the Field of Blood“ kann hier am besten überzeugen.

 

Ein weiteres musikalisches Highlight folgt mit der Ballade „Death Is Just a Kiss Away“, diese überzeugt mit ruhigem Gesang, Streicher und Klavierspiel was später von der Kirchenorgel überstimmt wird. Nach dem Gesangsfinale von Chris wird in den Chor umgeleitet und der Songs im letztem Drittel von diesem Zuende gesunden. Lauter geht es dann wieder mit „The Heart Is A Traitor“ weiter, gemischt und brachial macht der Song wieder munter.

„Euphoria“ plätschert anfangs ruhig dahin und entwickelt sich ab der Mitte mit sägenden Gitarrensoli und treibenden Gesang zu einem recht interessanten Song. „Be Still and Know“ schiebt dann noch ein kurzes Klavier, Drum, Gitarrengeschreddersoli hinterher, ohne Gesang als reiner instrumentaler Song, einfach mal so. Dann nach fährt man mit „The Death Of All Colours“ auf himmlischen Wegen Richtung Hölle. Chris Gesang geht hier sehr tief, mit dem Chor im Hintergrund fühlt man sich schon etwas ahhhh ich wollte doch gar nicht in den Himmel.
Damit schließt sich das Kapitel –Damnation- und hinterlässt so manches sprachloses Gesicht, die Vielschichtigkeit und Soundvielfalt ist brachial aber manchmal auch sehr ruhig. Die Songs sind abwechslungsreich und überall findet man den roten Faden in der Erzählung wieder.

Nun wird die Platte rückwärts abgespielt und Salvation kommt zum Zuge, oh da hat sich ja die Boshaftigkeit versteckt, „The Gospel of Judas“ drückt gewaltig von Beginn an und ist der böse Gegenpart von „Priest“. Melodie, Gesang und Sound passt, wackelt und ist der perfekte Einstieg in den schnelleren Part des Doppelalbums. „Viva Vendetta“ führt den Weg weiter, melodisch und brachial setzt er das Tempo höher, dabei lädt er uns zur fröhlichen Kreuzigung ein. Mit orientalischen Einschlag startet „Argent“ erst recht entspannt und wird dann mit dem ausgereiften Refrain zum eingängigen Lostwurm.

Der teilweise etwas Oldschool gehaltene „The Heartbeat of the Devil“ setzt dem ganzen Album in Punkto Melodieführung und Eingängigkeit dann noch einmal ein weiteren Akzent und wird wahrscheinlich zu einer kleinen Szenehymne. Über den schon fast schon positiv klingenden Midtemposong „And it Was Night“ folgt nun mit „My Constellation“ die erste reine Ballade. Ein tiefgreifendes Lied mit allen ruhigen Facetten von LORD OF THE LOST was durchaus überzeugen kann.

 

Ein sehr komplexer Song ist „The Ashes of Flowers“, hier mischen sich brutale Riffs mit dem Kirchenchor, Klavierspiel und Chris Harms scheint in den Katakomben bekehrt zu werden, der Song ist stark, brachial und extrem gut. Etwas melodischer legt nun auch „Iskarioth“ ein recht brachiales Brett hin, überall schwingt Chris Harms perfekt im Takt, mal fauchend, mal säuselnd oder einfach nur klar zum Klavierspiel. Nun wird es musikalisch verstörend, in a „A War Within“, wird so alles an Klavier, Streicher und Chören rausgekramt, auch die Gitarrenfraktion kommt nicht zu kurz, Gesangstechnisch geht der Song dazu noch richtig derbe und vielfältig in die Tiefe.

Zum letztem Teil des Albums kommt mit „A World Where We Belong“ noch einmal ein starker Mid Tempo Song daher, der wieder mit vielen Facetten und Detailreichtum überzeugen kann. Nach einem kurzen Akustikeinschub vollenden LORD OF THE LOST das Album wieder mit einer sehr ruhigen Ballade, „Work of Salvation“ wirkt ebenfalls wie „The Death Of All Colours“ mit Chris Harms durchdringenden Gesang, himmlischen Chören und dem abschließenden Klavierspiel für ein grandiosen Abschluss des Albums.

Lord Of The Lost legen mit diesem Doppelalbum ein musikalisches Meisterwerk hin, abwechslungsreich, tiefgründig, durchdacht und musikalisch bis in die letzte Nuance ausgelotet. Manchmal zwar auch sperrig und komplex, als Gesamtwerk dennoch passend und jedes Mal für eine Überraschung offen, insbesondere die Chor und Kirchenelemente sind ungewöhnlich. Vom Gesang kann man sagen das Chris Harms hier noch weiter gewachsen ist und jegliche Facette zu beherrschen weiß, alleine dies rundet das Album final noch einmal ab.

Bewertung: 10 von 10 Punkten

Judas erscheint am 02.07.2021 über Napalm Records

Tracklist: – Damnation –
1. Priest
2. For They Know Not What They Do 
3. Your Star Has Led You Astray 
4. Born with a Broken Heart 
5. The 13th 
6. In the Field of Blood 
7. 2000 Years a Pyre 
8. Death Is Just a Kiss Away 
9. The Heart Is a Traitor 
10. Euphoria 
11. Be Still and Know 
12. The Death of All Colours 

Tracklist: -Salvation –
1. The Gospel of Judas 
2. Viva Vendetta 
3. Argent 
4. The Heartbeat of the Devil 
5. And it Was Night 
6. My Constellation 
7. The Ashes of Flowers 
8. Iskarioth 
9. A War Within 
10. A World where We Belong 
11. Apokatastasis 
12. Work of Salvation