Review: „Fortitude“ – GOJIRA: Oder ein Requiem für die Welt

Knapp 5 Jahre haben sie sich Zeit gelassen, bevor GOJIRA mit „Fortitude“ ihr siebtes Studioalbum in die Musikwelt entlassen haben. Und das hat es definitiv in sich! 11 Knaller ballern in höchster Sound-Klasse aus dem Lautsprecher.
Los geht es mit der Vorabauskopplung „Born for one thing“, der progressiv und in einem ausgewogenen Verhältnis von Growlings und Sounds daherkommt und Lust auf mehr macht. Mehr GOJIRA. Mehr kreatives. Mehr Überraschendes und Spannendes. So wie die Franzosen nun mal sind. Und auch „Fortitude“ hält, was die Fans sich wünschen. So scheinen sich die vier Musiker rund um die Geschwister Duplantier mit jedem ihrer Songs ein bisschen mehr neu zu erfinden, eine neue Geschichte ihres Könnens und ihrer Vielfältigkeit zu demonstrieren.
Namensgebend für das Album ist „Fortitude“ – die Stärke.

Stärke zieht sich durch das gesamte Album. Starke Texte und kraftvolle Rhythmik zeichnen das Gesamtbild dieses Albums. „Fortitude“ kommt als instrumentales Kraftpaket daher. Relativ kurz – mit nur etwas über zwei Minuten – geht es über in „The Chant“. Sehr choral, sehr psalmodiert, erklingt hier die Ode an das eigene Ich. „Get strong, get strong“ tönt es pochend und motivierend. „Get a hold of yourself, rise above“, treibt den Hörer an, sich selbst zu finden, die innere Stärke zu sehen. Hier wird inhaltlich an den Songvorgänger „Fortitude“ angeschlossen und so ein Kreis von Stärke Kampfesgeist geschlossen.
GOJIRA haben sich allerdings nicht nur mit ihrer Musik einen Namen gemacht, sondern auch im aktiven Umweltschutz. Hier unterstützen sie in einer Kooperation die Organisation Sea Shephard im Kampf gegen die Verschmutzung der Meere und das Artensterben im Ozean. Einer der wohl bekanntesten GOJIRA-Songs „Flying Whales“ mahnt das Sterben der Meeres-Giganten an. Auch in „Fortitude“ erklingen – mal laut, mal leise – Gedanken über die Veränderungen in der Natur: Themen wie schonungsloser Umgang des Menschen mit den Ressourcen der Erde, Klimawandel, Eigennutz und Respektlosigkeit gegenüber der Natur und all ihrem Sein werden in poetisch-melodischer Weise aufgearbeitet. Besonders deutlich machen die Musiker es in ihrer weiteren Vorab-Single-Auskopplung „Amazonia“: „There´s fire in the sky, you´re in the amazon”. Melancholisch, verzweifelt klingt der Text über das Ausbeuten und Sterben des Amazonas – oder „The greatest miracle in the world“ wie es im Songtext heißt. Klagende Gesänge, tiefe Bässe, schreiende Gitarrenriffs und feuernde Drums malen ein Gesamtbild und zeigen so ganz deutlich das Leid der Tier- und Pflanzenwelt und den Verlust des Paradieses „Amazonas“ auf.

Ein Mahnmal setzen die vier Musiker mit „Another world“. „We´re all on the same boat, we´re going down” heißt es hier. Rhythmisch werden im Background Gitarre, Bass und Drums eingesetzt, während die Message durch den starken Gesang verdeutlicht wird. Seinen Ausklang findet der Song in leisen Tönen, die fast an ein Plätschern erinnern und so das Bild des einen Bootes lautmalerisch unterstützen. Musikalisch bleibt aber vor allem „Into the Storm“ im Ohr. Schnell, sich fast selbst überholend, leiten die treibende Doublebase von Mario Duplantier und die rennenden Gitarrenriffs von Christian Andreu den Song ein. Es ist ein starker Song auf allen musikalischen Ebenen aber eben auch textlich ein Mutmacher – „Restart, reactivate the core“ Headbanger-Garantie inklusive!

Das gesamte Album spiegelt die feinen nuancierten Veränderungen der Band in allen Details wieder. Wobei sie dennoch nie ihre musikalischen Wurzeln aus den Augen verlieren. Es beeindruckt das kreative und ungewöhnliche Einbringen unterschiedlicher Rhythmen in Kombination von präzisem Drumming erster Klasse. Beeindruckend ist die Leidenschaft der Badn für den Umweltschutz. Die Darstellung ihrer Emotionen findet in ihren Liedern Ausdruck, dessen Kraft mit jedem Ton hör- und spürbar ist.

Bewertung: 10 von 10 Punkten

Das Album erschien am 30.04.2021

GOJIRA sind:
Joseph Duplantier (Gesang, Gitarre)
Christian Andreu (Gitarre)
Mario Duplantier (Schlagzeug)
Jean Michel Labadie (Bass)

Tracklist:
Born for one thing
Amazonia
Another World
Hold on
New Found
Fortitude
The Chant
Sphinx
Into the Storm
The Trails
Grind