Review: GRAFI – Ektoplasma

Vorsicht! Experimentelle Musik! GRAFI bringt mit „Ektoplasma“ ein Studioalbum heraus, wie man es bestimmt noch nicht gehört hat. Deutschrap-, Trap-, und (Black) Metal-Passagen werden hier (unter anderem) vermischt.

Zwei Jahre nach „Unter Null“ bringt das nun dritte Album des jungen Berliners hauptsächlich düstere Themen über psychische Belastungen. Depressionen, Schlaflosigkeit, Abgrenzung und Angst. Alles Themen, die auch oft im Metal zu Papier gebracht werden. Abgesehen davon bringt die Platte aber auch über einige Überraschungen. Welche?

Der Gittarensound dürfte bei Kennern der Metalszene ein paar Synapsen aktivieren. Das Ganze hat nämlich, wie bereits auf „Unter Null“, das DER WEG EINER FREIHEIT Mastermind Nikita Kamprad eingespielt. Eine brachiale Ansage! Wenn es hier Schreddergitarren und Black Metal Vocals gibt, kann das ja nur gut werden. Spoiler: Diese Aussage relativiert sich im Laufe des Albums.

Auch als die Heimanlage nach nicht ganz 27 Minuten keinen Laut mehr von sich geben will, stellt sich Überraschung ein. Eine kurze Kontrolle bestätigt hier das Ende des „Langspielers“. Da GRAFI seine Platten aber über das eigene Label „Geistermusik“ released, dürfte ihm hier niemand in die Gestaltung reden. Eine kurze Spieldauer kann natürlich auch ein künstlerisches Mittel sein, um den acht Tracks von „Ektoplasma“ mehr Bedeutung zu verleihen.

Der Opener mit dem Albumtitel „Ektoplasma“ schafft eine düstere Grundatmosphäre, die sich durch das gesamte Album nicht mehr aufhellt. Vielversprechend! Leider fällt hier bereits das zeitgenössische Autotune stark auf und wirkt deplaziert. Die teils gesungenen, teils gesprochenen Lyrics werden im Laufe des Albums immer wieder von der automatischen Tonhöhenkorrektur heimgesucht. Die gescreamten Passagen überzeugen insgesamt am meisten und wirken interessanterweise am natürlichsten.

Aber: Es gelingt GRAFI durchaus die Stimmung einer düsteren Gedankenwelt durch bildliche Lyrics und metaphorische Zeilen zu erzeugen, gerade bei „Mahlstrom“ und „Neptun“. Es gibt einem das Gefühl eine Inhaftierung in Gotham‘s Arkham Asylum nachleben zu können.

Am besten gelingt die Mischung aus Deutschrap und den verweifelnden Schreien mit Gittarenuntermahlung wohl bei den  thematisch verbundenen Titeln „Insomnia“ und „Dämmerung“.  Letzterer ist auch der einzige Track des Albums, der in seiner depressiven Stimmung gänzlich auf einem Black Metal Album erscheinen könnte.

„Nevada“ und der Abschluss „Palmen“ brechen allerdings wieder mit diesem Komplex und kommen eher im Rapgewand daher. „Palmen“ mutet auf dem sehr finsteren Album wie ein positiver Abschluss an, oder um in der Analogie zu bleiben: Dem geistigen Entlassen aus dem Arkham Asylum.

Fazit:

Neue Wege in der Musik zu gehen ist schwierig, zugegeben. „Cross it all over!“ ist auch generell eine gute Idee, allerdings muss es auch funktionieren. „Ektoplasma“ hätte als reine Rap bzw. Trap Album bestimmt funktioniert. Ebenso als reine Metal Scheibe. Aber die einzelnen Passagen mit Blastbeats wirken sehr hölzern und die Mischung wie ein eher zufälliges Mixtape.

Eventuell liegt es auch an den zu starken Gegensätzen der basslastigen Beats aus den Rap-Teilen und dem sehr höhenlastigen Black Metal, dass sich hier keine gute Mischung einstellen will. Insgesamt ein extrem interessanter Ansatz, der aber wohl noch Ausbau benötigt.

Bewertung: 4/10