Interview: Im Gespräch mit der Electro Pop Formation LOAD zum Album “Superego”

Im Zuge des am 17. April stattfindenden Releases ihres Debütalbum “Superego” (zum Album Review) konnten wir uns mit der Band LOAD auf die virtuelle Couch setzen und eine kleine Gesprächstherapie durchführen.

Ihr habt mich echt mit eurem Album überrascht, es hat wirklich sofort gegriffen. Warum dem so ist, werde ich mit unserem Gespräch versuchen zu ergründen. Fangen wir mal ganz langsam an: Willkommen zu unserem kleinen virtuellen Treffen Cyan und Zaffre, kurz LOAD. Wie ist ist die Lage für euch im Moment?

CYAN: Hi! Die Lage ist ganz ok, würd ich sagen, den Umständen entsprechend strange, aber für mich hat sich im Alltag bisher durch die aktuelle Situation nicht viel verändert, ausser vielleicht, dass ich mehr als sonst an kreativem Output habe. Ist natürlich scheisse, dass wir unsere ersten zwei Shows (April und Mai) nun nicht spielen können, aber wir schauen vorwärts und werden die Shows auf jeden Fall nachholen. Und der Album Release steht vor der Tür, wir sind gespannt, was damit so passieren wird.

ZAFFRE: Ich sehe das genau so. Soweit ich das beurteilen kann, ist die Lage zumindest hier in Basel vergleichsweise entspannt. Von den Massnahmen der Regierung wurden wir Musiker natürlich auch hart getroffen. Aber ja die gute Seite ist, wie Cyan sagt, Inspiration.
 
Das klingt in Zeiten wie diesen doch geradezu gut. Ich hoffe natürlich, daß möglichst viele gesund bleiben und sich die Lage in absehbarer Zeit entspannt. Dann könnte man euch auch live erleben. Bevor wir über euer Debütalbum sprechen, erzählt ihr ein kleines bisschen von euch? Ihr seid ja schon ein Mysterium: 2 Wesen hinter LED Masken, das macht schon ordentlich neugierig.
 
CYAN: Das Mysterium ist ein starkes künstlerisches Element, an dem wir natürlich auch festhalten werden. Was wir sagen können, ist, dass wir uns bereits seit einer Dekade kennen, und beide noch länger musikalisch aktiv sind. Es hat lange gedauert, bis wir auch musikalisch zusammengefunden haben, aber es hat sich definitiv gelohnt. Wir sind musikalisch beide sehr vielseitig orientiert und interessiert, und haben uns über die Jahre sicher auch gegenseitig beeinflusst.

ZAFFRE: In Zeiten der auf die Spitze getriebenen Selbstdarstellung möchten wir mit den Masken auch ein Statement abgeben.
CYAN: Absolut, dieses Thema ist ja im weitesten Sinne auch Teil des Albums.
 
Okay, ihr seid also keine 20jährigen Jungspunde mehr. Damit bekommen wir langsam den Bogen zum Album. Ihr seid also gestandene Musiker, spielt mehrere Instrumente und wollt ein bisschen “Back to the roots”: weniger Selbstdarstellung und Starkult, sondern wieder mehr das Produkt, also die Musik, in den Fokus rücken?
 
ZAFFRE: Wir sind beide Kinder der 80er Jahre und wurden sicher von der Musik dieses Jahrzehnt geprägt. Ich würde vielleicht nicht so weit gehen und unsere Absicht “back to the roots” nennen, vielleicht eher “touch base”. Wir fühlen uns auch im jetzt wohl. Das hört man glaube ich auch.
CYAN: Dem stimme ich zu, wir versuchen die interessanten Elemente aus der Retrowelt, wie auch aus der Moderne zu nutzen und kreativ zu verbinden. LOAD soll als eigenständiges Gesamtpaket funktionieren, also nicht nur musikalisch, sondern auch optisch und thematisch gesehen, das steht an erster Stelle.
 
Lieber Zaffre, wir meinen sicher beide das Selbe. 80er ist aber genau das Stichwort und Cyans Ergänzung passt wie die berühmte Faust auf das Auge. Was mich (ebenfalls Kind der Achziger) fasziniert ist dieses perfekte Zusammenspiel von Vergangenheit und Moderne. Jemanden wie mich nimmt es sofort mit auf eine Reise, ja, auch in die Vergangenheit. Ihr habt es geschafft, die 80er nicht zu kopieren oder im “Schwelgen von der guten alten Zeit” hängen zu bleiben. Das Album klingt tatsächlich, als hätten die 80er nie geendet, sondern sich einfach linear weiter entwickelt. War das in etwa das Ziel des Konzeptes?
 
ZAFFRE: Ich denke das war eine ganz natürliche Entwicklung die zu dem Sound geführt hat. Ich habe einen Grossteil der Musik auf dem Album geschrieben. Man könnte das Album als Abbild meiner eigenen musikalischen Entwicklung betrachten. Da ist ein bisschen was von allem drin.
CYAN: Ich denke ebenfalls, unser Sound hat sich auf sehr natürlichem Wege zu dem entwickelt, was er geworden ist, und wir fühlen uns beide sehr wohl darin, und wissen wo wir zukünftig hinmöchten.
 
Habt ihr speziellere “Vorbilder” bzw. Einflüsse? Ich hatte ab und zu das Gefühl, das ihr bewusst musikalische Zitate einbaut. Das macht es ungemein spannend. Für jüngere Hörer klingt es ganz einfach “toll”, aber ältere werden zusätzlich sofort an bestimmte Bands, Titel und Situationen erinnert. Das ist schon ganz großes Kino.
 
ZAFFRE: Das mag überraschend klingen: Die ersten beiden Alben, die Black Sabbath mit Ronnie James Dio gemacht haben, waren eine große Inspirationsquelle. Gerade was das Stichwort “Reise” anbelangt. Ich konnte diese Alben stundenlang hören und in eine andere Welt abdriften.
CYAN: Von meiner Seite aus: manch andere Inspirationen sind, wie du sagst, für manche dafür sonnenklar, haha!
ZAFFRE: Da sind natürlich auch Sachen wie Tears For Fears, Depeche Mode und Killing Joke drin. Ein bisschen Filmmusik: Vangelis – Blade Runner, oder aktuelle Sachen wie Daft Punk oder Carpenter Brut beispielsweise.
CYAN: (John Carpenter..?)
ZAFFRE: Auf jeden Fall. Die Liste ist endlos, haha.
 
Das überrascht mich jetzt tatsächlich, erklärt aber vermutlich die Art der Arrangements und Produktion. Und es erklärt die Reife der Tracks. Ja, Daft Punk schaffen es ja auch irgendwie immer, unterschiedlichste Dekaden und Stile mit einzubinden. Ich werfe da noch Dave Stewart und Co mit in die Runde, haha. Erzählt ihr uns noch etwas zur Instrumentierung? Ich meine, das neben elektronischen Geräten und einer Gitarre auch noch ein gutes altes Schlagzeug mitspielt, oder irre ich mich? Habt ihr weitere analoge Instrumente benutzt, oder habt die tatsächlich “nur” imitiert?
 
ZAFFRE: Die Drums sind programmiert. Aber die Sounds und Patterns sind so gewählt, dass der Eindruck ensteht es wäre ein menschlicher Drummer dahinter. Wir wollten da einen Spagat zwischen den Drummachines der 80er und modernen Rockproduktionen machen.
Was den Rest betrifft wurde alles von allen gespielt, natürlich sind da auch Plugins dabei. Wir spielen beide alles.
CYAN: Anhang: das Saxofon wurde von unserem live-Basser ‘AZURE’ eingespielt
 
Ah, wow, Respekt! Ich hätte tatsächlich auf real drums gewettet, es wirkt unheimlich lebendig und eben nicht so gleichförmig. Somit holt ihr euch also Verstärkung mit auf die Bühne, wenn ihr (endlich) live auftreten könnt?
Mindestens seid ihr dann also zu dritt?
 
CYAN: gerade eben dadurch, dass die Drumlines auf dem Album sehr homogen gehalten werden, wollten wir definitiv auch mit live Drummer auf die Bühnen, wir werden also live ein Quartett sein.
 
Toll, also eine “richtige” Band auf der Bühne! Ich möchte gar nicht zu sehr ins Detail gehen, da der Hörer euer Gesamtwerk schon selbst entdecken und interpretieren soll, aber trotzdem kurz zu den Lyrics : Sind es erdachte Geschichten, oder sind die Texte eher autobiographisch? Euer Pressetext preist das ja sehr interessant an, haha.
 
CYAN: Eine Priese Urban Myth, eine Priese schwarzer Humor, eine Priese Erotik, eine Priese Religion, eine Priese Dystopie und, natürlich, eine gute Priese Gesellschaftskritik.
ZAFFRE: Auf jeden Fall ist da auch Autobiographisches dabei, das vermischt sich auch gerne.
CYAN: Lyrics entstehen (bei uns zumindest) selten ohne persönliche Bezüge.
 
Sehr schön, das lässt tief blicken und macht es sehr persönlich. Ihr habt es fast geschafft, möchtet ihr noch was los werden? Pläne (soweit möglich), Termine (für Deutschland zum Beispiel), irgend etwas? Gibt es denn schon spruchreife Ausweichtermine für die gestrichenen Gigs? Momentan ist zwar jede Angabe nur unter Vorbehalt möglich, aber man braucht ja auch Ziele.
 
CYAN: Die bisher geplanten Shows werden vermutlich im November (Basel) und im April `21 (Zürich, Eros At Arms Festival) nachgeholt. Wir hoffen, durch den Album Release dann auch in Bälde nen Deal mit ner guten Bookingagentur an Land zu ziehen, um möglichst bald touren, oder mindestens genügend Shows auf internationalem Boden spielen zu können. Ebenfalls sind wir bereits fleissig an neuem Material dran, das wahrscheinlich dann im nächsten Jahr produziert werden wird.
Ansonsten bleibt zu sagen: bestellt SuperEgo vor, direkt über unseren Shop (www.loadnode.ch) oder über den Link Tree (https://orcd.co/superego), damit ihr bereit seid, für das was wir euch auf der Bühne bieten werden!
ZAFFRE: Vielen Dank für das Gespräch, vielen Dank für den Support! Hände waschen und durchhalten. Da ist ein LED-Licht am Ende des Tunnels!
 
Dann bedanke ich mich recht herzlich für das Gespräch und die Zeit, die ihr euch für uns genommen habt und wünsche euch erst einmal viel Erfolg mit dem Album! Liebe Leser, am 17. April ist es soweit und ihr könnt bereits vorbestellen! Ich hoffe, das wir bald die Chance bekommen werden, euch in den Clubs und auf den Festivals dieser Welt zu erleben. Bitte bleibt gesund und kreativ. Liebe Grüße in die Schweiz!
 
CYAN: Danke! Cheers
ZAFFRE: Danke!
 
Noch einmal zur Info: das Album “Superego” von LOAD erscheint am 17. April und kann bereits jetzt vorbestellt werden, sowohl als digitales, als auch als physisches Medium auf allen bekannten Plattformen und direkt bei der Band unter orcd.co/superego
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Die Band findet ihr hier facebook.com/LOADnode/  und www.loadnode.ch