Review: BODY COUNT – Carnivore

BODY COUNT sind zurück und präsentieren uns ihre neue Scheibe “Carnivore”. ICE-T und seine Truppe setzen uns damit den Nachfolger des 2017 erschienenen Album “Bloodlust” ins Wohnzimmer. Die Frage, ob “Carnivore” dabei mit “Bloodlust” mithalten kann, zwingt sich einem natürlich auf. Meine Antwort: Ja. Vielleicht sogar noch etwas mehr.

Grandiose Cover und spannende Features

Gleich mit dem Titeltrack legen die L.A. Boyz gut los und zeigen gekonnt, dass andere Bands sie zurecht in einem Atemzug mit Genre-Größen wie BIOHAZARD, MERAUDER oder SUICIDAL TENDENCIES als Haupteinfluss benennen. Trotz des Härtegrades fehlt ein wenig die Dynamik, das immer schwer beschreibbare gewisse Etwas. Das ändert sich allerdings gleich mit Song Nr. 2. Riley Gale von POWER TRIP unterstützt ICE-T bei “Point The Finger” mit seinen wütenden Shouts, Ernie C. haut uns seine eingängigen, knackigen Riffs um die Ohren und die Drums pushen den Hörer ordentlich nach vorn. Die zweite Single-Auskopplung “Bum-Rush” glänzt mit ANNIHILATOR-artigen Anleihen, die den geneigten Rockern vor den Boxen die Lederjacke aufblähen dürften.

Wie auch auf früheren Alben gibt es auch hier wieder Coversongs. Zum einen covert ICE-T sich selbst und verpasst “Colors”, aus seiner Solo-Zeit von 1988, einen knackigen, fetten BODY COUNT-typischen Sound, während Dave Lombardo, Drummer der kürzlich in den Ruhestand gegangenen Band SLAYER, einmal mehr beweist, dass er die Felle beherrscht wie nur wenige. Zum anderen ist mit “Ace Of Spades” eines der wenigen wirklich gelungenen MOTÖRHEAD Cover vertreten, das Lemmy und Co. alle Ehre macht. Hut ab.
Jamey Jasta von HATEBREED greift bereits zum zweiten Mal für BODY COUNT zum Mikrofon und hebt den folgenden Track wahrlich auf “Another Level”. Auch wenn der Song recht ruhig daherkommt, kann die intensive, dichte Atmosphäre überzeugen.

 

Glorreiches Ende mit Überraschungen

Die bereits erwähnten MERAUDER lassen grüßen, wenn mit “No Remorse” ein Highlight des Albums aus den Boxen poltert. ICE-T und BODY COUNT in Hochform, zeigen hier eindrucksvoll, dass ihre Wurzeln im West Coast-Rap der ausgehenden 80er Jahre liege. Eindeutige, ehrliche Lyrics inklusive, während Ernie C. mit seinen 6 Saiten dem Song einen Sound-Teppich verleiht, der die Pants bis in die Kniekehlen rutschen lässt. Für eine Überraschung dürfte allerdings AMY LEE von EVANESCENCE sorgen, mit der ICE-T ein großartiges, wenn auch für BODY COUNT untypisch düsteres Duett abliefert, um an den ermordeten Rapper NIPSEY HUSSLE zu erinnern.

Wer bei den zahlreichen Einflüssen und Genre-Anspielungen noch auf ein Thrash-lastigen Abschluss gehofft hat, sollte mit “The Hate Is Real” vollauf zufrieden und nicht enttäuscht sein. Drums und Gitarrenwand der Band haben hier beste Arbeit abgeliefert und sorgen für ordentlich Nackenschmerzen.

Fazit:

Die Produktion des Albums ist fett geworden: druckvoller, klarer und tighter als bei den Vorgängern. Der durchgängig perfekt grollende aber dennoch dezente Bass ist eine wahre Freude, die Songs tendieren zwischen Groove, Hardcore, Thrash und reinster Rock’n’Roll-Attitüde. BODY COUNT sind reifer geworden, besser, und packen noch ‘nen Arschtritt mehr auf die Waage. Das Album macht irrsinnigen Spaß. Punkt.

 

Bewertung: 9/10 

“Carnivore” erscheint am 06. März bei Century Media

BODY COUNT sind:

Ice-T (Vocals)
Ernie C. (Lead-Gitarre)
Juan Of The Dead (2. Gitarre)
Vincent Price (Bass/Vocals)
Sean E. Sean (Samples/Vocals)
Ill Will (Drums)

Tracklist:

  1. Carnivore
  2. Point The Finger (feat. Riley Gale)
  3. Bum-Rush
  4. Ace Of Spades
  5. Another Level (feat. Jamey Jasta)
  6. Colors (2020)
  7. No Remorse
  8. When I’m Gone (feat. Amy Lee)
  9. The Critical Beatdown
  10. The Hate Is Real
  11. 6 In The Morning (unreleased Demo)