VA ROCKS und KÄRBHOLZ in der Turbinenhalle in Oberhausen am 18.10.2019

Nachdem KÄRBHOLZ im Frühjahr ihr jüngstes Werk, “Herz & Verstand” auf die Bühnen der Republik brachten, wurde schnell klar, dass es mit diesen Terminen nicht ausreicht, den Hunger der Fans nach Livekonzerten der Ruppichterother zu stillen. Also wurde kurzentschlossen nochmal eine kleine Tour geplant die unter dem Titel “Herbst & Verstand” auch wieder ins schöne Ruhrgebiet führen sollte. 

VA ROCKS

Und weil es sich allein zu einsam tourt, wurden die Labelkolleginnen von VA ROCKS direkt mit an Bord genommen. Die jungen Schwedinnen aus dem beschaulichen Lund haben sich schon in Jugendjahren Punk’n’Roll auf ihre Fahnen geschrieben und beweisen als Opener in bester Punktradition, dass eine Band nicht mehr als drei Mitglieder (wahlweise auch ohne Glieder) braucht, um ordentlich auf die Pauke zu hauen! Und das tun die Damen um Sängerin Ida auch nicht zu knapp. Pünktlich zum Release ihres neuen Albums “I love VA Rocks” rocken die Damen die Bühne der Turbinenhalle und werden ihrer Anheizerrolle mehr als gerecht. Vor allem Sängerin Ida hat das Publikum schnell im Griff, denn sie ist eine energiegeladene Mischung aus einem super knuffigen Punkergirl und einer arschtretenden Rockerbraut, der man die Ansage des Songs “Here comes trouble” bedingungslos Glauben schenkt. Auch die Rolle einer “Rockbitch” nimmt man ihr und ihren Kolleginnen Karla und Frida sofort ab und so werden die Songs des Trios vom Publikum sehr gut angenommen. Eins ist sicher, die Mädels sollte man definitiv im Auge behalten, denn sie werden mit Sicherheit in Zukunft auch vor den Bühnen namhafter Festivals nicht Halt machen.

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Bilder: Ulli

KÄRBHOLZ

Aber auch im Hinterwald war es einst einigen jungen Burschen ein wenig zu ruhig, und so wurde KÄRBHOLZ gegründet, die nun mehr als 15 Jahre später ihren Weg von den kleinsten Clubs über große Festivalbühnen zurück in die Turbinenhalle gefunden haben, die bei einer Strichliste der dort absolvierten Auftritte mittlerweile schon den zweiten Schrägstrich anbringen könnten. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Jungs hier sehr familiär empfangen werden. Die Anhängerschaft ist schon längst auf Betriebstemperatur und feiert die Herren Holz vom ersten Ton des Openers “Kein SOS” gnadenlos ab. Auch nach all den Jahren merkt man den Jungs von KÄRBHOLZ immernoch an, wie viel Spaß sie zusammen auf der Bühne haben. Denn eine “Überdosis Leben” hat noch niemandem geschadet, weder auf noch vor der Bühne und so wird munter gepogt, gesprungen und gefeiert. Dass die Musik von KÄRBHOLZ zusehend mehr Menschen bewegt, lässt sich heute daran messen, dass sie nun zum ersten Mal mit einer Headliner-Show die große Turbinenhalle belegen und bis in die hinteren Reihen füllen. Scheinbar zündet ihr Vollgas-Rock’n’Roll besser als “Kein Rock’n’Roll” – denn dieser hat es im Frühjahr ‚nur‘ in die kleine Turbinenhalle geschafft (kleiner Insider-Seitenhieb am Rande). Ehrlich und geradeaus, stets mit bübischem Schalk im Nacken, einem Bier am Bühnenrand routiniert und trotzdem motiviert spielen KÄRBHOLZ eine ausgewogene Setlist aus den letzten Alben, und auch Henning ‚das Tier‘ Münchs obligatorisches Drumsolo durfte nicht fehlen, in dem er unter Beweis stellt, dass er spielerisch locker in jeder Metalband mithalten könnte. Und auch Gitarrist Adrian hat es mittlerweile gelernt, seine Backingvocals in saubere Melodien zu verpacken. Irgendwie wurde es langsam auch Zeit dafür, andererseits ist es auch ein wenig schade, schließlich war er einer von nur 3 Menschen auf diesem Planeten, die schlechter singen können als ich, und nun sind es nur noch zwei. Auch die Lightshow ist der Hallengröße mittlerweile angepasst und ausgeklügelter, denn mittlerweile ist ja auch das Auge verwöhnt und will für sein Geld etwas mehr geboten bekommen als nur ‚Tiefflieger‘, die älter und fetter geworden sind – aber mit denen sich nicht viele Genrekollegen messen können. Punktum – wie auch schon die Male zuvor liefern KÄRBHOLZ zuverlässig beste Stimmung und hinterlassen ein glückliches und erschöpftes Publikum.

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Bilder: Ulli