Review: SCHWARZSCHILD – Metrik, neues Album der Gefühlsspezialisten

SCHWARZSCHILD – Metrik, nicht nur ein neues Album, sondern auch eine physikalische Annahme als Teil der Relativitätstheorie. Für alle, die mit dem Begriff SCHWARZSCHILD immer noch nichts anfangen können sei gesagt, dass es sich dabei um einen wichtigen Forscher handelte. Karl Schwarzschild war Astronom und Physiker. „Seine Arbeit zur Relativität erbrachte die ersten genauen Lösungen der Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie – eine für ungeladene, nicht rotierende kugelförmige symmetrische Körper und eine für statische isotrope leere Räume um feste Körper.“ (Quelle: Wikipedia) Somit ergeben die Namen der Veröffentlichungen der Band SCHWARZSCHILD immer einen Sinn, denn die Affinität zu diesen Phänomenen steckt den Gründern der Band, DINO SERCI und PETER DAAMS im Blut. Wieder was gelernt, wa? Aber Schluss mit der Klugscheisserei, kommen wir zum Wesentlichen.

„Metrik“ ist das zweite Album der mittlerweile zum Trio gewachsenen Band. Und es ist somit fast so etwas, wie ein zweites Debüt. Denn Dinos Bruder MARCO SERCI hat die Position des Gitarristen in der bisher ausschließlich elektronisch agierenden Band übernommen. Nach anfänglich noch zarten Rearrangements bestehender Titel ist er mit diesem Album nun vollends integriert. Spoiler: ich durfte vor ein paar Wochen einem Konzert der Band zusammen mit ALIENARE beiwohnen und konnte mich livehaftig von dem evolutionären Sprung in der Bandentwicklung überzeugen. Der Sound und die musikalische Intensität der Band haben enorm gewonnen. Auch gibt es nun deutlich mehr Interpretationsmöglichkeiten, was natürlich Live Performances noch einmal deutlich spannender macht.
Das erste durchhören half mir fast aus den Schuhen, was für ein voller Sound!
Hörte man von manchen schon mal ein verächtliches „Gothic Schlager“, wenn man SCHWARZSCHILD erwähnte, so dürfte dies ab sofort vorbei sein, denn das Projekt ist erwachsen geworden.
Textlich bleibt es bei der konstant hohen Qualität und es werden allerlei menschliches, zwischenmenschliches, Gedanken & Gefühle behandelt. Gerade noch mit einer Kollegin darüber philosophiert, das „ich drei Stunden lang versuchen könnte, einem Gesunden meine Gefühls- und Gedankenwelt zu erklären, oder einfach 3 Minuten Dino singen lassen. Letzteres wäre definitiv effektiver und zielführender.“
Und weil das bei dieser Band so wahnsinnig gut funktioniert und dank der deutschen Lyrics eben auch für jeden im deutschsprachigen Raum verständlich sein sollte, möchte ich hier gar nicht weiter auf die textlichen Inhalte eingehen, um euch nicht zu viel zu verraten. Nur einen kleinen Tipp gebe ich euch: das Album bietet deutlich mehr, als die bisher veröffentlichten Tracks „Frei“ und „Auf allen Wegen“ vermuten lassen. Noch etwas ist neu: es gibt mittlerweile sogar ganz deutliche Sozialkritik, hart und ungeschönt, aber eben doch auch irgendwie angenehm dargeboten.
„Metrik“ ist alles in Allem ein sehr abwechslungsreiches Album geworden, mit Höhen und Tiefen der Gefühlswelt, einem breiteren Themenfeld und jeder Menge packender Momente.
Bemerkenswert ist der Hang zu ausgedehnten Intros. Schon das letzte Album und die EP hatten ordentliche Intros, hier sind es jetzt fast 6 Minuten! Das ist schon eine sehr besondere Art, ein Album als Gesamtkunstwerk anzugehen und so den Spannungsbogen aufzuziehen, chapeau. Es folgen weitere 10 neue Titel und gekrönt wird das fast 70 Minuten lange Album von 2 Remixen.
Ganz schon viel Gegenwert für den Einsatz, mittlerweile leider recht unüblich.
Ihr könnt also viel Zeit mit diesem besonderen Stück Musik verbringen.
Ein bisschen zurückhaltend benannt ist der „Das Erwachen (Vampire Edit 2021)“, da es sich hierbei weniger um einen klassischen Remix oder Edit handelt, sondern um eine komplett umarrangierte Neuinterpretation des Klassikers im neuen Sound. Und ja, das Ergebnis überzeugt, ebenso wie der ES23 RMX von“ Lüg mich nicht an“, der dem ohnehin schon energetischen Original noch einmal kräftige Prisen Pfeffer und Wut mit auf den Weg gibt.

Fazit

Ihr habt keine Chance, an dieser Band führt zukünftig kein Weg mehr vorbei! Selten so eine hoch energetische Scheibe gehört und mir freiwillig so klare Worte um die Ohren hauen lassen. Dieses Release ist eine wahre Gefühlsachterbahn, alles dabei: Wut, Trauer, Angst, Schmerz, Bewunderung ….
Einziger Kritikpunkt für mich bleibt der Titel „Frei“. Wie ich bereits in einer Einzelbewertung schrieb, fehlt mir dort bei der Interpretation etwas Gefühl. Diese bereits von mir getätigte Aussage kann ich natürlich nicht einfach wegwischen. Jedoch mindert das in keinster Weise das verdammt hohe Qualitätslevel, das die 3 hier präsentieren und ist daher als „jammern auf hohem Niveau“ zu werten. Die Latte für zukünftige Veröffentlichungen wurde hiermit verdammt hoch gehängt. Wir haben es hier mit einer eindrucksvollen Formation zu tun, die mit ihrem erst zweiten Album eine neue Referenz für intelligente deutsche Musik in die Bücher eingetragen hat.
Zudem gibt es wohl auch nur wenige Sänger, die so wandlungsfähig sind wie Dino, dazu den starken Club Sound mit Future Pop Appeal von Peter und die präzisen Gitarrenriffs von Marko – perfekte Mischung!
Ganz klare Empfehlung, ohne Wenn und Aber.

9/10

Tracklist:

SCHWARZSCHILD Promo 2021
(c) Stephan Klinc

01 Metrik (Prelude)
02 Dämon
03 Lüg mich nicht an
04 Auf allen Wegen
05 Es frisst
06 Schwarzschild
07 Käfig
08 Alle Tränen
09 Frei
10 Inferno
11 Asche
12 Das Erwachen (Vampire Edit 2021)
13 Lüg mich nicht an (ES23 Remix)

Fakten

Act:                 SCHWARZSCHILD
Album:            Metrik
Release Date:  15.10.2021
Label:              Team H Entertainment
Vertrieb:          Edel
Medien:           CD, digital (streaming)
Quellen:           überall, wo man CDs bestellen kann, auf den großen Streamingportalen und auf Youtube

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