SUMMER BREEZE 2020 – The Lost Edition

Nach dem Festival ist vor dem Festival. So ist es jedenfalls seit Jahren bei mir. Erst das M’era Luna, dann geht es weiter zu Summer Breeze. So war es auch für 2020 geplant – der Urlaub war eingereicht, die Aufteilung auf die Autos grob geplant, Ersatz für den 2019 kaputt gegangenen Pavillon organisiert – und dann kam Corona. Erst war man optimistisch – August ist ja noch lange hin, bis dahin hat sich das schon wieder beruhigt… leider blieb diese Hoffnung unerfüllt, auch das M’era Luna und das Summer Breeze werden verschoben. 

So liege ich nun an der Ostsee am Strand und döse in der Sonne vor mich hin…

Puh, was ein geniales M’era Luna, auch wenn furchtbar heiß. So ab und zu verfluche ich meinen Job als Fotografin – zumindest wenn es über 30 Grad sind. Hoffentlich behalten die Wetterfrösche recht und es kühlt sich zum Wochenende merklich ab – auf dem Summer Breeze sind die Wege ja noch weiter und man brütet die meiste Zeit des Tages in der prallen Sonne. Am heutigen Montag steht erstmal die Bildbearbeitung und traditionell der Besuch des Tropicanas in Stadthagen inklusive Massagen an, die müden Knochen werden schließlich die Woche nicht geschont. So sitze ich abends in meiner Dachgeschoss Wohnung, die Füße in einem Eimer mit Eiswasser, und versuche, alles vor der Abfahrt morgen fertig zu bekommen. Natürlich – mal wieder über 3000 Bilder pro Tag. Ich schubse ich bis tief in die Nacht hinein Pixel, auch die Redakteure geben alles und so schaffen wir es tatsächlich am Dienstag früh alles zu veröffentlichen. Puh. 

Weiter gehts: Alle Speicherkarten und die Festplatte vom Laptop geleert, Zelt Equipment zusammengestellt und los gehts – Passat Tetris. Natürlich hat Lars nichts Besseres zu tun, als mit dem Handy die Tetris Melodie abzuspielen, während wir versuchen, eine Kleinstadt in unsere beiden Autos zu verladen. Einige Flüche später ist dies nun geschafft – der Cider den wir aus der Umverpackung rausgenommen haben soll uns später noch die komplette Fahrt so terrorisieren, dass er den Beinamen “Terror – Cider” bekommt aber hey – wir haben alles unter bekommen. Auf gehts – Dinkelsbühl wir kommen!

Schon auf der Autobahn erkennt man gleich, wer sich ebenfalls auf den Weg zum Breeze gemacht hat – natürlich ist ein dunkelgrauer Passat mit “666” im Kennzeichen voller schwarzer Gestalten und bis unters Dach vollgepackt auch auffällig. Ohne Zwischenfälle erreichen wir den heiligen Boden. Schnell die Pässe abgeholt und schon kann der Aufbau der Zeltstadt beginnen – natürlich mit dem ersten Cocktail in der Hand. Es ist Festival Zeit, die Zeit im Jahr, in der der Tag mit einem Vodka-E zum Frühstück beginnt. Der Dienstag ist dazu da, erstmal alle zu begrüßen, die man nur einmal im Jahr hier auf dem Summer Breeze sieht. Auch die ersten Grabenschlampen finden den Weg in unser Camp und es fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen. 

Es ist Mittwoch früh, die Sonne hat mich viel zu früh aus dem Zelt gegrillt. Naja was solls, Sonnenbrille auf, Vodka Energy in die Hand und ab dafür. Mirco zaubert Pancakes zum Frühstück, dann geht es das erste Mal das Gelände erkunden. Der Weg führt direkt zur T-Stage. Die letzten Meter renne ich, trotz Kameras, und fliege meiner Lieblings Schlampe Markus in die Arme. Viel zu lange habe ich ihn nicht gesehen. Auch die anderen Grabenschlampen werden herzlich begrüßt. Hach wie habe ich die Bande vermisst…! So gibt es den ersten Tag ordentlich gute Musik auf die Ohren, es wird viel gelacht und die Stimmung ist wundervoll. So wie jedes Jahr. Es wird dunkel, es wird wieder hell – Donnerstag – dunkel – wieder hell – Freitag, Party, gute Musik, wundervolle Menschen…

Brrrr – ich muss wohl eingeschlafen sein – Mirco sitzt frech grinsend neben mit und beobachtet meine Reaktion auf den Eiswürfel, den er mir auf den Rücken gelegt hat. Ach menno.. heute wäre der Breeze Samstag – vollgepackt mit guten Bands, tollen Menschen und einer Menge Spass. Doch leider haben wir Corona. Niemand kann es mehr hören, alles was damit zu tun hat nervt. Und doch ist es immer noch richtig und wichtig sich an die Maßnahmen zu halten, auch wenn unser schönes Familientreffen dieses Jahr deshalb ausfallen muss. Ja, es gibt Streaming Varianten, aber diese werden das Festival Feeling nicht ersetzen können. So muss ich einige Menschen die mir über die Jahre wichtig geworden sind ein weiteres Jahr vermissen und weiter hoffen, dass 2021 unter einem besseren Stern steht. Bis dahin gehen meine Gedanken an die Menschen, die momentan quasi Berufsverbot haben, an alle Techniker, Busfahrer, Agenturen.. etc. sowie an die Bands, die nicht auftreten können und die Clubs, die nicht öffnen dürfen. Wir alle hoffen, dass die Politik endlich mal etwas tut um euch zu helfen, dass es irgendwann wieder vernünftige Konzerte und Festivals geben kann. 

Ich krame einen Cocktail aus der Kühltasche – auf alle meine Festival Freunde – Fotografen, Grabenschlampen und alle anderen – Prost – wenn auch aus der Ferne. Ich vermisse euch. Auf das wir bald wieder zusammen feiern können.

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Fotos: Micha Mayer

Cynthia Theisinger

#metalyoshi :P Du kannst frei sein - nur für dich - lass alles los du brauchst es nicht. Ich höre: Da blicke selbst ich nicht mehr durch Oo - von Melo-Death über Metalcore über Punk bis hin zu EBM und übelstem Industrial (hauptsache es scheppert ordentlich^^) eigentlich alles...