“Sprich “Freund” und tritt ein” – “Rock-Gandalf” MARKO HIETALA und seine Gefährten führen uns durch die Minen von Oberhausen

(english version below)

Ob die Bezeichnung beim Konzert in Breslau, wo es ein Plakat mit dieser Aufschrift zu sehen gab, das erste Mal aufgetaucht ist, ist unklar, aber der Spitzname ist so brilliant wie passend! MARKO HIETALA, der bekannte Sänger und Bassist von Bands wie NIGHTWISH und TAROT ist ein bescheidener Mann und würde wohl kaum ähnlich viel Weisheit, Führungsstärke und Kampfgeschick für sich beanspruchen wie Tolkiens berühmter Istar. Aber ähnlich beliebt ist er in der Metalszene zweifellos und der Bart ist auch stattlich genug.
Konzerte auf Debut-Touren sind jedenfalls immer etwas Besonderes – selbst wenn eine neue Band nicht aus halbgöttlichen Wesen, aber immerhin aus passionierten Musikern mit göttlichem Sound besteht. MARKO HIETALA muss man nun wirklich niemandem mehr vorstellen. Endlich hat er einmal Zeit gefunden, eine Solo-Platte zu veröffentlichen (“Pyre Of The Black Heart” Review hier nachzulesen), um all die musikalischen Vorstellungen frei ausleben zu können, die ihm in seinen anderen Bands bislang zu kurzkamen. Die englischsprachige Version sollte nun auch auf die Bühnen Europas gebracht werden, um das kurze Zeitfenster zu nutzen, das sich vor dem Erscheinen des neuen NIGHTWISH-Albums “Human :||: Nature” auftat. Wie schlug sich der Veteran großer Arena-Shows nun auf den kleinen Clubbühnen?

Die erste Überraschung ereignete sich schon bei Erreichen des Venues Turbinenhalle 2 in Oberhausen. Ein Zettel an der Tür wies auf die kurzfristige Verlegung des Gigs in den benachbarten Kulttempel hin. Vielleicht wurden aufgrund des Sonntages weniger Tickets verkauft als angenommen, aber die Verlegung in den kleineren Club bedeutete auch eine intimere Atmosphäre, was dem sehr persönlichen Material des Albums dann umso gerechter wurde. Unser Redakteur hatte vorher die außergewöhnliche Möglichkeit, den Musiker persönlich zu einem Interview zu treffen, dazu bald mehr auf unserer Homepage. Zunächst konnte die Supportband OCEANHOARSE zeigen, was sie drauf hatte. Nein, das ist kein Schreibfehler, mit Pferden oder bzw. Seepferdchen hat das Ganze nichts zu tun. “Hoarse” bedeutet “heiser”, was bei der Gesangstechnik des Sängers durchaus eine realistische Gefahr darstellte. Die Jungs stammen wie Markos Band auch aus Finnland, den Gründer und Gitarrist Ben Varon kennen manche noch von seiner vorherigen Band AMORAL. Ben glänzte auch durch kreatives, schnelles Gitarrenspiel, man merkte deutlich, dass hier kein Anfänger am Werk war. Der überwiegend recht aggressive Heavy Metal von OCEANHOARSE war durchaus mitreißend, man coverte sogar einen SLIPKNOT-Song, was für viel Jubel im Publikum sorgte. Der harte, schnelle Sound der recht jungen Band stellte einen Gegensatz zu Markos doch eher ruhig-nachdenklichem Album dar.

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Fotos: Ulli

MARKO HIETALA, der mit Anssi Nykänen, Vili Ollila und Tuomas Wäinölä erfahrene Weggefährten für Drums, Keyboard und Gitarre rekrutiert hatte, betrat die Bühne wie der würdevolle Rockstar, der er ist und begrüßte das Publikum. Da “Pyre Of The Black Heart” die bislang einzige Solo-Veröffentlichung dieser Formation war, wurde das Debut-Album in voller Länge gespielt, ergänzt durch einige Coverversionen. Mit “Stars, Sand And Shadow” begann das Set gefühlvoll und wurde mit “Dead God’s Son” dann gleich etwas rockiger. Der sichtlich gut gelaunte Frontsänger führte als Moderator zwischen den Songs sympathisch durch den Abend und stellte schnell durch Blitzumfragen fest, dass die Leute besonders scharf auf eine “Rockshow” waren. Die Vielseitigkeit des Albums hätte nämlich durchaus ganz unterschiedliche Schwerpunkte zugelassen. Die leisen Töne fanden aber auch genug Anhänger bei den Gästen in Oberhausen, die Ballade “The Voice Of My Father” wirkte im heimeligen Kulttempel besonders gut. An sechster Stelle im Set folgte dann das erste der erwähnten Cover und zwar von dem finnischen Singer-Songwriter Heikki Veikko Harma, bekannt unter seinem Künstlernamen HECTOR. Dieser wurde von MARKO HIETALA als herausragender Schreiber von Songtexten gewürdigt, “Olet lehdetön puu” (“Du bist ein blattloser Baum”) war der einzige Song im Set in der Muttersprache der Band. Danach folgten wieder drei eigene Songs (“I dream”, “I Am The Way” und “Runner Of The Railways”), bevor zur Freude der älteren Zuhörer das David Bowie-Cover “Starman” in einer sehr überzeugenden neuen Version erklang und auf dem Heimweg für manchen Ohrwurm sorgte (Gruß an unsere begnadete Fotografin Ulli!). Mit der Singleauskopplung “Stones” über die Hürden, die man im Leben überwinden muss, war vorerst das Ende des Gigs erreicht, aber natürlich gab es noch eine Zugabe.

Man konnte während des Konzertes durchaus eine Entwicklung bei der Stimmung beobachten. Markos humorvolle Ansagen wurden zunächst wenig vom Publikum quittiert, offenbar musste manch einer erst warmwerden. Aber der Applaus und die sonstige Resonanz stieg in der zweiten Hälfte dann deutlich an, weshalb es auch nicht an Anfeuerungsrufen für eine Zugabe mangelte. Der erste Zusatzsong war dann ein richtiger Kracher der Rock- und Metalgeschichte: BLACK SABBATHs “War Pigs” machte den passionierten Musikern sichtlich Spaß und das übertrug sich auch auf das rockhungrige Publikum. Für den letzten Song des Abends wurde dann ein Cello auf die Bühne gebracht und Marko bewies sein breit gefächertes Talent auch auf diesem Instrument, im hinteren Part des tollen Songs “Truth Shall Set You Free”. Ein äußerst gelungener Konzertabend ging dann doch noch zuende und die gewünschte Rockshow bekamen wir natürlich, aber auch große Gefühle. In den Stadien der NIGHTWISH-Touren ist MARKO HIETALA meistens weit weg von seinen Zuhörern, hier bekam man ihn ganz nah, sowohl räumlich, als auch vom Gefühl her. Es ist schön, wenn ein großer Musiker so bodenständig geblieben ist und die Nähe zu seinen Fans nicht scheut. Das galt natürlich auch für seine Bandkollegen. Vili holte die unterschiedlichsten Klänge aus seinem Keyboard heraus und machte einen äußerst feschen Eindruck im Outfit in roter Seidenoptik. Gitarrist Tuomas (Jede finnische Band muss offenbar einen Musiker diesen Namens aufweisen, so will es das Gesetz!?) versank ganz in seinem Spiel und machte den Eindruck, voll darin aufzugehen. Der begnadete Schlagzeuger Anssi unterdessen, den laut Marko “jeder in Finnland kennt” beglückte uns am Ende des Sets mit einem phantastischen ausgedehnten Drumsolo. So präsentierte sich ein eingespieltes Team und der emotionale Funkenflug zum Publikum gelang auf ganzer Linie und entzündete die “black hearts” der Anwesenden. Kiitos!

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Fotos: Ulli

SETLIST MARKO HIETALA OBERHAUSEN

1. Star, Sand And Shadow
2. Dead God’s Son
3. The Voice Of My Father
4. For You
5. Death March For Freedom
6. Olet lehdetön puu (Hector cover)
7. I Dream
8. I Am The Way
9. Runner Of The Railways
10. Starman (David Bowie cover)
11. Stones

Zugabe

12. War Pigs (Black Sabbath cover)
13. Truth Shall Set You Free




(english version)

“Speak “friend” and enter!” – The “Rock-Gandalf” MARKO HIETALA and his fellowship guide us through the mines of Oberhausen

If this name appeared on the Wroclaw concert (as spotted on a huge poster) for the first time ever, is unknown, but this nickname is just brilliant and fits very good. MARKO HIETALA, bassist and singer of such bands as NIGHTWISH and TAROT is a modest man and would never claim as much wisdom, leadership and combat strenght as the famous Istar of Tolkien. But his popularity within the metal scene is comparable and have a look at this beard!
However, concerts at debut tours are always special, even if a new formed band consists not of demigod-like beings but of passionate musicians with kinda godlike skills. MARKO HIETALA doesn’t need to be introduced to anybody. He has finally found some time to release a solo album called “Pyre Of The Black Heart” to unleash all these elements in music, which didn’t fit his other bands yet. The english version of his album should be seen on the stages of europe now to spend the small time frame before the next NIGHTWISH release “Human :||: Nature”. How was the experienced musician doing on small club stages instead of the usual arena gigs?

The first surprise took place when we arrived at the venue: It got changed last minute to the near “Kulttempel” according to a cheat. Maybe it were’nt that many tickets sold in pre-sale because of the sunday. However, the change to Kulttempel could probably be even positive referred to the more intimate atmosphere of the club harmonising with the very personal stuff at the album. Our editor had the outstanding chance to meet Marko before the gig for an interview, you’ll be able to read that soon in our homepage. But first the support act OCEANHOARSE could show what they had up their sleeves. By the way, that’s not a typo, it hasn’t anything to do with horses or seahorses, but with throat drought, what is not unrealistic referred to the vocalist’s way of singing . The guys come from finland like Marko’s bandmates, some will know the founder and guitarist Ben Varon from his former band AMORAL. Ben was able to shine at playing the guitar rapidly and creativly. You could easily get aware of him being no rookie. The mostly hard and heavy metal of OCEANHOARSE was absolutely thrilling, they even did a SLIPKNOT cover which caused much cheering in the audience. The hard and fast sound of this quite new band constituted a contrast to Markos more calm and reflective album.

MARKO HIETALA, coming along with his companions Anssi Nykänen (drums), Vili Ollila (Keyboard) and Tuomas Wäinölä (guitar) entered the stage as the dignified rockstar he is and welcomed the audience. Considering “Pyre Of The Black Heart” being the first release of this band it got played in its entirety plus some cover songs. The set started soulfuly with “Star, Sand And Shadow” and continued with the wonderful rock song “Dead God’s Son”. Marko moderated the show between the songs in a sympathic and entertaining way and ascertained the people did mainly come to see a rock show. The diversity of the album would have allowed to focus on other things, too. And of course the soft sounds were highly appreciated also in Oberhausen, especially the ballad “The Voice Of My Father”. At the sixth position in the set the first cover song took place: “Olet lehdetön puu”, originally written by the finnish singer/songwriter Heikki Veikko Harma, better known as HECTOR, was the only song in finnish language this evening. The composer got glorified by Marko as an outstanding lyricist. After that followed three own songs (“I dream”, “I Am The Way” and “Runner Of The Railways”) and than especially the elder people were happy to hear a proper cover of the song “Starman” by David Bowie, which caused a persistent earworm at the way home (As confirmed by our fabulous fotographer girl Ulli). But then the end of the gig seemed to take place in the magnific single “Stones”, dealing with the obstacles we have to face in life while moving forward. But fortunately there was an encore!

You could say there has been an development in the audience’s mood during the show. Marko’s humorous announcements were poorly answered in the first half of the set, so many people needed to warm up first. But applause and other responses increased in the second half and so there was no lack of “encore!”-shouts at the end. The first of these songs was a real stunner of the rock and metal history: BLACK SABBATH’s “War Pigs” was real fun for the musicians and the pleased crowd as well. For the really last song of this evening the roadies brought a cello, so Marko could prove his widespread talents by playing this instrument during the last part of the beautiful song “Truth Shall Set You Free”. So a successfull special evening came to an end and we got the desired rock show but also emotions. Marko uses to play at big stadium concert stages with NIGHTWISH and therefore is often far away from the fans, but in Kulttempel Oberhausen there was no distance, neither physically nor emotionally. It’s good to see a great musician staying down to earth and being near to the fans. That applied to his bandmates, too. Vili produced many different sounds with his keyboard and looked quite stylish in his red silk outfit. Tuomas, the guitarist (Is there a law to ensure every finnish rock band has someone with this name?) was deepened and wrapped up in his music totally. The gifted drummer Anssi (well-known by everybody in finland, according to Marko) pleased us by presenting an extended drum solo at the end of the concert. That way a well attuned team ignited the spark which set our “black hearts” on fire at least. Kiitos!

SETLIST MARKO HIETALA OBERHAUSEN

1. Star, Sand and Shadow
2. Dead God’s Son
3. The Voice Of My Father
4. For You
5. Death March For Freedom
6. Olet lehdetön puu (Hector cover)
7. I Dream
8. I Am The Way
9. Runner Of The Railways
10. Starman (David Bowie cover)
11. Stones

Encore

12. War Pigs (Black Sabbath cover)
13. Truth Shall Set You Free