Nordisches Schlachtfeld: DIMMU BORGIR mit AMORPHIS und WOLVES IN THE THRONEROOM spielen alles in Grund und Boden

(english version below)

Es kommt nicht alle Tage vor, dass einige Favoriten aus der persönlichen Playlist gemeinsam eine Tour bestreiten. Und die Mischung klingt eigentlich auf den ersten Blick durchaus gewagt. AMORPHIS und DIMMU BORGIR als skandinavisches Co-Headliner-Duo in Begleitung der US-amerikanischen Post-Black-Metaller WOLVES IN THE THRONEROOM. Seit der Vorankündigung dieser Tour war ich bereits in Vorfreude verfallen, insbesondere nachdem ich DIMMU BORGIR´s grandiose Show im Rahmen des letztjährigen Summer Breeze noch in lebhafter Erinnerung habe. Nun war es dann endlich soweit, dass sich dieses Package in meinen heimischen Gefilden aufhielt, nachdem in den vergangenen Tagen bereits einige Städte in den Genuss dieser abwechslungsreichen Bandmischung kommen durften. Und so viel sei vorweg schon einmal verraten, das Warten hat sich gelohnt!

Aber der Reihe nach:

WOLVES IN THE THRONEROOM

Nachdem ein gefühlt übertrieben langes Intro die passende atmosphärische Erwartungshaltung erzeugt hat, entern die Wölfe den Thronsaal, der bereits zu etwa drei Vierteln gut gefüllt erscheint, und entfalten mit ihrem Post-Black sofort eine düster-magische Stimmung mit ihrem Song „Born From the Serpents Eye“ . Diesem folgen auch nur noch zwei weitere, allerdings recht lange Stücke und nach einer halben Stunde, just als sich die Gehörgänge auf ihre Art der Interpretation des Black-Metal kalibriert haben, ist auch schon alles wieder vorbei. War aber schön, es mal live erlebt zu haben und ein wenig zu schwelgen.

200131_Wolves_Oberhausen_04

Fotos: Nola

AMORPHIS

Deutlich melodiöser, wenngleich mindestens ebenso komplex in den Arrangements geht es dann mit AMORPHIS weiter, die dieses Jahr ihr 30 jähriges Bandbestehen feiern und anlässlich dessen ein 70 minütiges Set spielen, das einen Querschnitt durch die gesamte Schaffensperiode der sympathischen Finnen liefert. Eröffnet mit dem ersten Song ihres aktuellen Studio-Albums „Queen of Time“ , „The Bee“, herrscht in der Halle sofort gute Stimmung und es kommt nachhaltig Bewegung in die Fanschar, die inzwischen den Raum fast überquellen lässt. Gekonnt routiniert legen die Jungs um Frontmann Joutsen los und lassen keinen Zweifel daran, dass sich die Band ebenfalls in bester Laune befindet. Nachdem mit „Heart of the Giant“ ein weiterer Track des Albums zitiert wurde, kommt bald darauf der Klassiker, der wohl in keiner AMORPHIS Setlist fehlen darf: „Silver Bride“. Mit seiner unverkennbaren Hookline wird von den Fans genauso gefeiert, wie andere ältere Stücke aus der Bandhistorie, wie z.B. „Into Hiding“ vom „Thousand Lakes“ Album.  So wechseln die noch etwas simpler strukturierten Songs mit den etwas progressiver arrangierten, aktuellen Kompositionen, wie „Wrong Direction“ ab und gestalten die Performance sehr unterhaltsam und gelungen.

Spätestens nach dem Mitsing-Song „House of Sleep“, bei dem noch einmal das gesamte Publikum zum Chor wird, durfte dann allerdings bald klar sein, dass sich das Set schon leider dem Ende zuneigt. Abgerundet und abgeschlossen wurde dieses dann standesgemäß von „Black Winter Day“ und hinterlässt mich wieder einmal mit dem Gefühl, dass es wohl nie einen wirklich schlechten Auftritt von AMORPHIS geben dürfte. Wenngleich ich den Eindruck hatte, dass der Mann an den Soundreglern eventuell nicht seinen besten Tag erwischt hatte, denn irgendwie wirkte der Sound auf mich ungewohnt dumpf und basslastig, wodurch viele Nuancen und Details des anspruchsvollen Songwritings und der typischen Komplexität der Melodieführung der Gitarren und der eigentlich prägnanten Keyboards stark in den Hintergrund gedrängt wurden. Vielleicht stand ich aber auch einfach nur zu nah an den Subwoofern, wer weiß.

Alles in Allem aber wieder mal schlichtweg eine solide, AMORPHIS-typische Performance, wie man sie jederzeit gerne sieht.

200131_Amorphis_Oberhausen_01

Fotos: Nola

DIMMU BORGIR

Schon mit den ersten Akkorden wird sonnenklar, was nun folgt: epischer, norwegischer Black Metal in Reinkultur und Perfektion. Und auch ohne die bei Open-Airs üblichen Pyros überzeugen DIMMU BORGIR mit ihrer Bühnenpräsenz und machen mächtig Eindruck. Heute reicht dafür ein düster flackernder, siebenarmiger Kerzenleuchter völlig. Das liegt natürlich sowohl an dem absolut tighten Zusammenspiel der Band, als auch an der gekonnten Inszenierung der Songauswahl, deren Schwerpunkt selbstverständlich häufig das letzte Studio-Album „Eonian“ zitiert, wie bereits der Opener „The Unveiling“.

Hinzu kommt Shagraths charakteristisch-kehliger Gesangsstil, seine ruhige Gestik und Mimik, die trotz oder gerade wegen des Warpaints bedrohlich fordernd wirkt und den Zuschauer in seinen Bann zieht. Auch wenn die Ansagen eher spartanisch ausfallen, wirkt seine Aura bis in die letzte Reihe der Audience, die sich allerdings nach und nach bereits merklich ausdünnt. Scheinbar sind einige AMORPHIS Fans bereits in Richtung Heimat aufgebrochen. Selber Schuld würde ich meinen!

Reichlich Nebelschwaden und Stakkato-Licht untermalen das Doublebass-Gewitter, das aus den Boxen dröhnt, dass es einem Angst und Bange wird und einen ehrfürchtig den Takt mitgrooven lässt, ob man will oder nicht! Hier einige Highlights der Setlist explizit herauszustellen, wäre schlicht am Thema vorbei, denn zu konstant ist die Qualität der dargebotenen Songs, zu intensiv und faszinierend die erzeugte Atmosphäre. Vielleicht einen persönlichen Favoriten könnte ich benennen: „The Serpentine Offering“ hat mir besonders viel Spaß bereitet, selbstverständlich neben der ultimativen Dimmu-Hymne „Mourning Palace“, welche das Ende des Abends markierte.

Eigentlich kann man zu dieser Show nur eines sagen: Perfekt! Gigantisch! Sensationell! Wer diesen Abend verpasst hat, hat aus meiner Sicht eines der echten Highlights der erst jungen Konzert-Saison 2020 verpasst.

DIMMU BORGIR haben dem Abend die Krone aufgesetzt und die Halle in ein nordisches Schlachtfeld verwandelt und die Fans in Grund und Boden gespielt! Mächtig, einfach nur MÄCHTIG!

Bedauerlich finde ich einzig, dass ich leider nicht die Gelegenheit haben werde, dieses Package im Rahmen der Tour ein weiteres Mal zu sehen…

200131_Dimmu_Borgir_Oberhausen_01

Fotos: Nola

(english version)

It is not every day that some favorites from the personal playlist take part in a tour together. And at first glance, the mixture actually sounds quite daring. AMORPHIS and DIMMU BORGIR as a Scandinavian co-headliner duo accompanied by the US post-black metallers WOLVES IN THE THRONEROOM. I had been looking forward to the announcement of this tour, especially after I still vividly remember DIMMU BORGIR’s terrific show as part of last year’s Summer Breeze. So it was finally time for this package to be in my home region, after others enjoyed this varied band mix in the past few days in some citys. And so much can be said in advance, the wait was worth it!

But one after another:

WOLVES IN THE THRONEROOM

After an intro which feels like an exaggerated length has created the right atmospheric expectations, the wolves enter the throne room, which already seems to be well filled to about three quarters, and immediately develop a dark, magical mood with their song “Born From the Serpents”. This is followed by only two more, albeit rather long pieces, and after half an hour, just when the ear canals have calibrated their way of interpreting Black Metal, everything is over again. But it was nice to have seen it live and to indulge a little.

AMORPHIS

Much more melodic, although at least as complex in the arrangements, it continues with AMORPHIS, who are celebrating their 30th anniversary this year and are playing a 70-minute set that provides a cross-section of the entire creative period of the likeable Finns. Opened with the first song of their current studio album “Queen of Time”, “The Bee”, there is an immediate good mood in the hall and there is sustained movement in the fan base, which now almost overflows the location. Skillfully experienced, the guys around front man Joutsen get going and leave no doubt, that the band is also in a good mood. After “Heart of the Giant” was quoted as another track on the album, the one and only classic soon follows, which should not be missing in any AMORPHIS setlist: “Silver Bride” with its unmistakable hookline is celebrated by fans just like other older pieces from the band history, such as “Into Hiding” from the “Thousand Lakes” album. So the simpler structured songs alternate with the more progressively arranged, current compositions such as “Wrong Direction” and make the performance very entertaining and successful.

At the latest after the sing-along song “House of Sleep”, in which the entire audience once again becomes a choir, it was soon clear that the set was unfortunately coming to an end. This was then finished by “Black Winter Day” and left me with the feeling that there could never be a really bad appearance by AMORPHIS. Although I had the impression that the man on the sound-controls might not have had his best day, because somehow the sound seemed unusually dull and bass-overloaded to me, which means many nuances and details of the sophisticated songwriting and the typical complexity of the melody line of the guitars and the actually concise keyboards were pushed strongly into the background. Or maybe I was just too close to the subwoofers, who knows.

All in one, it was simply a solid, AMORPHIS-typical performance, as you would like to see it at any time.

DIMMU BORGIR

Already with the first chords it becomes clear what comes up! Epic, Norwegian black metal in pure culture and perfection. And even without the pyros common to open airs, DIMMU BORGIR impressed with their stage presence and make a powerful first impression. Today, a dark, flickering, seven-armed candlestick is enough. This is of course due to the absolutely tight interplay of the band, as well as the skilful staging of the song selection, which focused of course quite often to the last studio album “Eonian”, like the opener “The Unveiling”.

Added to this is Shagrath’s characteristic throaty vocal style, his calm gestures and facial expressions, which despite or perhaps because of the Warpaints appears threatening and casts a spell over the audience. Even if the announcements are rather spartan, his aura has an effect right into the last row of the audience, which is gradually thinning out, however. Apparently some AMORPHIS fans have already left for their way home. I would think it’s for their own pitty. Plenty of fog and staccato light underline the double bass thunder that booms out of the speakers, that it frightens you and makes you groove with the beat at the same time, whether you like it or not! To highlight some of the specials of the set list would simply be needless, because the quality of the songs performed is too constant, the atmosphere created is too intense and fascinating. Perhaps I could name a personal favorite: “The Serpentine Offering” was a lot of fun to me, of course, in addition to the ultimate Dimmu-anthem “Mourning Palace”, which marked the end of the evening.

Actually, you can only say one simple thing about this show: perfect! Gigantic! Sensational! From my point of view, anyone who missed this evening missed one of the real highlights of the young concert-season 2020.

DIMMU BORGIR totally topped this evening and turned the hall into a Nordic battlefield and played the fans down to the ground! Mighty, just MIGHTY!

I only regret that unfortunately I will not have the opportunity to see this package again as part of the tour …