Review: ALIENARE – “Neverland”

“Es gibt einen Ort, an den du fliehen kannst, um all deine Sorgen zu vergessen. An dem du glücklich und vor allem eines sein kannst: Du selbst! ALIENARE nehmen uns auf ihrem dritten Album mit auf eine Reise an genau diesen Ort. Unter fremdartigen Himmeln hindurch, teilweise beschwerliche Pfade, auf denen man die Farbe seiner Seele preisgibt, um die Beschwerlichkeit der Welt reinzuwaschen und festzustellen, dass es nie zu spät ist, bis man schlussendlich am Ziel ankommt. ALIENARE zeigen ihre konsequente musikalische Weiterentwicklung mit modernem Synthpop, im Ohr bleibenden Melodien und stecken die Energie der vergangenen Konzerte hörbar mit in die neuen Songs. Mit Neverland machen sie den stupiden Alltag für eine gewisse Zeit vergessen.”

Erst 2018 brachten ALIENARE mit “AtelophobiA” ihr zweites Album auf den Markt. Jetzt, Ende 2019 steht mit “Neverland” bereits der Nachfolger in den Regalen. Während “AtelophobiA” sich mit der Angst davor beschäftigte, nicht gut genug zu sein, ist “Neverland” wie eine Reise an einen besseren Ort. Eingeklammert in “Departure” und “Arrival” begibt man sich mit diesem Album auf die Reise.

Mit “#NEON”, “The Colour Of My Soul” und “World Away (feat. AnnA Lux)” wurden drei der zwölf Titel bereits im Vorfeld veröffentlicht.

Los geht es – wie sollte es bei einer Reise auch anders sein – mit “Departure”, einem treibendem Song, der den Mut zu einem Aufbruch ins Unbekannte musikalisch nahezu perfekt vertont. Weiter geht es mit “Unfamiliar Skies”, dem Song der mit düsteren Beats und dunkler Stimme eröffnet und versucht, das Unwilkommensein in Musik zu verpacken. Düstre, schwer und “abweisend” – “Wäre ich doch schon früher gegangen” ist eine der Hauptaussagen des Songs. 

Mit “#NEON” geht es mit der ersten Single weiter, die so gar nicht zu den beiden Vorgänger Songs passen will. “Wir leben oder sterben heute”. Dieser Song sprengt die aufgebaute Düsternis und hat das Zeug zu einem wahren Clubhit. Empfehlung: im flackernden Neonlicht laut hören, einen drink in der Hand und alles um sich herum vergessen. Zu “World Away (feat. AnnA Lux)”, der dritten Single hat man sich mit AnnA Lux eine Gastsängerin mit ins Boot geholt. In diesem getragenen, ruhigen Song harmonieren die beiden Stimmen super miteinander. Hier geht es weniger um tanzen als ums Träumen. Einmal aus der Welt entfliehen…  

“Time Machine” ist dann wieder deutlich tanzbarer mit treibendem Beat. Die Strophen sind mehr gesprochen als gesungen. Es geht um den Wunsch, in der Zeit zurück zu reisen und etwas zu verändern. In “Ghost” schlüpft man in die Rolle eine ruhelosen Geists, der umherwandert. Musikalisch wurde die mystische, leicht verspielte Stimmung dabei sehr gut eingefangen. Zurück zum menschlichen geht es mit “Human”. Für mich einer der positivsten Songs des Albums, der sich weniger mit der Flucht in eine andere Welt beschäftigt sondern mehr mit dem Thema “du lebst nur einmal – mach das Beste draus” beschäftigt – natürlich entsprechend musikalisch untermalt mit quirligen Synths. “The Colour Of My Soul” scheint auf dem ersten Blick ein fast schon typischer “Love Song” zu sein. Nachdenklich, aber mit freundlichem Unterton und von Streichern eröffnet. Für mich tatsächlich der schwächste Song auf der Platte, da er mich zu sehr an BLUTENGEL erinnert und irgendwie auch nach mehrmaligem Hören nicht im Ohr hängen bleiben will.

Die leicht bedrohlichen Beats stehen mit fast poppigen, verspielten Synths im kompletten gegensatz bei “Never Too Late”. Der Song wendet sich zur Songmitte hin von zuerst recht negativer Grundstimmung zu der vertonten Aussage, dass es nie zu spät ist und man keine Angst haben soll. Eine Hymne an das schwarz, das “The Deepest Of All Blacks” lädt mit seinen “Ooohoohoho” Party zum mitsingen ein. Tanzbarer Beat, passende Synths, die wie die Faust aufs Auge zu den Lyrics passen, sollten der schwarzen Anhängerschaft einen neuen Club Hit beschweren… fragt sich nur, was ist aus #NEON geworden?

Es geht tanzbar weiter. “Something Like This” ich nochmal einen Schritt aggressiver, nach vorn strebender. viel zackiger vom Tempo. Nichts ist mehr von der Schwere von “Departure” zu spüren. Wild und ungezähmt geht der Song ins Ohr und setzt sich da unweigerlich fest. Schon wieder Clubhit Potential. Der Bogen zum Anfang wird geschlagen – denn nach einem Aufbruch kommt man auch irgendwann an. ”Arrival” vertont die Leichtigkeit, angekommen zu sein. Die Leichtigkeit des “angekommen seins”, das Gefühl, den Ballast abgeworfen zu haben und “Zuhause” zu sein, spürt man auch musikalisch. Hört leider irgendwie sehr abrupt auf.

“Neverland” kann man als in sich geschlossene Geschichte über den Aufbruch in eine andere, bessere Welt verstehen, in der jedes Gefühl als ein Kapitel für sich behandelt wird. Dabei ist vor allem die stimmliche Weiterentwicklung von T-Green hervorzuheben, denn diese haucht den Songs erst eine Seele ein. Kurzum: Wer mit der Musikrichtung etwas anfangen kann, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Wir sind gespannt, wie sich das Ganze live macht.

Wertung: 8,5 von 10 Punkten.

 

Cynthia Theisinger

#metalyoshi :P Du kannst frei sein - nur für dich - lass alles los du brauchst es nicht. Ich höre: Da blicke selbst ich nicht mehr durch Oo - von Melo-Death über Metalcore über Punk bis hin zu EBM und übelstem Industrial (hauptsache es scheppert ordentlich^^) eigentlich alles...