Review: MÄRZFELD – Zorn

Endlich ist es soweit: Am 04. Oktober veröffentlichen MÄRZFELD ihr neues Album „Zorn“. Der vierte Longplayer des fränkischen Quintetts um Sänger Heli Reißenweber führt konsequent den Weg weiter, der mit dem letzten Album „Ungleich“ (2017) eingeschlagen wurde. Treibende Beats paaren sich mit eingängigen Gitarrenriffs, die von melodischen Keyboardeinsätzen getragen werden. Textlich behandeln die zehn neuen Tracks sämtliche Abgründe und Schwächen der menschlichen Existenz.
Der titelgebende Opener „Zorn“ entfacht direkt ein Feuerwerk an Dynamik und lässt den Hörer das keimende Gefühl verfolgen, das sich aus einem negativen Kern durch die Hirnwindungen wahrnehmbar aber unkontrollierbar zum Wutausbruch entwickelt.
Kontrollierter und gefasster, aber nicht weniger energisch folgt mit „Ohrblut“ gleich der nächste Song, der jedoch nicht zu wie vom Namen her zu erwarten die Ohren zum bluten bringt, sondern mit einer Melange von Rhytm’n’Blues und kernigem Rock zum mitgehen animiert. Das „Die Sünde lebt“ erläutert Heli ausführlich und eindringlich zu einer ohrwurmverdächtigen Melodie deren Rhythmus unweigerlich ins Tanzbein fährt.

Emotional zerrissen folgt die erste Single-Auskopplung „Schwarzer Schnee“, die das Thema Depression aufgreift und die Einblicke in die verzweifelte Gedankenwelt eines Menschen gibt, der an Depression erkrankt ist. Ein trauriger Schicksalsschlag im Umfeld der Band wird in diesem Song aufgearbeitet und verarbeitet. Wie selbstherrlich und rücksichtslos Menschen denken und handeln, die „Reich“ sind, wird mit herrlich bissiger Aggressivität im nächsten Song behandelt, dessen treibende Dynamik auch im nachfolgenden Track „Bittersüß“ aufgegriffen wird, der den sündhaften Aspekt triebhaften Verlangens manifestiert. In „Einer wie alle“ greift MÄRZFELD die Uniformität des Individualisierungswahns an, in der jeder aus der Masse herausstechen will um sich zu guter Letzt auf dem bitteren Boden der Tatsachen wiederfinden zu müssen. Apokalyptische Zustände werden in „Flammenhände“ bildlich ausgeweidet, während mit der nächsten Nummer „Menschling“ der meiner Meinung nach beste Song des Albums aufwartet. „Menschling“ besticht durch eine eingängige Melodie und einen perfekten Mitgeh-Rhytmus. so dass nach erfolgtem Hören mehr als nur einmal die Wiederholen-Taste gedrückt wurde. Dass die Menschheit durch ihre Ausbeutung des Planeten ihren eigenen Untergang herbeiführt und nun mit den Folgen ihres Handels konfrontiert wird, behandelt „Die Welt reißt auf“ in eindringlichen Bildern.
Als finales Schmankerl dient „Zeig mir die Nacht“, eine Coverversion der Münchner Freiheit, und legt den Song in ein nun angenehm hörbares und tanzbares Soundgewand.

Das Warten auf das neue Album hat sich vollauf gelohnt, und Freunde der Neuen Deutschen Härte werden in diesem Werk ihre Freude haben, denn es vereint Tanzbarkeit und Dynamik mit eingängigen Melodien und gehaltvollen Texten.

Jedoch wäre es schade, diese Songs nur von Platte zu hören, deshalb gibt es direkt im Anschluss zur Albumveröffentlichung die Chance, die neuen Songs live auf Herz und Nieren zu prüfen!

17.10. ESSEN – Turock
18.10. WUPPERTAL – Underground
19.10. SIEGBURG – Kubana
23.10. MÜNCHEN – Backstage
24.10. AUGSBURG – Spectrum
29.10. NÜRNBERG – Hirsch
30.10. LEIPZIG – Hellraiser
31.10. BERLIN – Nuke Club
01.11. OSNABRÜCK – Bastard Club
02.11. WETZLAR – Black Pearl
09.11. WOLFENBÜTTEL – KuBa Kulturhalle

Bewertung: 4 von 5 Punkten