Review: WARDRUNA – Tanzen wieder mit der Bärin durch die Wälder
Mit ihrem neuen Album Birna liefert die norwegische Band Wardruna wieder beeindruckendes Werk ab. Unter der Leitung von Einar Selvik bleibt die Gruppe ihrer Tradition treu, Musik mit tiefer kultureller und spiritueller Bedeutung zu schaffen. Birna bedeutet im Altnordischen „Bärin“ und widmet sich der Verbindung zwischen Mensch und Natur. Es erzählt die Geschichte der Wächterin des Waldes, die das Gleichgewicht in der Natur wiederherstellen soll – eine Botschaft, die in unserer Zeit aktueller nicht sein könnte.
Das Album ist wieder ein Konzeptwerk, das den Hörer mit zehn Tracks in eine Welt voller nordischer Mythen und Naturklänge entführt. Wardruna verwendet traditionelle Instrumente wie die Tagelharpa, Trommeln und Flöten, kombiniert mit aufgenommenen Geräuschen aus der Natur, etwa Vogelgesang und Wasserrauschen. Als kleines Detail ist der Herzschlag eines schlafenden Bären, der mit etwa neun Schlägen pro Minute als rhythmisches Element in vielen Songs auftaucht aufgenommen. Dieses subtile Detail verstärkt die Atmosphäre und die zentrale Botschaft des Albums: die Rückkehr zur Harmonie mit der Natur.
Der Opener „Hertan“ zieht den Hörer sofort in die Fjorde Norwegens. Mit kraftvollen Trommeln und intensivem Gesang setzt er den Ton für das gesamte Album. Nachfolgend kommt der Titeltrack „Birna“ als das Herzstück des Albums daher. Die Kombination aus Lindy-Fay Hellas ätherischem Gesang und Einar Selviks tiefer Stimme erzeugt hier wieder eine faszinierende Spannung. Die donnernde Percussion und die eingängigen Melodien machen diesen Song zu einem Highlight.
„Dvaledraumar“ ist ein 15!-minütiges Epos, das an eine alte nordische Sage erinnert. Die langsamen, schwebenden Melodien und die meditative Stimmung lassen den Hörer tief in die Welt von Birna eintauchen oder man wacht verwirrt neben einem Baum auf.
„Himinndotter“ ist ein ebenso ein wahrlich mächtiger Song, die Chorgesänge und Einars Stimme trägt diesen recht schnellen Song über die Wellen bis an die Küsten Englands.
„Hibjørnen“ ist ein weiteres Highlight, das mit minimalistischer Instrumentierung und ruhigem Gesang einen Kontrast zu den intensiveren Stücken des Albums bietet. Der Song erinnert stark an frühere Werke wie Skald und lädt zum Nachdenken ein. „Skuggehesten“ ist dagegen wieder ein schnelles Werk das mit den Wölfen durch die Wälder jagt, immerhin machen es einige Töne recht glaubhaft.
Die Produktion von Birna ist meisterhaft, die traditionellen Klänge werden mit modernen Aufnahmetechniken kombiniert, sodass die Musik gleichzeitig zeitlos und frisch wirkt. Die Instrumente klingen authentisch, und die Naturgeräusche fügen sich nahtlos in die Songs ein. Besonders beeindruckend ist, wie gut die Dynamik der Songs abgestimmt ist: Sie bauen sich organisch auf und erzeugen eine starke emotionale Wirkung.
Birna ist mehr als nur ein Album – es ist wie die Konzerte von Wardruna ein Erlebnis. Mit großem Respekt vor der Natur und einer tiefen Verbindung zu nordischen Mythen hat Wardruna ein Werk geschaffen, das berührt und zum Nachdenken anregt. Die Musik zieht den Hörer in eine andere Welt, lässt ihn innehalten und die Beziehung zwischen Menschen und Natur neu betrachten. Wardruna beweisen mit Birna einmal mehr, warum sie eine der spannendsten Bands im Bereich der nordischen Musik sind. Dieses Album ist ein Muss für alle, die tiefe, atmosphärische Klänge und starke Botschaften lieben.
Wertung: Epic/10
TRACKLIST
01. Hertan
02. Birna
03. Ljos til Jord
04. Dvaledraumar
05. Jord til Ljos
06. Himinndotter
07. Hibjørnen
08. Skuggehesten
09. Tretale
10. Lyfjaberg
https://www.wardruna.com/