“STRANDMAUL” in M’gladbach rocken den Sparkassenpark

Dass das einzigartige Konzept des “Strandkorb Open Air” in Mönchengladbach überzeugt, haben wir bereits vor ein paar Wochen anlässlich des VNV NATION-Konzertes berichtet. Doch eine Feuertaufe stand noch aus: Rockkonzerte!
Darum machten wir uns vergangenen Samstag auf in den Sparkassenpark, um dem ersten von zwei SCHANDMAUL-Konzerten an diesem Ort beizuwohnen.
Wer das Konzept noch nicht kennt, dem seien kurz die Eckpunkte dieser Konzertreihe skizziert: In einem kleinen Stadion (Hockeypark) haben die Veranstalter in neun abgetrennten Arealen etwa 450 Strandkörbe aufgebaut, obwohl die Stadt gute 200 Kilometer vom Meer entfernt liegt. Des Deutschen liebstes Korbgeflecht soll sicherstellen, dass die Corona-Abstandsregeln eingehalten werden und was soll man anders sagen als: Es funktioniert! Besonders regulierte Ein- und Auslasskonzepte und die Richtlinie, dass man sich während des Konzertes ausschließlich im oder vor dem Strandkorb aufhalten darf (dort kann dann sogar auf der Stelle getanzt werden!) sorgt dafür, dass man sich untereinander möglichst wenig begegnet. Und da alles nach oben offen ist, es sich also um ein Open Air handelt, haben auch die fiesen kleinen Aerosole keine Chance – der Wind, wenn auch von niederrheinischer statt von küstentypischer Intensität sorgt für ständigen Luftaustausch. Das Beste kommt aber noch: Jeder Strandkorb ist mit einer Kühlbox ausgestattet und auf der Homepage der Veranstaltung kann man Getränke und Snacks sowohl vorbestellen als auch während der Show online Nachschub ordern. Die Bestellung wird von den großartigen Jungs und Mädels des Personals dann “frei Korb” geliefert.

Die Band SCHANDMAUL selbst macht auch keinen Hehl daraus, dass sie unbeschreiblich froh ist, endlich wieder live spielen zu dürfen, denn ihr letztes Konzert vor Publikum, wie Frontmann Thomas Lindner vorrechnet, fand im NOVEMBER letzten Jahres statt. Die Spielleute haben also ordentlich Bock und sind bis zum Bersten voll mit Energie und Spielfreude.
Die verschiedenen Strandkorb-Areale sind übrigens nach – mit Ausnahme von “Mallorca” deutschen – Inseln benannt und so will Thomas erst einmal wissen, welche “Insel” denn am lautesten sei. Alle rufen aus vollen Kehlen und die Band ist beeindruckt. “Welche Insel wir sind, erzählen wir euch später”, verspricht der Sänger.
Und schon geht es mit dem allseits beliebten Song “Herren der Winde” los und schon tanzen viele vor ihren kleinen antiviralen Trutzburgen und lassen ihrer Freude freien Lauf, dass endlich wieder Liveklänge erlebt werden können.
Der nicht minder alte Song “Das Tuch” führt die mittelalterliche Setlist fort, gefolgt von dem Song “Krieger”, der Siegfried aus der Nibelungensaga gewidmet ist. Die Hitdichte ist also gleich zu Anfang schon sehr hoch. Wer fast neun Monate nicht mehr auftreten durfte, verschwendet keinen Gedanken an einen langsamen oder sanften Einstieg. Der Humor kommt bei SCHANDMAUL natürlich auch nicht zu kurz und so leitet Thomas Lindner den Märchensong mit einem philosophisch angehauchten Monolog darüber ein, dass die ursprüngliche Geschichte doch einige Ungereimtheiten bereithält. Nach dem gesungenen Statement in Richtung Rechtsextremismus (“Narren sind bunt und nicht braun!”) folgt dann als Highlight ein komplett neuer Song namens “Luft und Liebe”. Hierfür wurden vorab extra Textblätter in den Strandkörben abgelegt, damit das beständige Mitsingen des Publikums auch an dieser Stelle nicht abreißen sollte. Das Urteil der geneigten Zuhörerschaft über das neue Werk war deutlich positiv. Und so spielte die Band sich durch die erste Hälfte der Setlist, während langsam die Sonne über dem Sparkassenpark versank.

Schließlich wurde auch wie versprochen das Geheimnis aufgelöst, mit welcher Insel die Bühne sich in das “Meer” in Gladbach einreihte. “Wir sind Baltrum!”, verkündete Lindner und spielte folgerichtig den Song über die wahre Geschichte über den tragischen Tod des Seemannes Tjark Evers von Baltrum und sein Vermächtnis in Form eines Briefes in einer Holzkiste. Die tragisch-traurige Stimmung wurde aber nach diesem nachdenklichen Intermezzo fröhlich wieder hinweggefegt, als der fröhliche und schnelle Song “Missgeschick” angestimmt wurde. Apropos: Die Technik der Location funktionierte mal wieder einwandfrei, es gab keinerlei technische Störungen. Hut ab und ein großes Lob für die Technik-Profis vor Ort! Das Tempo wurde noch einmal gesteigert und plötzlich sah man vor den Körben allerhand Volk auf und abhüpfen, als Birgit Muggenthaler zum Tanz aufspielte. Großartig, wie die Stimmung immer gelöster wurde und je dunkler es wurde, desto mehr schienen die Menschen die dunkle Corona-Zeit hinter sich zu lassen. Die allerorts aufblühende Lebensfreude neu entfacht zu haben, war SCHANDMAULS größter Verdienst an diesem denkwürdigen Abend. Das große Finale begann aber dann doch bereits mit dem Gassenhauer “Der Teufel…” (hat den Schnaps gemacht) und einem der bekanntesten und beliebtesten Songs der Band: “Walpurgisnacht”. “Diese Nacht ist zwar lange schon vorbei , aber für euch feiern wir sie noch einmal. Das habt ihr euch verdient”, verkündete der Fronter der jubelnden Menge.
Und damit die Liebe nicht zu kurz kam (Vor dem Konzert hatte sie kurz einen Gastauftritt, als die Kiss-Cam zwei junge Grazien zu wilder Zuneigungsbekundung animierte, was ihnen als Preis einen Rucksack der Stadtsparkasse Mönchengladbach einbrachte) durfte ganz zum Schluss natürlich das Liebeslied “Dein Anblick” nicht fehlen. In der Dunkelheit flogen der Band dann in emotionaler Atmosphäre alle Herzen zu und als die Instrumente verstummten, hörte man aus der Menge noch lange den Choral: “Die Sonne, die Sterne tragen Kunde von dir. Jeder Lufthauch erzählt mir von dir. Jeder Atemzug, jeder Schritt trägt deinen Namen weit mit sich mit”.

Wer dieses grandiose Gefühl nun selbst erleben will und sich fragt “Wie lange habe ich SCHANDMAUL jetzt nicht mehr live gesehen” oder einfach nur die tolle Atmosphäre beim Strandkorb Open Air nachempfinden möchte, dem sei das Zusatzkonzert am 24. September an gleicher Stätte empfohlen. Karten gibt es noch HIER
Die Sharpshooter-Redaktion spricht eine uneingeschränkte Empfehlung aus und betont noch einmal, dass die Corona-Schutzmaßnahmen hier uneingeschränkt eingehalten werden!

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Fotos: Uli