LORDI auf Killectour 2020 mit FLESH ROXON und ALMANAC

Während quer durch Europa, bedingt durch Sicherheitsmaßnahmen um die Corona-Pandemie in den Griff zu kriegen, Konzerte, Festivals und andere Veranstaltungen verschoben oder komplett gecancelt werden, sind unsere finnischen Lieblingsmonster LORDI unbeirrt unterwegs auf ihrer Killectour 2020 , um mit ihren Psychos von FLESH ROXON und den Powermetallern von ALMANAC um Victor Smolski, die Markthalle Hamburg in ihren Grundfesten zu erschüttern.

Bis zur letzten Minute konnte man die Verunsicherung der Fans spüren, ob dieses Konzert nicht auch noch den Verboten zum Opfer fallen würde. Aber glücklicherweise geschah dies nicht und so konnte man sich auf einen gemütlichen, hart rockenden Abend im großen Saal der Markthalle freuen. Mit gut 650 Rock-und Metalfans war die Location gut besucht, wenn auch nicht ausverkauft, was einem aber zu Gute kam und man ein bisschen mehr Platz und Bewegungsfreiheit zu seinem Nachbarn hatte.

Den Anfang an diesem Abend machten die Finnen FLESH ROXON, die sichtbar ungewohnt für einige anwesende Kuttenträger, allerfeinsten Horrorbilly der Marke KOFFIN KATS oder THE CREEPSHOW lieferten. Wer die Alben der vier Finnen kennt, merkt sofort, dass sie live eine ganze Ecke zackiger um die Ecke kommen und so ist es auch kein Wunder, dass die Band das Publikum bereits mit dem ersten Song in der Tasche hatte. Nach einer guten halben Stunde Vollgas, hat das Quartett merklich an Fans gewonnen, nicht zuletzt, weil sich ihre kongenialen Coverversion des Discofoxklassikers schlechthin, “What is Love” von HADDAWAY, in die Hirnwindungen der anwesenden Headbanger gefressen hat. Ein wirklich toller Auftakt.

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Fotos: Nola

Kurze Umbaupause und ein bis zwei kühle Getränke später steht bereits die zweite Band des Abends in den Startlöchern: VICTOR SMOLSKIS ALMANAC. Wem der Namen des Gründers irgendwie bekannt vorkommt; richtig: derselbe der auch RAGE aus der Taufe gehoben und zu großer Beliebtheit in der Metalszene verholfen hat aber spätestens mit dem gemeinsamen Album mit dem LINGUA MORTIS ORCHESTER auch ihren weltweiten Durchbruch zu verantworten hat.

Im Gepäck hat die Band ihr neues Album “Rush of Death”, das thematisch diesmal von antiken und modernen Gladiatoren handelt. Als “schneller und härter” wurde es angekündigt und mit dem ersten Stück an diesem Abend wird dem auch gleich Rechnung getragen. Eine mächtige Soundwand rollt durch die Markthalle und föhnt den Metalheads die Matte hart nach achtern. FRANK BECK (GAMMA RAY, MAIDEN UNITED) ist an diesem Abend stimmlich in absoluter Topform und liefert sich mit JEANETTE MARCHEWKA Duette, die nicht besser hätten sein können. VICTOR SMOLSKI (Lead Guitar), TIM RASHID (Drums) und KEVIN KOTT (Bass) spielen sich die Seele aus dem Leib und heizen der Menge im Saal mit Songs der neuen Scheibe und Hits ihrer bisherigen Alben ordentlich ein und lassen nach einer mehr als guten Dreiviertelstunde ein sichtlich begeistertes Publikum zurück, um den Headlinern des Abends die Bühne zu überlassen.

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Fotos: Nola

Wer sich auf eine LORDI-Show einlassen will, sollte auf großartige Kostüme, Action auf der Bühne, wortwörtliche Effekthascherei und Musiker, die einfach Bock auf das haben, was sie da treiben, eingestellt sein.

Wenn das Licht ausgeht und die durchdringenden Klänge von KISS’ “God of Thunder” in voller Länge durch das gespenstisch blaue Licht der Bühnenscheinwerfer wabern, sollte die verantwortliche Band auch das abliefern, was sie mit diesem Intro im Grunde versprechen: Druck und Kick Ass Rock n’ Roll. Nehmen wir es mal vorweg: Leider, und ich meine es wirklich ernst, leider gelingt es den Showzombies um Frontmonster Mr. LORDI nicht ganz, diese Erwartungen zu erfüllen. Keine Frage, der Gig macht im Ganzen schon Spaß. Songs wie “Who’s Your Daddy?”, “Naked In My Cellar”, “Blood Red Sandman” oder das von PAUL STANLEY für KISS geschriebene aber nie veröffentlichte “Like A Bee To The Honey”  sind großartig gespielt und gesungen und werden vom Publikum gefeiert und getanzt, doch die Bandhymnen “Devil Is A Loser”, Hard Rock Halleluja” und “Would You Love A Monsterman” ganz ans Ende zu packen und gar fast ausschließlich als Zugaben zu spielen, sorgt während des Hauptteils sichtlich für Gesichter, die zwischen Hoffen und Bangen hängen geblieben scheinen. Immer wieder wird der Zuschauer aus seinem Hör-und Feierfluss gekickt, weil der Radio-DJ des aktuellen Albums “Killection” auf der Bühne deplatziert wirkt und auch die Ansagen MR. LORDIs zu lang erscheinen. Schade eigentlich, denn ohne diese Unterbrechungen wäre ein wirklich starkes Konzert abgeliefert worden. So bleiben einem zum Ende des Abends zwei Erkenntnisse: Zum einen funktioniert nicht alles, was auf dem Album Stimmung erzeugt und eine Geschichte erzählen kann, auch auf der Live-Bühne. Und zum anderen ist nicht immer der Hauptact die beste Band des Abends. Dennoch war es, abzüglich aller Kritik, ein schöner, rockiger Abend, der sein Geld wert war.

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Fotos: Nola