Von Kleeblättern und Kaperfahrten – TUPHEAD steuern den Essener Hafen an und eröffnen für THE MAHONES

Der Kneipenclub “Panic Room” in Essen benannte sich vor einigen Jahren in “Don’t Panic!” um – spätestens seitdem geht es hier sehr gelassen zu. Der gemütliche Schankraum ist aber nicht alles, im berühmten “Hinterzimmer” spielt sich bisweilen Erstaunliches ab. Wer einen schwarzen Vorhang durchschreitet, findet sich im eigentlichen Clubraum mit Bühne wieder. An diesem Abend hatte sich die irisch-kanadische Folk-Institution THE MAHONES angekündigt, die seit sage und schreiben dreißig Jahren durch die ganze Welt tourt, um uns die Freuden von irischem Folk, gemischt mit Punkrock näherzubringen. Der Abend stand also von vorneherein unter feucht-fröhlichem Vorzeichen.

Dafür sorgte natürlich auch der lokale Support. TUPHEAD aus Dortmund ist in ähnlicher Mission unterwegs, wenn auch etwas maritimer. Doch schon vor dem Auslaufen gab es Herausforderungen technischer Art zu meistern. “Mr. Sparrow, was haltet Ihr vom Zustand dieses Taues?” – “Er scheint mir zu sein, wie er sein soll, Sir” – “Wie er sein soll? Weder ist er einwandfrei noch tauglich, Sir. Er ist weder annehmbar, noch zureichend. Er ist ganz offenkundig eine Abscheulichkeit!” – An diesen Dialog aus Pirates of the Caribbean 3 wurde man unweigerlich erinnert, als das “Tau” von Gitarrist Jan sich als untau(g)lich erwies. Doch die örtlichen Techniker konnten mit einem Ersatz-Kabel kurzerhand aushelfen und so konnte die Kaperfahrt doch noch mit dem gleichnamigen Song starten. TUPHEAD promoten aktuell ihre aktuelle EP “Für Rum und Ehre” und spielten uns unter anderem daraus einiges vor, zum Beispiel “Mit der Nase im Wind” und “Rum”. Die intelligenten Texte mit Augenzwinkern und der fröhlich vorpreschende Sound machte dieses Konzert zu einer tollen Erfahrung. Die Jungs und Mädels nehmen sich selbst nicht so ernst und so gab es neben unterhaltsamen Ansagen von Kapitän Alex zwischen Bier und Rum eine Menge Spaß in Seefahrermanier. Auch wenn es angeblich Unglück bringt, eine Frau an Bord zu haben – Vanessa mit ihrem tollen Violinenspiel war eine Bereicherung und maßgeblich mit für die Tanzlust der Zuhörer verantwortlich und Fabian am Schlagwerk hatte sich wohl beim Deckschrubben ordentlich Kraft antrainiert und gab einen schnellen Takt vor. “Adlerauge” Jonathan am Bass konnte dank der Enge des Decks gar nicht zu seinem Kameraden Jan vordringen, um mit diesem gemeinsam einige Takte zu spielen, er musste sich kurzerhand durch die Takelage am Rand der Bühne hangeln. Dass die Crew vor der Bühne mittlerweile auf den Geschmack gekommen war, äußerte sich in lautstarken Wünschen nach einer Zugabe. Der besondere Humor der Band wurde deutlich, als mit “Raffaelo” ein Song gespielt wurde, der für manche Kostverächter einen ganz eigenen “Fluch der Karibik” aus dem Hause Ferrero darstellt, für die meisten allerdings Sommergefühle und Südseesehnsucht auslöst. Es wurde allerdings immer noch mehr verlangt und um einer Meuterei zu entgehen, führte TUPHEAD eine Blitzumfrage unter den Landratten durch und diese ergab – erwartungsgemäß – den Wunsch nach mehr Rum. Und so wurde dieser Song kurzerhand wiederholt. Wer jetzt auch Lust bekommen hat, Teil des Schiffs, Teil der Crew zu werden, muss seine Seele nicht verpfänden oder sich in ewige Knechtschaft begeben, sondern kann auf allen gängigen Streamingportalen reinhören und für eine Live-Musterung muss man auch nur etwas warten. Im Sommer kommen TUPHEAD zum Beispiel nach Mülheim (15.08.), mehr Termine werden zwischendurch in der Regel auch auf Facebook bekanntgegeben.

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Fotos: Marisa Arctica

Der Rest des Abends stand dann unter irischer Flagge, wie nicht nur das Backdrop verkündete. Die gute Laune ging nahtlos weiter, als Finny McConell und seine Truppe von THE MAHONES die kleine Bühne enterten. Der gut gemachte Folk der Jungs und Mädels wird im Moment auf großer Welttournee aufgeführt, um das dreißigjährige Bestehen zu feiern. Hier hatte man es einfach mit Vollblutmusikern zu tun, die es lieben, ihre Lebensart auf die Bühne zu bringen und diese Authentizität spürte das Publikum und so wurde fast durchgängig mitgeklatscht und getanzt. Der Betreiber des Clubs ließ sich auch nicht lumpen und servierte Drinks aufs Haus. Mit Flöte und Akkordeon wurde die Tanzeslust der Besucher potenziert und es fehlte im Grunde nur der Dudelsack. Leider musste unser Redakteur das Kleeblattfeld vorzeitig verlassen, um seinem eigenen beruflichen Glück am nächsten Morgen zu frönen, daher ist leider nicht überliefert, welche Gassenhauer THE MAHONES noch zum Besten gaben und ob es noch weitere Eskapaden am späteren Abend gab. Aber schiefgehen konnte hier sowieso nichts, wenn dieses Mal alle Taue gehalten haben. Die irisch-kanadische Tanzbrigade macht aktuell Spanien unsicher und Mitte März werden sie wieder unser Land beehren. Wer Lust auf pure Lebenslust hat und das Tanzbein zu einem guten Whiskey schwingen will, kann dies in Hameln (12.03.), Hamburg (13.03.) und Schüttorf (14.03.) tun. In diesem Sinne: Slàinte mhath!

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Fotos: Marisa Arctica