Auf Forschungsreise mit ASP an Bord der “Kosmonautilus” – Nächster Halt: Oberhausen

Auf ihrer langen Erkundungsfahrt durch unbekannte Welten steuerte die “Kosmonautilus” am Freitag auch ein Riff namens Oberhausen an, um die wundersamen Wesen zu erforschen, die dort leben. Und die kamen zu Tausenden, um das fremdartige Gebilde in Augenschein zu nehmen.
Die Besatzung kam in Frieden und nur von dem Gedanken beseelt, die Stille der tiefen See mit wunderbaren Klängen anzufüllen, denn bekanntlich kann sich Schall unter Wasser sehr viel schneller verbreiten als an der Luft. Die Signale, die ASP vom Unterseeboot aus absendete, hatten genau die richtige Frequenz und trafen auf viele dankbare Empfänger.

Doch zunächst durften die mitgereisten Studenten der Universität Atlantis TWO MINDS COLLIDE ein Klangexperiment veranstalten, das sie vorbereitet hatten. Das junge Trio beschäftigt sich schon länger mit dem Unbekannten und erhoffte sich von dieser Forschungsreise neue Erkenntnisse über die “Unknown Identity” von “Person X”. Auch hier gab es interessante Wellenmuster zu bestaunen und insbesondere die großartige Stimme von Sänger Lias Schwarz schnitt mühelos durchs Wasser und brachte den Meeresboden zum Vibrieren. Wer auf energetische Rockmusik mit ordentlich Speed steht, sollte sich dem Sonar aus dem Saarland unbedingt einmal aussetzen. Mit der Ursprungsformation SPIELBANN hat die neue Konstellation nichts mehr gemeinsam. Gesungen wird auf englisch und statt folkigen Elementen kommt hier eine gehörige Portion Punk aufs Tapet. Manch ein Tiefseebewohner in Oberhausen zeigte sich von dieser Menüfolge ähnlich überrascht wie die Gäste an Bord der Nautilus, als Kapitän Nemo ihnen Spezialitäten aus Seetang und Quallen servierte. Gemundet hat es aber dann doch auf jeden Fall!

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Fotos: Birger Treimer

Schichtwechsel! Während die Studenten ihre Daten auszuwerten begannen, warf die “Kosmonautilus” die Propeller an und nun trat Kapitän Asp ans Steuer und seine Crew bemannte den Maschinenraum. Mit “Rückfall” und “Morgengrauen irgendwo” folgte der Kurs zunächst auch dem der neuen Platte, bis mit “Torpedos” die Geschwindigkeit um einige Knoten erhöht wurde. Als die Geigenklänge von “Krabat” einen Richtungswechsel des Bootes ankündigten, steckte plötzlich auch die Kantorka der vergangenen Tour ihren Kopf aus der Koje, was der Band sichtlich gefiel. Die meisten Besucher waren ganz offensichtlich Wiederholungstäter und nicht zufällig in Oberhausen vorbeigeschwommen. Doch was war das? Die Synthieklänge, die plötzlich vom U-Boot aus in alle Richtungen ausstrahlten, hatte man schon eine ganze Weile nicht mehr vernommen. “Eisige Wirklichkeit” war endlich, endlich in die Setlist zurückgekehrt, was zu hektischen Bewegungen des Schwarmes führte. Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse unter Wasser und der vielen ablenkenden Schwebstoffe, war die Mission der “Kosmonautilus” auf akustische Forschung ausgerichtet, fotografische oder gar filmische Aufnahmen waren also wieder einmal nicht vorgesehen. Dieses Verbot von der Brücke wurde nur kurzzeitig gelockert, als der Song “Werben” ertönte, hier wurde hinter den Bullaugen ausnahmsweise für die ungeliebten Aufnahmegeräte posiert. Doch direkt danach hüllte sich die “Kosmonautilus” wieder in einen Schleier aus Krill und Luftblasen und tauchte außer Sicht in die lichtlosen Abyssale ab.

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Fotos: Birger Treimer

 

Für “Demon Love” wurde dann auch nochmal ein älteres Grammophon aus dem vergangenen “Weltunter”-Zeitalter angeworfen und für “Wanderer” schaltete Maschinist Lutz Demmler sogar den elektrischen Antrieb ab, um eine Weile akustisch dahinzudriften. Doch die stürmischen Zeiten erlauben es laut Kapitän Asp nicht, sich längere Zeit planlos treiben zu lassen. Der Kurs muss klar definiert sein und manche Manöver sind unbedingt zu vermeiden, weil das Boot für enge Rechtskurven nicht gebaut wurde und dadurch Risse davontragen könnte. Mit “GeistErfahrer” und “Ich bin ein wahrer Satan” bewegte sich die “Kosmonautilus” dann auch schnurstracks geradeaus. Mit “Schalentier, wie steht es um deinen Kern?” und “Weichtierkern, wie steht es um deine Schale?” wurden uns dann noch zwei essentielle Fragen gestellt, über die es sich wahrlich lohnt nachzudenken. Aber hier waren alle Anwesenden auf Kurs, aus “Kann” wurde endlich “Muss” und in der Bugwelle der Kosmonautilus schwammen alle gemeinsam auf das Ende des Korallenriffs zu. Ob Fisch oder Muschel, ob Kopffüßer oder Qualle, sie alle zelebrierten ihre Gemeinsamkeit mit “Schwarzes Blut” und warfen ihre Schatten voraus, bis der Propeller plötzlich stillstand und alle gespannt lauschten. Die ganze Zeit über hatte das Sonar des Unterseebootes beständig Schallwellen ausgesandt, doch nun erwartete man das Echo der Tiefe. Ohne Reflexion, ohne zurückgeworfenen Klang, ist ein Sonar nämlich vollkommen nutzlos und verliert sich. Da! Erst schwach, dann stärker werdend vernahm man ein langgezogenes “Eeeeeeee-ooooooooo”. Die beiden Töne schwollen an und wieder ab, immer weiter, bis der Antrieb der “Kosmonautilus” noch zweimal dröhnend wieder angeworfen wurde und es noch ein Stückchen weiter vorwärts ging, bis mit dem “Schwarzen Schmetterling” die letzte sonderbare Kreatur besungen war und die Scheinwerfer, die letzten Korallen sanft streifend, gen Wiesbaden ausgerichtet wurden. Das Boot verschwand in der Ferne, an Bord eine sichtlich zufriedene Crew und jede Menge Daten zum maritimen Leben in Oberhausen. Und auch der Schwarm der Riffbewohner löste sich auf, jeder schwamm seiner Wege. Eines hat die Kosmonautilus und ihre Besatzung schon jetzt bewiesen: Wo Licht sich schon nach wenigen Metern im Wasser verliert und der Greifarm, da zu kurz und ungelenk, versagt, vermag es einzig und allein der Klang der Musik, eine magische Verbindung zwischen Forscher und Erforschtem herzustellen!

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Fotos: Birger Treimer

SETLIST ASP “KOSMONAUTILUS-TOUR” OBERHAUSEN

1. Rückfall
2. Morgengrauen irgendwo
3. Torpedos
4. Krabat
5. Eisige Wirklichkeit
6. Phragmokontrolle
7. Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe)
8. Souvenir, Souvenir
9. Werben
10. Abyssus II (Musik)
11. Demon Love
12. Tintakel
13. Lykanthropie (Es tobt ein Krieg in mir)
14. Wanderer
15. GeistErfahrer
16. Ich bin ein wahrer Satan
17. Kosmonautilus
18. Schwarzes Blut
19. Schatten eilen uns voraus

20. Medley: 20.000 Meilen / SonARTa / Bernsteinmeerengel / Zutiefst
21. Ich will brennen / Fortsetzung folgt

22. Schwarzer Schmetterling